Geldpolitik

Japanische Zentralbank führt überraschend Negativzins ein

Japans Notenbankchef Haruhiko Kuroda hat Negativzinsen immer kategorisch abgelehnt. Jetzt überrascht er weltweit mit Strafgebühren.

Japans Notenbankchef Haruhiko Kuroda erklärt, warum die Bank of Japan jetzt Geld dafür verlangt, wenn eine Geschäftsbank bei ihr Geld parken will.

Japans Notenbankchef Haruhiko Kuroda erklärt, warum die Bank of Japan jetzt Geld dafür verlangt, wenn eine Geschäftsbank bei ihr Geld parken will.

Foto: Franck Robichon / dpa

Tokio/Frankfurt.  Die japanische Zentralbank hat überraschend einen Negativzins von 0,1 Prozent für Einlagen von Banken eingeführt. Damit müssen Banken eine Gebühr bezahlen, wenn sie ihr Geld bei der Zentralbank parken, statt es weiter zu verleihen.

Marktbeobachter des privaten deutschen Bankhauses Metzler zeigten sich davon wenig angetan: Es sei „erschreckend“. Der japanische Notenbankchef habe erst kürzlich vor dem Parlament in Tokio gesagt, an negative Zinsen denke er nicht. Der Schritt zeige deutlich, „zu welchen Tricks die Notenbanker greifen müssen, um sich auch nur einen kleinen Rest Überraschungsmoment zu erhalten“, schrieb die Bank ihren Kunden.

Auch die EZB erhebt Negative Zinsen

Negativzinsen für Einlagen von Banken gibt es seit Mitte 2014 auch in der Euro-Zone. Die Europäische Zentralbank verlangt derzeit 0,3 Prozent Gebühr, wenn Banken Geld bei ihr einzahlen. Angesichts der niedrigen Inflationsrate hatte EZB-Präsident Mario Draghi vorige Woche angekündigt, im März zu weiteren geldpolitischen Lockerungen zu greifen, womöglich auch zu sinkenden Einlagenzinsen.

Das solle er besser unterlassen, kommentierten die Volkswirte der Allianz: „Die anhaltende Mini-Inflation sollte der EZB keinen Anlass für weitere Lockerungsschritte geben.“

Strafgebühr in der Schweiz für „Fluchtgeld“

Mit negativen Leitzinsen haben auch Schweden, Dänemark und die Schweiz Erfahrungen. Dort wurden sie überwiegend eingeführt, um ausländisches Fluchtgeld abzuschrecken, nicht, um die Kreditvergabe zu befördern. In Dänemark haben Banken die Kosten für die negativen Notenbankzinsen weitergegeben und ihre Zinsen für Unternehmenskredite erhöht. Andere behelfen sich mit höheren Kontogebühren.

Für die private Kundschaft hatte als erstes Institut die kleine genossenschaftliche Skatbank aus dem thüringischen Schmölln Ende 2014 negative Zinsen eingeführt. Sie wollte Kunden abschrecken, die mehr als eine halbe Millionen Euro bei ihr einzahlen wollten. Die Bundesbank hatte damals gewarnt, Negativzinsen für Verbraucher seien „negativ für die Sparkultur“.

Ein historisches Vorbild für „Schwundgeld“ lieferte der Sozialreformer Silvio Gesell (1862 bis 1930) mit seiner Theorie: Er hatte vorgeschlagen, nicht hortbare „rostende Banknoten“ einzuführen.