Rohstoffe

US-Firma will auf Asteroiden bohren – und viel Geld machen

Die US-Firma Deep Space Industries will Rohstoffe aus Asteroiden holen und Milliarden verdienen. Das interessiert besonders Luxemburg.

Foto: Credit and Copyright: Bryan Versteeg / DSI. All rights reserved.

Washington.  Erst Bergbaustandort. Dann Steuerparadies und Mekka für Finanzdienstleistungen. Und künftig Drehkreuz für die Erschließung von Rohstoffen aus dem Himmel – das kleine Luxemburg will hoch hinaus. Gemeinsam mit führenden amerikanischen Unternehmen setzt der Regierungschef des Großherzogtums, Xavier Bettel, auf das milliardenschwere Zeitalter des Bergbaus im Weltall. Bergbau, wo bitte?

Der Plan mutet an wie pure Science-Fiction, ist aber in einschlägigen US-Labors schon weit gediehen: Schon 2021 sollen Minisonden ins All starten, um die Beschaffenheit von mehreren Tausend Asteroiden in relativer Erdnähe zu untersuchen, die es laut US-Raumfahrtbehörde Nasa wirklich in sich haben. „Abbaufähigkeit“ ist laut Rick Tumlinson von der kalifornischen Start-up-Firma Deep Space Industries (DSI), die bald in Luxemburg ein Büro eröffnet, das Zauberwort. Es geht um die Frage, welche wertvollen Edelmetalle in den umherschwirrenden Himmelskörpern stecken. Und wie man sie am besten heben kann.

Kobalt, Gold, Platin, Iridium, Palladium – und Wasser

Liegt die Analyse vor, sollen mittelfristig mit wiederverwendbaren Raketen ins All geschossene Minenfahrzeuge die Asteroiden wie weiland Bruce Willis im Hollywoodfilm „Armageddon“ anbohren, die Materialien gewinnen, zur Erde transportieren oder – noch effizienter – „vor Ort“ mithilfe von 3-D-Druckern und Robotern direkt für den galaktischen Weiterverbrauch verarbeiten, etwa als Raketendüse oder Solarzelle.

Neben dem Abbau von Kobalt, Gold, Platin, Iridium und Palladium konzentrieren sich die Pioniere auf einen anderen im Überfluss auf Asteroiden vermuteten Rohstoff: auf Wasser. Die Moleküle von gefrorenem H2O aufzuspalten in Wasserstoff und Sauerstoff und direkt in die Tanks von Marathonraumgleitern einzuspeisen, die einmal Richtung Mars unterwegs sein werden, bedeute einen Quantensprung, sagt Chris Lewicki.

Finanzielle Dimensionen sind astronomisch

„Zwei Tonnen Wasser ins All zu befördern, kostet zurzeit 100 Millionen Dollar im Jahr“, rechnet der Chef des DSI-Konkurrenten Planetary Resources in Seattle vor. Könnte man durch „Asteroidenmelken“ den Treibstoff schon im Orbit gewinnen und umwandeln, täten sich „riesige Chancen“ auf – für die weitere Erforschung des Sonnensystems, aber auch für potenzielle Investoren, die Lewicki bereits 2013 von der kühnen Idee in Kenntnis gesetzt hatte. Allein, die finanziellen Dimensionen des Unterfangens sind astronomisch.

Luxemburg ist davon überzeugt, dass jetzt die Poleposition vergeben wird, die darüber entscheidet, wer im „außerirdischen Goldrausch der Zukunft“ durch Technologievorsprung so unermesslich reich werden kann, wie es der US-Astrophysiker Neil deGrasse Tyson prophezeit: „Der erste Trillionär der Menschheit ist der, der zuerst Bergbau im All betreibt.“ Im Englischen ist damit eine 1 mit zwölf Nullen gemeint. Wie die Kalkulation dazu geht, rechnen Nasa-Experten vor.

Ein Asteroid enthält Platin im Wert von 100 Billionen Dollar

Ein Asteroid mit einem Durchmesser von 500 Meter enthalte so viel Platin, wie insgesamt auf der Erde in fünf Jahren nicht geschürft wird – Gegenwert: unvorstellbare 100 Billionen Dollar. Weil die hochfliegenden Pläne mit exorbitanten Kosten beginnen, sind unter den Wegbereitern solvente Leute wie Google-Mitgründer und Multimilliardär Larry Page, der Planetary Resources mitfinanziert, oder Virgin-Boss Richard Branson.

Luxemburg hatte seine Aktivitäten verstärkt, nachdem US-Präsident Obama im November im Alleingang gewährleisten wollte, dass es auf der Erde Regeln gibt, bevor es im Himmel zur Sache geht. Der sogenannte US Commercial Space Launch Competitiveness Act stellt aber nur sicher, dass US-Bürger und US-Unternehmen sich der kommerziellen Nutzung von Rohstoffen im Weltall widmen dürfen.

Wem gehören die Rohstoffe im All?

Dahinter steht, dass es völkerrechtlich für alle Länder verbindliche Vereinbarungen über die Besitzverhältnisse im Universum bisher nicht gibt. Der Weltallvertrag von 1967 beschreibt den Weltraum als „gemeinsames Erbe der Menschheit“. Das schließt den Mond ein, auf dem Neil Armstrong 1969 nur symbolisch die US-Fahne hisste. Wem die Ressourcen dort und auf anderen Himmelskörpern gehören, ist rechtspolitische Grauzone. Luxemburg setzt sich dafür ein, dass Regeln gefunden werden – bevor der Run auf die Himmelsschätze einsetzt.

Neben dem politischen Gewicht der Regierung und der Erfahrung des in Betzdorf ansässigen weltgrößten Satellitenkonzerns SES Global will Luxemburg auch jede Menge Geld einbringen. Die von der Firma DSI konzipierte Rakete „Prospector-X“, die speziell zur Rohstofferkundung gebaut und in spätestens fünf Jahren flugtüchtig sein soll, bekommt Zuschüsse des luxemburgischen Steuerzahlers. Jede Menge Geld also für die Kohle von morgen.