Online-Versandhandel

Zalando wirbt um Marken Zara und H&M – und bekommt Absage

H&M-Shirts oder Zara-Kleider bei Zalando? Der Online-Händler kündigt das als Ziel an. Die großen Wettbewerber reagieren überrascht.

Massenhaft Zalando-Päckchen: Künftig könnten darin auch Artikel von bisherigen Konkurrenten wie Zara und H&M sein, kündigt Zalando an.

Massenhaft Zalando-Päckchen: Künftig könnten darin auch Artikel von bisherigen Konkurrenten wie Zara und H&M sein, kündigt Zalando an.

Foto: Arne Dedert / dpa

Berlin.  Zalando will zu einer Art digitaler Einkaufsstraße werden – und dafür möglichst viele Modeunternehmen auf seine Plattform locken. Modeunternehmen sollen den Online-Handel mit ihren Marken künftig komplett über Zalando abwickeln können. „Ziel ist tatsächlich: Wir wollen zur digitalen Strategie von unseren Markenpartnern werden“, sagte das Vorstandsmitglied des Berliner Internet-Versandhändlers, David Schneider, am Dienstag bei der zweiten Hauptversammlung des Unternehmens.

Markenfirmen sollen auf der Plattform eigene digitale Shops einrichten und verwalten können. Auch bisherige Konkurrenten wie Zara und H&M will das Unternehmen langfristig an seine Plattform binden. Gerade beim Shopping über mobile Apps sei es für die Modeunternehmen extrem schwierig geworden, Kunden gezielt anzusprechen, sagte Schneider.

Doch die angesprochenen Unternehmen in Deutschland sind in diese Pläne bisher zumindest nicht eingeweiht. H&M erteilt eine deutliche Abfuhr: „Es gibt keine Pläne, zukünftig H&M Produkte über Zalando zu verkaufen“, sagte eine Sprecherin unserer Redaktion. „Unser Onlineshop stellt eine unverzichtbare und wachsende Ergänzung zu den H&M Geschäften dar und ist seit 2007 sehr erfolgreich.“ Zara Deutschland kündigte zunächst an, eine Stellungnahme mit dem Mutterkonzern in Spanien abzustimmen, wollte dann aber gar nicht Stellung nehmen.

Lieferung am gleichen Tag wird ausgeweitet

Allein in diesem Jahr will Zalando 200 Millionen Euro in Logistik und Technologie investieren. Vor allem geht es dem Unternehmen darum, seinen Marktanteil weiter auszubauen. In den 15 Ländern, in denen Zalando aktiv ist, würden jährlich im Modehandel 420 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet – die Berliner haben daran bislang nur einen Anteil von unter einem Prozent. „Deswegen sehen wir da schon noch extrem viel Luft, um zu wachsen“, sagte Vorstandsmitglied Schneider.

Auch will das Unternehmen weiter an seiner Kundenfreundlichkeit feilen: Die bislang nur testweise eingeführte Lieferung am Tag der Bestellung soll vorangetrieben werden. Und wer besonders häufig Ware zurückschicke, brauche weiterhin nicht fürchten, dass sein Konto gesperrt werde. Die Retourenquote liege seit Jahren recht konstant bei 50 Prozent. Künftig sollen bessere Bilder und bessere Größenvorschläge diesen Anteil drücken.

Zalando-Aktie zuletzt schwächer

Zalandos Aktienkurs schwächelte zuletzt: Nach einem Höchststand im Dezember verlor die Aktie bis Ende Mai rund ein Viertel ihres Werts. Mit einer Dividende können die Aktionäre vorerst weiter nicht rechnen. Das Unternehmen wolle die Gewinne investieren und nicht ausschütten, sagte Vorstandsmitglied Rubin Ritter. Malte Diesselhorst von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz forderte ein langfristiges Bekenntnis zur Dividende. Das könne den zuletzt recht stark schwankenden Aktienkurs stabilisieren.

Das operative Ergebnis des Online-Mode-Versands legte im vergangenen Jahr um knapp ein Drittel auf 107,5 Millionen Euro zu. Es gingen 55,3 Millionen Bestellungen ein. Das Unternehmen beschäftigt rund 10.000 Mitarbeiter. (law/dpa)