Flugreisen

Bordservice: Die Zeiten von Fassbier und Hummer sind vorbei

Einige Fluglinien bieten auf der Kurzstrecke kaum noch Service an. Historische Bilder von warmen Büfetts wirken aus der Zeit gefallen.

An Bord der Fluglinie SAS gab es lange Zeit ausufernde Büfetts. Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein.

An Bord der Fluglinie SAS gab es lange Zeit ausufernde Büfetts. Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein.

Foto: SAS / Scandinavian Airlines

Berlin.  Die deutschen Fluglinien Air Berlin und Condor stellen noch in diesem Jahr auf Kurz- und Mittelstrecken den kostenlosen Service bei günstigen Tickets ein. Jeder Tomatensaft und jeder Cracker kosten dann extra. Nicht zuletzt, weil diese Entwicklung in großen Teilen der Branche um sich greift, tritt bei vielen Reisenden eine gewisse Wehmut ein.

Denn es gab auch mal bessere Zeiten. Da stand der Start nicht nur für einen Steigflug über die Wolken, sondern auch für sozialen Aufstieg. Wer auf einer Langstrecke unterwegs war, wurde behandelt wie ein König. Historische Aufnahmen der Lufthansa und von Scandinavian Airlines lassen vermuten, dass der Flug in den meisten Fällen luxuriöser war als der Aufenthalt am Urlaubsort oder während einer Geschäftsreise.

An Bord wurden Bier vom Fass serviert oder Garnelen in der heißen Pfanne frisch am Platz zubereitet – selbstverständlich von einem ausgebildeten Koch. Während es heute schwer zu sagen ist, ob ein Schinken-Käse-Sandwich im Flugzeug wirklich Fleisch enthält, war die Beurteilung früher einfacher. Ein frischer ganzer Schinken zählte sowohl in Deutschland wie auch in Skandinavien auf einigen Flügen zum Angebot.

Ein Schinken als Wiedergutmachung für hohe Preise

Doch war solch ein Service von den 1960er Jahren bis in die 1980er Jahre wirklich Standard? Auf eine Anfrage zu Bier und Schinken an Bord heißt es von Lufthansa-Archivarin Carola Kapitza: „Ja, beide von Ihnen angeführten Serviceleistungen gab es bei Lufthansa an Bord.“ Nach Angaben von Kapitza war der luxuriöse Service im Ticketpreis enthalten. Lediglich einige alkoholische Getränke mussten extra gezahlt werden.

Dass der Service in den 1960er Jahren so einen hohen Standard hatte, ist in Augen von Historikern letztendlich mit dem Preis zu rechtfertigen. „Der Flug der DLH Hamburg – New York kostete 1960 in der Economy-Klasse 2185 D-Mark, gleichzeitig lag das durchschnittliche Jahreseinkommen aller Angestellten der Lufthansa bei 12.081 Mark. Der Flug kostete also rund zwei Monatseinkommen, und er dauerte auch wesentlich länger als heute“, so Lutz Budrass von der Ruhr-Universität Bochum. Budrass hat sich unter anderem in seinem Buch „Adler und Kranich: Die Lufthansa und ihre Geschichte 1926 – 1955“ ausführlich mit der Geschichte der Fluglinie beschäftigt. Seiner Meinung nach konnte der Kunde bei so hohen Preisen auch viel Luxus erwarten.

Aber auch der Wettbewerb unter den Fluglinien spielte eine Rolle. Ab den 1950er Jahren überquerten laut Heiko Triesch vom Deutschen Technikmuseum jährlich mehr Menschen mit dem Flugzeug den Atlantik als mit dem Schiff. Mehr Fluggäste bedeuteten auch einen größeren Wettbewerb, in dem sich Kunden wohl oft für den Anbieter mit dem besten Service entschieden.

Wann verschwand der Hummer aus der Kabine?

Vor allem größere und technisch ausgefeiltere Flugzeuge hatten auch Auswirkungen auf den Service an Bord. Mit der Markteinführung der Boeing 707 und ihren Nachfolgern teilten Airlines die Maschinen in unterschiedliche Klassen. Wer weniger bezahlte, bekam dann auch weniger Service. In Deutschland setzte laut Lutz Budrass vor allem ab den 1980er Jahren ein stärkerer Preisdruck ein, da ab dann die Lufthansa nicht mehr die einzige nationale Fluglinie war. Wirtschaftliche Zwänge waren nach Angaben des Bochumer Historikers ein weiterer Faktor. „Es war um 1980, nachdem das Einkommensniveau in Europa zu den Vereinigten Staaten aufgeschlossen hatte, weniger einfach, einen hochwertigen Service preiswert anzubieten“, so Budrass. Flugreisen symbolisierten ab da kaum noch einen sozialen Aufstieg, sondern vor allem eine schnelle und relativ günstige Alternative zum Auto und zum Schiff.

Branchenkenner glauben zwar, dass der Hummer aufgrund kürzerer Standzeiten und letztendlich auch gestiegener Hygienebedingungen an Flughäfen keine Starterlaubnis mehr erhält. Doch die Hoffnung auf luxuriöses Essen und erfrischende Kaltgetränke an Bord stirbt vorerst nicht. Beobachter vermuten sowieso, dass das Service-Ende bei Air Berlin und Condor auch Marketingzwecke erfüllt. Wer keinen Service mehr anbietet, zeigt: Wir sind so günstig, selbst ein Cracker und ein paar Flaschen Wasser würden die Ticketpreise hochtreiben.

Und so scheint es, dass vor allem Airlines aus dem Mittleren Osten sich beim Service auf der Langstrecke zu überbieten versuchen. Schlafmöglichkeiten, erlesene Weine und Cocktailbars sind keine Seltenheit mehr. Laut Heiko Triesch vom Deutschen Technikmuseum gilt ein alter Spruch der Luftfahrbranche immer noch: „Geld wird vorne im Flugzeug verdient“ – also mit teuren Tickets.

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