Internetkonzern

Rocket Internet will Ende 2017 profitabel werden

Keine Revolte trotz 200 Millionen Euro Verlust und einem halbierten Aktienkurs. CEO Oliver Samwer zeigt sich erneut als Aktionärsflüsterer.

Oliver Samwer, Vorstandsvorsitzender von Rocket Internet, spricht bei der Hauptversammlung in Berlin

Oliver Samwer, Vorstandsvorsitzender von Rocket Internet, spricht bei der Hauptversammlung in Berlin

Foto: AXEL SCHMIDT / REUTERS

Berlin.  Aktionäre des Internetunternehmens Rocket Internet brauchen weiter Geduld. Im vierten Quartal 2017 seien drei Unternehmen profitabel, versprach der Vorstandsvorsitzende Oliver Samwer bei der Hauptversammlung im neuen Firmensitz im Kreuzberger GSW-Tower. „2014 war das Jahr des Roll-outs, 2015 das Jahr der Skalierung“, sagte er und kündigte an, 2016 stehe die Verbesserung der Profitabilität im Mittelpunkt und 2017 der Break Even. Die Aktionäre nahmen es gelassen.

Rocket Internet sieht sich als weltgrößter Unternehmensentwickler außerhalb der USA und Chinas, hat Firmen wie Zalando aufgebaut. Der Konzern führt mehr als 180 Gesellschaften, hatte zuletzt knapp 200 Millionen Euro Verluste eingefahren. Eine Kapitalerhöhung und eine Wandelanleihe über 550 Millionen Euro sorgten 2015 für Unruhe und Kritik auf den Märkten. Der Rückzug seines Partners, des schwedischen Investors Kinnevik, aus dem Aufsichtsrat wirkte auch nicht gerade vertrauensbildend.

Finanzpolster von 1,8 Milliarden Euro

Oliver Samwer wirkte angespannt, nicht so locker wie bei der Technologiekonferenz Noah am Vortag im Tempodrom. Er skizzierte die Vision des Konzerns, innovative Unternehmen aufzubauen, in den bekannten schillernden Farben, verwies auf das verbesserte Ergebnis und das Finanzpolster von 1,8 Milliarden Euro für künftige Investments. „Wir verfügen über mehr Kapital als jeder andere Investor in Europa.“

Den Verkauf von neun Prozent der Anteile am Onlinehändler Lazada für 137 Millionen Euro an den chinesischen E-Commerce-Marktführer Alibaba zog er als Beleg für den Erfolg der Strategie heran. „Wir werden immer ein Wachstumsunternehmen bleiben“, sagte er und nannte als Marge 25 bis 40 Prozent jährlich. Der Umsatz des Lieferdienstes Hello Fresh zum Beispiel sei seit der Gründung um den Faktor 40 gestiegen.

Aktionäre wollen höheren Aktienkurs

Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger stellt das nicht zufrieden. Er berichtete vom Unmut der Aktionäre wegen des Kursabsturzes der Rocket-Aktie, die mit einem Kurs von 42,50 Euro vor 20 Monaten an die Börse gegangen ist.

„Es ist nicht so, dass wir uns damit nicht beschäftigen“, entgegnete Samwer und relativierte damit die flapsige Äußerung vom Vortag, er sehe sich den Kurs an, wenn er am Wochenende Langeweile habe. Die Aktie entwickele nur dann einen guten Kurs, wenn erfolgreiche Unternehmen dahinter stehen, stellte Samwer klar. „Tagsüber bauen wir Unternehmen, auf dem Nachhauseweg sehen wir uns den Aktienkurs an.“

Das Geheimnis des nächsten Börsengangs

„Das Unternehmen hatte vielleicht falsche Erwartungen geweckt“, sagte der Aktionärsvertreter mit Blick auf ausgebliebene Börsengänge, was Anleger enttäuscht habe. Die Erläuterung, Rocket habe unter den Marktbedingungen gelitten, sei „beschönigend“. Die Aktie habe sich schlechter entwickelt als das Umfeld. Samwer entgegnete: „Wir haben gelernt, dass der Zeitpunkt eines Börsengangs je zur Hälfte vom Markt und vom Unternehmen abhängt.“ Auf einen Zeitpunkt und ein Portfolio-Unternehmen wollte er sich nicht festlegen. Er sagte aber, der Food-Bereich werde als erster profitabel sein.

Auch die Antwort auf die Frage eines Aktionärs nach einer Dividende blieb Samwer schuldig. „Wir glauben, dass das Internet erst am Anfang steht. Seine beste Zeit kommt noch.“ Das sei eine Frage von Dekaden. Deshalb sei es auch unwahrscheinlich, dass kurzfristig mit Dividenden auf Rocket-Aktien zu rechnen sei. Auch Sonderdividenden seien nicht zu erwarten, weil das Unternehmen vorzugsweise investieren wolle.

Vorsicht bei FinTechs

Rocket will weiter an seiner erprobten Plattformstrategie bleiben. Unternehmen aus dem Bereich der Finanztechnologien will Rocket Internet nur behutsam in sein Portfolio aufnehmen. „FinTechs sind interessant und spannend, aber ein sehr hohes Risiko“, sagte Samwer. FinTech-Start-ups stünden heute dort, wo E-Commerce im Jahre 1994 stand. Rocket Internet hat mehr als zehn FinTechs in seinem Portfolio.

Als möglich bezeichnet Samwer, dass Rocket in den Bereich der Geschäftsdienstleistungen einsteigen werde und seine Fernost-Aktivitäten auf dem Markt der touristischen Dienstleistungen ausbauen wird.

Warum ein Aufsichtsrat aufgibt

Der scheidende Kinnevik-Aufsichtsrat Lorenzo Grabau versuchte, eine Trennung im Streit zu dementieren. Er begründete seinen Rückzug aus dem Aufsichtsrat mit potenziellen Konflikten. Kinnevik und Rocket seien eine Partnerschaft eingegangen, als Rocket ausschließlich Unternehmen entwickelte. Neuerdings sei das Unternehmen aber verstärkt im Investment-Bereich aktiv. Das aber sei Kerngeschäft von Kinnevik. „Wir pflegen auch weiter eine enge Partnerschaft, wenn es um den Aufbau von Unternehmen geht“, sagte Grabau.