Onlinehandel

Deutscher Herausforderer von Paypal kommt in Fahrt

Nach der Postbank startet die Commerzbank den Bezahldienst Paydirekt. Die Zahl der angeschlossenen Händler ist aber noch überschaubar.

Ein Zusteller sortiert Pakete in seinem Wagen. Der Onlinehandel boomt, flexible Bezahlangebote sind gefragt. Jetzt mischen auch Deutschlands Kreditinstitute mit.

Ein Zusteller sortiert Pakete in seinem Wagen. Der Onlinehandel boomt, flexible Bezahlangebote sind gefragt. Jetzt mischen auch Deutschlands Kreditinstitute mit.

Foto: dpa Picture-Alliance / Oliver Berg / picture alliance / dpa

Berlin.  Allmählich nimmt es Gestalt an, das Onlinebezahlsystem der deutschen Kreditwirtschaft. Paydirekt heißt das Angebot, mit dem Deutschlands Banken, Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken dem US-Unternehmen Paypal Paroli bieten wollen. Jetzt können auch Kunden der Commerzbank, der zweitgrößten deutschen Geschäftsbank, das Verfahren nutzen. Bisher bieten es Postbank, HypoVereinsbank und einige Volks- und Raiffeisenbanken.

Lange hat es gedauert mit einem eigenen Onlinebezahlverfahren. Wobei offenbar nicht so sehr das Verfahren und die Software selbst so aufwändig waren, als vielmehr die Absprachen unter den einzelnen Kreditinstituten, was denn wie zu tun ist. Als letzte entschieden sich die Sparkassen, mitzumachen. Sie wollen ihren Kunden im Frühjahr 2016 Paydirekt zur Verfügung stellen. Die Deutsche Bank hat das Verfahren noch nicht freigeschaltet.

Noch bieten wenige Händler das Verfahren an

Für das Weihnachtsgeschäft 2015 kommt Paydirekt indes zu spät. Und bisher ist auch die Zahl der Händler, die das Bezahlverfahren akzeptieren, recht überschaubar. Dabei sind unter anderem der Haribo-Online-Shop und flyermaschine.de sowie Alternate, ein Spezialist für Elektronik, und der Heimfitness-Versender Sport-Tiedje. Große Namen wie Kaufhof, Otto oder Zalando fehlen bisher. Gespräche mit zahlreichen Händlern liefen bereits, sagt Beate Giersbach, Sprecherin von Paydirekt, wobei die Verhandlungen Sache der Banken seien.

Um mit Paydirekt bezahlen zu können, muss der Bankkunde einmal im Onlinebanking seines Instituts einen Benutzernamen und ein Passwort vergeben. Möchte er dann bei einem Onlinehändler mit Paydirekt bezahlen, wählt er dort das entsprechende Symbol, wenn nach der Bezahlart gefragt wird, gibt Benutzername und Passswort ein – fertig. Das Geld wird vom Girokonto des Kunden auf das Konto des Händlers gebucht. Niemand muss beim Onlinehändler seine Kontodaten hinterlegen. Ein einfaches Verfahren also, unkompliziert und für den Kunden kostenlos, mit Kontrolle über die eigenen Daten, so sehen es die Banken.

Der Onlinehandel in Deutschland wächst kräftig

Paydirekt setzt zunächst auf den deutschen Markt. „Das ist ein sehr großer Markt, da ist genug Platz für ein neues Online-Bezahlverfahren“, sagt Torsten Daenert, bei der Commerzbank verantwortlich für Paydirekt. Und der Markt wächst: Setzten Onlinehändler 2012 noch 29,7 Milliarden Euro um, werden es in diesem Jahr schon 43,6 Milliarden Euro sein, wie der Handelsverband HDE ermittelt hat. Tendenz weiter steigend.

Sehr experimentierfreudig beim Bezahlen sind die Bundesbürger angeblich nicht: „Deutsche Nutzer kaufen großenteils in Deutschland ein oder nutzen vertraute heimische Bezahlverfahren“, sagt Daenert. Ein Vorteil, den die deutschen Banken und Sparkassen nutzen wollen, wenn sie denn schon vergleichsweise spät gestartet ist. Aber, wie Daenert sagt, „besser spät als zu spät“. Und zu spät sei es noch nicht. „Wir wollen möglichst viele Kunden mit Paydirekt erreichen und einen neuen Standard setzen.“ Nutzen können Paydirekt alle Kunden, die ein onlinefähiges Girokonto besitzen. Deutlich mehr als 50 Millionen solcher Konten gibt es derzeit, allein mehr als 20 Millionen bei den Sparkassen.

Kreditinstitute werben mit deutschem Datenschutz

Die Institute werben unter anderem für Paydirekt damit, dass die Daten in Deutschland bleiben und dem deutschen Datenschutz unterliegen – anders als beim Konkurrenten Paypal aus Kalifornien, das ein ähnliches Angebot hat und seit 1998 aktiv ist. Wer mit Paypal online bezahlen will, muss sich beim Unternehmen anmelden und Konto- oder Kreditkartendaten hinterlegen. Paypal bucht dann, wenn der Nutzer einen Kauf über das System bezahlt hat, das Geld entsprechend ab. Man kann auch ein Guthaben aufladen und damit bezahlen.

Das US-System ist vor allem im englischsprachigen Ausland und in Amerika verbreitet – und funktioniert länderübergreifend. Wer Musik von Bands aus Kanada online bezahlen möchte oder bei Ebay einkauft, hat oft ohne Paypal wenig Chancen.

Bisher fehlt die Möglichkeit, mobil zu bezahlen

Allerdings wird bei der Paydirekt GmbH in Frankfurt am Main, die das Verfahren im Auftrag der Kreditwirtschaft entwickelt hat und auch die Software programmierte, bereits üb die nächsten Schritte nachgedacht. Sollte das System in Deutschland flächendeckend zur Verfügung stehen, wäre eine Möglichkeit, es europaweit oder sogar international auszurollen. Technisch sei das ohne weiteres möglich, hieß es.

Vielleicht wird es aber auch erst einmal um den mobilen Einsatz gehen. Der ist bisher bei Paydirekt nicht möglich. Hier wächst der Onlinehandel jedoch besonders stark. Zalando, Europas größter Online-Modehändler, baut das Angebot hier gerade kräftig aus. Offensichtlich besteht ein großes Interesse, etwa auf dem Weg zur Arbeit noch schnell nach einer neuen Hose zu suchen und sie gegebenenfalls auch zu kaufen. Im dritten Quartal kamen fast 60 Prozent aller 394 Millionen Besuche auf der Zalando-Internetseite von mobilen Geräten wie Smartphones oder Tabletcomputern.

Paydirekt ist offen für weitere Partner

Paydirekt gehört den Kreditinstituten. Größere Anteile halten Commerzbank, Deutsche Bank und die Genossenschaftsbanken. Dabei ist auch eine Beteiligungsgesellschaft, die Instituten wie ING Diba und Targobank gehört. Die Sparkassen werden sich an der Paydirekt-Gesellschaft noch beteiligen. Für weitere sei das Unternehmen offen, heißt es von Paydirekt.