US-Markt

VW ruft knapp 92.000 Autos wegen Bremsproblemen zurück

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Dirk Hautkapp
Der Abgasskandal ist nicht mehr die einzige Sorge bei VW. Nun musste der Autobauer auch wegen Problemen mit den Bremsen einen Rückruf starten.

Der Abgasskandal ist nicht mehr die einzige Sorge bei VW. Nun musste der Autobauer auch wegen Problemen mit den Bremsen einen Rückruf starten.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Volkswagen hat in den USA 91.800 Fahrzeuge wegen fehlerhafter Bremsen zurückgerufen. Betroffen sind Autos aus den Jahren 2015 und 2016.

Washington.  Nach den Abgasen nun die Bremsen: VW Amerika hat gestern (Mittwoch) rund 92 000 Autos der Modellreihen Beetle, Golf, Jetta und Passat in die Werkstätten gerufen. Mechanische Unzulänglichkeiten könnten den Bremskraftverstärker aushebeln, teilte die US-Tochter des Wolfsburger Autokonzerns gestern mit. Dadurch könnte der Bremsweg länger werden, was zu Unfällen führen könnte. Bestimmte Fahrzeuge mit Benzinmotoren aus den Modelljahren 2015 und 2016 sollen deshalb vorläufig in den USA nicht mehr verkauft werden.

Dass VW die zuständige Verkehrsaufsichtsbehörde NHTSA darüber vorab informiert hat, fällt zeitlich zusammen mit Medienberichten, die Volkswagen abermals in ein schiefes Licht rücken. Danach ergibt sich aus der Datenbank der NHTSA, dass VW-Autos in Amerika im Vergleich mit anderen Massen-Herstellern auffallend selten in den Unfallstatistiken auftauchen. Im Schnitt meldeten die 11 großen Autofirmen auf einen Million Fahrzeuge 306 Vorkommnisse im Jahr, bei VW waren es nur 34.

VW drohen abseits des Diesel-Skandals zusätzliche Strafen

Der Wirtschaftsdienst Bloomberg berichtete, dass VW in vier Fällen, bei denen es Verletzte und sogar einen Toten gegeben hat, seiner Berichtspflicht gegenüber der NHTSA nicht nachgekommen sein soll. VW Amerika erklärte dazu, die Vorwürfe würden untersucht. Sollte sich das unterstellte Fehlverhalten bestätigen, könnten VW abseits des Diesel-Skandals zusätzliche Strafen drohen. Der Firma Honda wurden zuletzt 70 Millionen Dollar abverlangt, weil über 1700 Unfälle nicht an die staatliche Verkehrsaufsichtsbehörde gemeldet worden waren.

Unterdessen wird der Druck auf VW, technische Lösungen für die Nachrüstung von rund 480 000 vom „Dieselgate“-Skandal betroffenen Fahrzeugen zu finden, immer höher. Die kalifornische Umweltbehörde CARB verlangt bis zum 20. November Klarheit darüber, wie VW die strengen Umwelt-Normen im Westküsten-Staat einhalten will. Ein Ausschuss des Repräsentantenhauses hat VW-Amerika Chef Michael Horn aufgefordert, bis 16. November zusätzliche Informationen über die zur Abgas-Manipulation eingesetzten Abschalteinrichtungen („defeat devices“), beizubringen.

Ratingagentur stuft VW herab

Die Ratingagentur Moody’s hat Volkswagen wegen der Vorfälle herabgestuft und droht mit einer weiteren Senkung der Bonitätsnote. Die Einstufung für die langfristigen Schulden laute nun auf „A3“ nach zuvor „A2“, teilte Moody’s am Mittwoch mit. Der Ausblick sei negativ. Mit dem Schritt reagiert die Ratingagentur auf die jüngsten Entwicklungen im Abgasskandal. Mit einer Einstufung von „A3“ bescheinigt Moody’s den Wolfsburgern immer noch eine hohe Kreditwürdigkeit.