Mobilität

Experten: E-Autos oft noch nicht als Hauptfahrzeug geeignet

Der Bund will mit einer Kaufprämie die Elektromobilität fördern. Der Kauf von E-Autos will trotzdem gut überlegt sein, raten Experten.

Steckdose statt Zapfsäule? Die Entscheidung zum Kauf eines Elektroautos hängt davon ab, für was man seinen Wagen nutzen will.

Steckdose statt Zapfsäule? Die Entscheidung zum Kauf eines Elektroautos hängt davon ab, für was man seinen Wagen nutzen will.

Foto: Jan Woitas / dpa

Bergisch Gladbach/Berlin.  Ist ein Elektroauto für mich interessant? Die Diskussion um die Kaufprämie lässt viele Menschen darüber nachdenken. Experten zufolge ist die Zielgruppe noch nicht groß: „Das reine Elektroauto eignet sich im Moment in der Regel für kleine Kundengruppen als Zweit- oder Drittwagen“, sagt Professor Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach. „Insbesondere ist die Reichweite bei bestehenden Fahrzeugen außer bei Tesla viel zu gering.“

Auch nach Aussagen des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) kommen Elektroautos für private Nutzer am ehesten dann infrage, wenn sie als Pendler Arbeitswege zwischen 30 und 50 Kilometer haben und zu Hause oder in der Firma Strom laden können.

Die heimische Garage muss aber entsprechend dafür ausgelegt sein: „Man sollte vorher einen Elektriker fragen, auch ob man zum Beispiel eine abgesicherte Ladeeinheit, die mit Starkstrom schneller lädt, installieren kann“, rät Bratzel. Wer noch nie Kontakt mit E-Autos hatte, werde in der Praxis feststellen: „Das macht schon Spaß, ein Elektroauto zu fahren. Die meisten sind ganz dynamisch ausgelegt.“ Man müsse dann allerdings seine Wegstrecken besser planen.

Nicht allein auf Herstellerangaben verlassen

Das sieht auch der ADAC so: „Autofahrer sollten vor dem Kauf des favorisierten E-Autos ihre persönlichen Stammstrecken Probe fahren, um sicher zu gehen, dass die Reichweite ausreicht“, empfiehlt Heiko Wolframm von dem Autoclub. Dabei sollte man auch eine Reserve für einen zeitweise höheren Verbrauch einplanen – zum Beispiel durch die Heizung, eventuelle Umleitungen und auch für die mit der Zeit abnehmende Kapazität der Batterie. Ähnlich wie bei Verbrauchsangaben zu Verbrennungsmotoren, sei auf die Reichweitenangaben der Hersteller auch bei E-Fahrzeugen nicht ausreichend Verlass, heißt es beim VCD.

Ein zentraler Streitpunkt bleibt der Anschaffungspreis.Trotz der neuen Kaufprämie, Steuervorteilen, Sonderparkplätzen, niedrigeren Parkgebühren und günstigeren Unterhaltskosten seien die meisten E-Modelle alles in allem nicht günstiger als vergleichbare Diesel oder Benziner, sagt der ADAC. Der Autoclub verglich mehrere Modelle von elf Herstellern und rechnete Anschaffungspreis, Kaufprämie, Unterhaltskosten und Wertverlust mit ein. Das Ergebnis: Nur zwei von zwölf E-Autos fahren günstiger pro Kilometer als die in Ausstattung und Leistung vergleichbare Diesel- oder Benzinvariante. Da Elektromobile wegen ihrer begrenzten Reichweite eher auf kürzeren Strecken unterwegs seien, könnten sich die Stromkostenvorteile noch nicht entscheidend auswirken, so der ADAC.

Experten: Abwarten lohnt sich

Alternativ zum reinen E-Auto könnte auch ein sogenannter Plug-in-Hybridwagen infrage kommen. Bei diesem werden Verbrennungs- und Elektromotor kombiniert. Dies lohne sich für Menschen, die meist kurze und mittlere Strecken zurücklegen, aber zuweilen auch weitere Distanzen fahren wollen, erklärt der VCD. Auf den kurzen und mittleren Strecken komme dann der Elektromotor zum Einsatz, bei den weiteren Strecken der Verbrenner. Plug-in-Hybride seien derzeit für die meisten Menschen die geeignetsten Autos mit einem Elektromotor. Auch hier rät der ADAC, genau hinzusehen: „Bei Plug-in-Hybriden gibt es enorme Abweichungen zwischen den von den Herstellern angegebenen Normverbräuchen und deren realem Verbrauch“, sagt Heiko Wolframm.

Der VCD rät Verbrauchern derzeit abzuwarten. Forscher Stefan Bratzel sieht das ähnlich: „Der technische Fortschritt geht zügig voran. In ein, zwei Jahren wird es Fahrzeuge geben, die technisch besser sein werden. Und auch die Restwertentwicklung ist noch nicht ganz klar.“ (dpa/ba)