Nur keine Experimente. Auf diesen einfachen Nenner lässt sich das Kapitalanlageverhalten der Berliner bringen. Sie scheuen nichts mehr als das Risiko und sind zudem davon überzeugt, dass sie sich mit dem Thema Geldanlage mindestens ausreichend auskennen. So lässt sich die Repräsentativumfrage der Berliner Sparkasse zum Thema „Sparen und Geldanlagen“ zusammenfassen, die der Berliner Morgenpost exklusiv vorliegt. Das Institut befragte mehr als 1000 Berliner über 18 Jahren aus allen Schichten.
Sparbuch und Tagesgeld sind beliebt
Beliebteste Anlageformen der Berliner sind Sparbuch, Tagesgeldkonto und die private Rentenversicherung. Jeweils ein knappes Drittel der Befragten nutzt eine oder mehrere dieser Optionen. „Die Berliner sind sehr sicherheitsorientiert und nehmen mit festverzinslichen Anlagen lieber Kaufkraftverluste bei anziehender Inflation in Kauf als ein höheres Risiko“, erläutert Olaf Schulz, Direktor für das Privatkundengeschäft der Berliner Sparkasse, die Umfrage.
Oberste Priorität hat, dass das Geld nicht ganz oder teilweise verloren gehen kann. Das sagen 90 Prozent der Befragten. Am zweithäufigsten wird eine garantierte Auszahlungssumme nach einem bestimmten Zeitraum genannt (78 Prozent). Dritte Bedingung ist ein möglichst hoher feststehender Zinssatz, der für die gesamte Laufzeit gelten soll: Knapp drei Viertel der Befragten fordern das (72 Prozent).
In unsicheren Zeiten werden Risiken ausgegrenzt
Für viele Anleger gilt zudem das Prinzip Hoffnung, wie Olaf Schulz zu berichten weiß. „Aber ein Ende der Niedrigzinsen ist nicht in Sicht“, sagt er. Zurzeit zahlt die Sparkasse 0,1 Prozent Sparzinsen und 0,01 Prozent für Tagesgeld – ein Bruchteil der ebenfalls niedrigen Inflationsrate (0,3 Prozent in 2015). „In Zeiten hoher Unsicherheit werden bewusst Risiken ausgegrenzt, auch wenn die Rendite dabei auf der Strecke bleibt“, sagt Schulz und ergänzt: „Zudem werden Spareinlagen und Tagesgeld als Liquiditätsreserve geparkt.“
Bei diesem Anforderungsprofil haben es Anlageformen der höheren Risikoklassen schwerer. Deshalb fallen sie dagegen deutlich ab: Jeder fünfte Befragte (19 Prozent) legt Geld in einer Riester-Rente an. Aktienfonds und Aktien werden von 16 Prozent bzw. 14 Prozent der Berliner genutzt. 12 Prozent nutzten das Festgeld und 8 Prozent Rentenfonds. In geringem Maße werden Immobilienfonds (fünf Prozent), geschlossene Fonds/Beteiligungen (drei Prozent), Bundesanleihen (zwei Prozent) und rein spekulative Anlageformen (ein Prozent) genutzt.
Nur 41 Prozent sparen für Altersvorsorge
In erster Linie sparen die Berliner für ungeplante Anschaffungen (52 Prozent), für die Absicherung in Notfällen (50 Prozent) und für die Altersvorsorge (41 Prozent). Sparen für die Altersvorsorge ist vor allem für die 30- bis 49-Jährigen relevant (50 Prozent). Ohne konkretes Ziel sparen 38 Prozent der Befragten. Jeder dritte Berliner spart für eine Reise (34 Prozent). Des Weiteren wurden folgende Sparziele genannt: andere konkrete Anschaffungen (30 Prozent), der Kauf von Wohneigentum (17 Prozent) oder eines Autos (16 Prozent).

Es sind also mehr die konkreten Projekte als die langfristigen Ziele, warum die Berliner Kapital anlegen. Dass nur 41 Prozent die Altersvorsorge als Sparmotiv nennen, verwundert. Denn insbesondere bei den unter 55-Jährigen könnte in der Rentenphase ein böses Erwachen folgen, wenn sie auf Niedrigzinsanlagen setzen. „Sie sind eine hohe Belastung für die Altersvorsorge“, sagt Schulz. „Die staatliche Förderung bei Altersvorsorgeprodukten oder eine eigene Immobilie wären neben Wertpapieren beispielsweise Optionen, um hier gegenzusteuern.“
Misstrauen gegen Kapitalanlage in Aktien
Die größten Vorbehalte haben Anleger gegenüber Immobilienfonds (80 Prozent) und Aktien (79 Aktien). Und wenn sie dennoch zu Aktien greifen, bevorzugen sie deutsche Standardwerte. „Hoch im Kurs standen in den letzten Monaten die großen Autobauer wie Daimler, VW und BMW sowie die Dax-Schwergewichte Allianz, Deutsche Bank, Siemens und BASF“, sagt Schulz. „Einzelwerte sind nur etwas für sehr erfahrene Anleger.“
Die gute wirtschaftliche Situation in Berlin mit einem Bruttoinlandsprodukt von inzwischen knapp 36.000 Euro pro Kopf im Jahr 2015 macht sich auch in den Portemonnaies der Menschen bemerkbar. „Immer mehr haben einen Job, Geringverdiener profitieren vom Mindestlohn“, sagt Schulz. 18 Prozent der Befragten nennen ihre wirtschaftliche Situation besser als 2014. 65 Prozent sagten, diese habe sich nicht verschlechtert. Insbesondere Personen in der Altersgruppe 50+ (72 Prozent) sehen hierbei eine Konstanz im Vergleich zu 2015.
29 Prozent geben ihr Einkommen komplett aus
Trotz der positiven Konjunktur sparen 29 Prozent überhaupt nichts und geben ihre Einnahmen komplett aus. Bei den übrigen zeigt die Umfrage eine Zunahme nicht nur bei der Sparaktivität, sondern auch bei der Sparleistung: Beträge bis zu 100 Euro monatlich legen 28 Prozent zurück. 30 Prozent der Befragten sparen 101 bis 400 Euro, elf Prozent mehr als 400 Euro. Vier von zehn Befragten finden diese Beträge ausreichend. Ein knappes Drittel meint, dass sie zu wenig auf die hohe Kante legen.
30 Prozent aller Befragten sind der Ansicht, dass sie über ein sehr gutes beziehungsweise gutes Finanzwissen verfügen. Mehr als die Hälfte der Berliner (58 Prozent) bewertet die eigenen Finanzkenntnisse als ausreichend. Was rät der Sparkassenmanager Kunden, von denen die überwiegende Mehrheit behauptet, dass sie sich mit Geldanlage auskennt? „Mit einem breit aufgestellten Portfolio, also einem Mix aus Renten, Aktien und Immobilien, können Risiken reduziert und gleichzeitig attraktive Renditen erzielt werden“, sagt Schulz.



