Wirtschaft

Berliner Start-up krempelt mit Postern und bedruckten Shirts den Online-Kunstmarkt um

Jürgen Stüber über die Designplattform Juniqe, die 14 Millionen Euro erhalten hat

Sie sind Anfang 2014 aus den Überresten der Onlinedesignplattform Fab entstanden, arbeiteten beharrlich an ihrem Konzept und präsentieren jetzt eine Erfolgsmeldung: Juniqe, der Onlinemarkt für Gebrauchskunst und Design, hat von Investoren den stolzen Betrag von 14 Millionen Euro erhalten. Juniqe bietet in seinem Shop Poster, Mode- und Wohnaccessoires an. Es gibt Drucke, Lifestyleprodukte wie bedruckte T-Shirts, Hoodies und Bademoden sowie von Designern gestaltete Smartphone- und Tablethüllen, Notizhefte, Grußkarten und Geschenkpapier.

Was macht Juniqe so erfolgreich? Die Gründer Lea Lange, Marc Pohl und Sebastian Hasebrink haben es geschafft, den Gebrauchskunstmassenmarkt mit einem kuratierten Produktportfolio zu erschließen und dem Kunden den Eindruck zu geben, ein personalisiertes Produkt zu erwerben. Die Berliner haben anscheinend eine Marktlücke gefunden, die von anderen Anbietern nur unzureichend besetzt ist. So haben etwa die Künstler der Plattform eigene Profilseiten, auf denen sie sich und ihre Arbeit vorstellen. Offensichtlich findet dieser Markt sein Publikum, wobei Juniqe gezielt die reichweitensteigernden und gemeinschaftsstiftenden Effekte von Netzwerken wie Facebook, Instagram und Pinterest einsetzt. „Immer wenn wir eine neue lokale Juniqe-Domain eröffnen, werden wir mit offenen Armen empfangen“, sagt Lea Lange. Das Berliner Start-up ist im vergangenen Jahr um 500 Prozent gewachsen und will seinen Umsatz 2016 verdreifachen.

Das Unternehmen will mit dem Kapital seinen begonnenen Internationalisierungskurs fortsetzen. „Im europäischen Ausland steckt für uns noch ein enormes Wachstumspotenzial“, erklärt Lea Lange in einer Mitteilung ihres Unternehmens. Ein knappes Jahr nach dem Start in Frankreich macht der Marktplatz nach eigenen Angaben bereits 15 Prozent seines Umsatzes in dem Nachbarland. Insgesamt erwirtschaftet Juniqe 40 Prozent seines Umsatzes im Ausland und versendet seine Produkte in 13 europäische Länder.

Lea Lange und ihre beiden Mitgründer wollten 2013 dem Niedergang der gehypten und grandios überbewerteten Plattform Fab nicht tatenlos zusehen, die an Managementfehlern zugrunde ging. Lea Lange war dort Strategiechefin, zuvor beim Flash-Sale-Anbieter Casacanda, der im Jahr 2012 von Fab geschluckt wurde, Chefeinkäuferin. Fab bot zunächst Designprodukte in befristeten Verkaufsaktionen (Flash Sales) an und versuchte sich dann mit auf Maß gearbeiteten Designmöbeln.

Investorin Irena Goldenberg vom Wagniskapitalgeber Highland Capital Europe ist von dem Konzept der Berliner Gründer überzeugt: „Juniqe durchbricht mit seinem einzigartigen Geschäftsmodell das traditionelle Verständnis von Kunst.“ Die Firma erschließe sich ein völlig neues Marktsegment und revolutioniere den Onlinekunstmarkt.