Gleiches Recht für alle. Nachdem der Volkswagen-Konzern allen betroffenen VW-Besitzern in den USA, die mit manipulierten Motoren fahren, Gutscheine über 1000 Dollar (930 Euro) als Entschädigung angeboten hat, werden Forderungen für ähnliche Ausgleichszahlungen auch in Deutschland laut. „Was VW in den USA den Kunden anbietet, muss hier auch selbstverständlich sein“, sagte Renate Künast, Vorsitzende des Ausschusses für Recht und Verbraucherschutz, unserer Zeitung. „Zudem wird es langsam Zeit, dass VW seine Rückrufaktion und Mängelbeseitigung konkretisiert. Die Schäden müssen schnell und in vollem Umfang beseitigt werden.“

Die Kunden müssten endlich wissen, „welcher Aufwand bei Nachbesserung entsteht und dass VW größtmögliche Kulanz walten lässt. Von Verzicht auf die Verjährungseinrede bis zur Übernahme eventueller zusätzlicher Steuerlast“, so Künast. Die Grünen forderten zudem von VW eine Ersatzwagen-Zusage für jene 540.000 Autofahrer, deren Diesel länger in die Werkstatt müssen.

Zugleich verschärft die EU-Kommission den Druck auf VW. Sie setzte dem Autobauer eine Frist von zehn Tagen, um genaue Daten zu den falschen Angaben beim Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) zu bekommen. VW soll demnach erklären, welche und wie viele Modelle von den Unregelmäßigkeiten betroffen sind, und um wie viel die CO2-Werte abweichen.

VW drohen wegen der zu hohen CO2-Werte Geldbußen. „Bevor wir Strafen aussprechen, wollen wir sehen, was Volkswagen sagt“, sagte die Kommissionssprecherin. EU-Regeln setzen für die Neuwagenflotten der Hersteller Obergrenzen für den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) fest. Werden diese überschritten, drohen Strafen. CO2 ist für Menschen zunächst unschädlich, gilt aber als Treibhausgas. Die Reduzierung ist daher politisches Ziel.

EU-Klima- und Energiekommissar Miguel Arias Cañete richtete sich mit seinem Brief direkt an VW-Konzernchef Matthias Müller. Cañete habe um eine Antwort innerhalb von zehn Tagen gebeten, hieß es. Ein VW-Konzernsprecher sicherte zu: „Volkswagen wird nach interner Untersuchung die Anfrage beantworten.“ Noch ist zudem nicht klar, wie viele der 800.000 möglicherweise betroffenen Autos überhaupt in Europa verkauft wurden.

Der VW-Konzern muss zudem bis spätestens zum 30. November dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) einen Lösungsvorschlag für die Softwaremanipulationen an den 1,2-Liter-Motoren präsentieren. Für die mittelgroßen Dieselmotoren mit 1,6 Litern Hubraum ist der Stichtag der 15. November, sagte ein KBA-Sprecher. Vor rund einer Woche hatte VW eingeräumt, bei 800.000 Wagen falsche Angaben zu CO2-Ausstoß und Verbrauch gemacht zu haben. Damit weitete sich der Abgasskandal um die per Software geschönten Stickoxidwerte aus, mit der in Europa 8,5 Millionen Wagen ausgestattet sind.