Nullzinspolitik

Kommt für die Sparer das Ende der kostenlosen Girokonten?

Politik und Banken sind besorgt über die Auswirkungen der Niedrigzinsen. Für die Bankkunden beginnen die Auswirkungen bereits jetzt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beim Deutschen Sparkassentag in Düsseldorf.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beim Deutschen Sparkassentag in Düsseldorf.

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Düsseldorf.  Georg Fahrenschon wählt drastische Worte: Zwar würde man alles tun, um die privaten Sparer vor Negativzinsen zu schützen. „Wenn dieser Zustand aber lange anhält, werden auch die Sparkassen die Kunden nicht ewig davor bewahren können. Ich mache mir deshalb Sorgen um die finanzielle Zukunft“, sagt der Sparkassen-Präsident beim Sparkassentag in Düsseldorf.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Gast der Veranstaltung, sagte, die Niedrigzinsen kämen die Sparer relativ teuer zu stehen. Die Politik könne nur versuchen, mit Strukturreformen das Wachstum anzukurbeln.

Vor sieben Wochen schaffte die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen quasi ab, Banken müssen seither sogar 0,4 Prozent an Strafzinsen zahlen, wenn sie über Nacht bei der Notenbank Geld parken. Aus Fahrenschons Sicht sind die Niedrigzinsen inzwischen „mit voller Wucht in der Mitte der Gesellschaft angekommen“. Renten- und Sozialversicherungen stünden unter Druck, gerade Geringverdiener würden nicht genug fürs Alter vorsorgen. „Wir rutschen in eine Gesellschaft, die auf Pump lebt ­­– eine Gesellschaft, die unbedacht Risiken eingeht und sie einfach auf morgen verschiebt.“

Banken passen sich den neuen Bedingungen an

Die Geldhäuser reagieren – auf unterschiedliche Weise. Die Postbank etwa arbeitet an einem neuen „Preismodell“, das womöglich schon im laufenden Jahr eingeführt wird. Das hatte deren Chef Frank Strauß angekündigt: „Es gibt keinen Anspruch auf ein kostenloses Girokonto. Sie zahlen auch für Strom, ein Teil der Bankdienstleistungen ist wie Strom eine Versorgung“, hatte er erklärt und andere Kontomodelle als „logische Folge des Niedrigzinsniveaus“ bezeichnet.

Das ist ähnlich bei anderen Kreditinstituten. Reicht der Geldeingang nicht, müssen etwa die Kunden der Frankfurter Sparkasse je nach Art des Gehaltskontos zwischen 6,90 Euro bis 8,40 Euro für die Kontoführung berappen.

Die Commerzbank will vorläufig das Girokonto für Privatkunden nicht belasten. Aber auch hier ist das abhängig vom monatlichen Geldeingang. Der scheidende Vorstandschef Martin Blessing erklärte, negative Einlagenzinsen bei der EZB hätten jedoch womöglich Folgen für die gewerblichen Kunden. Denn es belaste die Erträge der Commerzbank, wenn Firmenkunden Geld anlegten. Über weitere Gebühren versuchen einige Institute offenbar ihre Kostenrechnung aufzubessern. Papierüberweisungen etwa müssen inzwischen häufig extra bezahlt werden – das aber nicht erst seit der EZB-Entscheidung im März. Doch planen viele kleinere Geldhäuser offenbar diese Gebühren zu erhöhen.

Von den Genossenschaftsbanken neigen einige dazu, die kostenlose Kontoführung auf ihre Mitglieder zu beschränken. Einzelne Leistungen aber könnten teurer werden. Darauf sollten die Kunden achten, raten Verbraucherschützer.

Direktbanken könnten von der Entwicklung profitieren

Von der Diskussion profitieren werden wahrscheinlich die Direktbanken. „Die Ankündigung höherer Kosten bei der Konkurrenz dürfte ihnen neue Kunden bescheren“, sagt Max Herbst von der fmh-Finanzberatung. Bei sieben Instituten bundesweit sind das Girokonto, die EC-Karte sowie die Kreditkarte kostenlos. Um das Ersparte vor möglichen Negativzinsen zu schützen, boomt derzeit zudem die Nachfrage nach Schließfächern bei Banken und Sparkassen. Manche Kunden müssen sich inzwischen gedulden.

Vor allem in Städten ist nach Angaben des Sparkassen- und Giroverbands die Nachfrage größer als das Angebot. Bei einigen Instituten gebe es Wartelisten. Allerdings ist auch ein Bankschließfach nicht kostenlos. Nach Angaben des Bankenverbands kostet es im Schnitt ab etwa 30 Euro im Jahr.