Es ist nur eine rund zwei Kilometer lange Zugfahrt, die die zwei Landesminister und der Konzernbevollmächtigte da unternehmen: Von einem Tunnelausgang in Thüringen bis auf eine Talbrücke in Bayern. Für die Deutsche Bahn ist die Tour mit einem Neigezugtriebwagen jedoch besonders wichtig. Sie markiert das Ende der größten Bahnbaustelle Deutschlands und sie zeigt, dass es 2017 tatsächlich soweit sein kann, dass eine Zugfahrt von Berlin nach München nicht mehr sechs, sondern nur noch knapp vier Stunden dauert. Keine Selbstverständlichkeit, denn der Start wurde mehrfach verschoben.
Insgesamt 3,8 Milliarden Euro haben die knapp 107 Kilometer zwischen der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt und dem bayerischen Ebensfeld nördlich von Nürnberg gekostet. Dafür gibt es jetzt zum Beispiel 29 Brücken. Dennoch wird der Fahrgast von der Landschaft des Thüringer Waldes recht wenig sehen. 41 Kilometer der Strecke liegen in einem der 22 Tunnel. Bisher kurvt der Fernverkehr von Berlin nach Süden durch die Schlaufen des Saaletales – malerisch, aber auch deutlich langsamer.
Zunächst fahren nur Testzüge
Die Neubaustrecke ist Teil des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit 8. An der Gesamtstrecke wird seit 1991 gebaut, zwischen Berlin und Halle/Leipzig war man 2006 fertig, die 123 Kilometer lange Schnellstrecke zwischen Leipzig und Erfurt wird seit Ende vergangenen Jahres befahren. Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2017 soll dann auch der jetzt fertiggestellte Teil in Betrieb gehen. Bis dahin fahren nur Testzüge auf der Strecke.
Ganz am Anfang gingen die Planer des Verkehrsprojekts sogar von einer Fertigstellung bereits 2000 aus. Zu ambitioniert, wie sich recht schnell zeigte. Der Termin 2017 stammt aus dem Jahr 2007. Auch mit der Neubaustrecke sind immer noch nicht alle Arbeiten am Verkehrsprojekt beendet. Zwischen Ebensfeld und Nürnberg muss die bestehende Strecke von zwei auf vier Gleise ausgebaut werden. Zudem wird die Technik auf Geschwindigkeiten bis Tempo 230 ausgelegt.
Erstmals konkurrenzfähig zum Flugzeug
Auf der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke werden die Züge bis zu 300 Kilometer in der Stunde fahren können. Klassische Signale gibt es nicht mehr, die Strecke ist mit dem neuen EU-Standard ETCS ausgestattet. Der Zug wird praktisch per Funk gesteuert. Der Haken: Der Bahn fehlen bisher ausreichend Züge mit der entsprechenden Technik. Der neue ICE4, den der Konzern am kommenden Mittwoch in Berlin vorstellen will, ist zwar mit dem neuen Funk ausgestattet, wird aber erst nach und nach ausgeliefert. Und: Tempo 300 schafft er anders als der ICE3 nicht.
Von der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke Berlin–München erhofft sich die Bahn einiges. Mit einer Fahrzeit von knapp vier Stunden wäre der Zug erstmals konkurrenzfähig mit dem Flugzeug – jeweils von und in die Innenstadt gerechnet. Allein die Fahrt vom Hauptbahnhof zum Flughafen in München dauert rund 40 Minuten, in Berlin kommen 20 Busminuten von Tegel zum Hauptbahnhof hinzu.
Umsatz der Deutschen Bahn im Fernverkehr steigt
Im Fernverkehr kämpft die Deutsche Bahn nicht nur gegen die Konkurrenz der Fluglinien, sondern vor allem gegen die Fernbusanbieter – mit Sparpreisen und Rabatten. Das macht sich offenbar bemerkbar. „Wir verfehlen unsere Umsatzziele“, schreibt Fernverkehrschefin Birgit Bohle an die Mitarbeiter. „Wenn wir nicht gegensteuern, könnte der Fernverkehr schon bald Verlust machen.“
Die Zahlen sehen allerdings fürs erste Halbjahr nicht allzu schlecht aus. Die günstigen Angebote locken mehr Fahrgäste, der Konzern steuert auf einen Rekord zu. Im Fernverkehr setzte die Bahn zwei Milliarden Euro um, ein Plus von 4,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig sank allerdings das Ergebnis vor Steuern und Zinsen um 5,3 Prozent auf 54 Millionen Euro – wegen der Rabatte, aber auch wegen höherer Kosten für Personal, Strom und die Trassen. Die Trassengebühr zahlt der Fernverkehr an die Netzgesellschaft, die auch zum Bahnkonzern gehört.
Offenbar ist die Bahn auch pünktlicher geworden. Bohle sieht im Juli die Trendwende. Das Ziel, dass nur noch jeder fünfte Fernzug sich verspätet, hält sie allerdings für „zu ehrgeizig“.


