Blackout

Was wir tun sollten, wenn der Strom ausfällt

Bundesbehörden empfehlen den Bürgern Vorräte für extreme Stromausfälle zu horten. Doch wie wahrscheinlich sind solche Szenarien?

„Blackouts“ können durch technische Defekte aber auch durch Wetterschäden hervorgerufen werden

„Blackouts“ können durch technische Defekte aber auch durch Wetterschäden hervorgerufen werden

Foto: Matthias Balk / dpa

Berlin.  Nach dem Aus für Atomkraftwerke in Deutschland hat die Bundesregierung beschlossen, dass in den kommenden Jahren auch acht Braunkohlekraftwerke abgeschaltet werden. Zwar sollen sie Teil einer Reserve werden, doch wegen ihrer Vorlaufzeit von zehn Tagen, erwarten Experten, dass sie nie wieder ans Netz gehen. Bundesbehörden sehen die Stromversorgung gesichert, beobachten aber auch einen Wandel, der die Versorger vor Herausforderungen stellt.

Denn es gibt Stromausfälle in Deutschland: In diesem Jahr stand deswegen bereits die Produktion bei VW in Wolfsburg zeitweise still. Neben dem Werk war auch die Stadt betroffen und ein Fußballspiel zwischen dem VfL Wolfsburg und dem FC Bayern München drohte eine Absage. In Bochum und Saarbrücken kam das Universitätsleben zum Erliegen, nachdem es Stromausfälle gegeben hatte.

Dass es immer wieder zu Stromausfällen kommt, belegen Statistiken. Das irische Energieunternehmen Eaton führt zum Beispiel einen „Blackout-Tracker”, eine Statistik, bei der Bürger die Daten liefern. Für das Jahr 2014 wurden in Deutschland 617.290 Stromausfälle gemeldet, die durchschnittlich 133 Minuten andauerten. Bei jedem einzelnen Ausfall waren im Schnitt 4115 Haushalte betroffen – in Großstädten also nicht mehr als ein Straßenzug. Neben Haushalten sind es oft angeschlossene Infrastrukturen, die leiden.

Fragile Infrastruktur

Zwar beeinträchtigten die Ausfälle die Wirtschaft und Forschung, doch im Gegensatz zu einem so genannten Blackout wirkten die Vorfälle harmlos. Als Blackout bezeichnet man einen flächendeckenden Stromausfall, der lange Zeit anhält.

Der Autor Marc Elsberg hat den Fachbegriff zum Buchtitel gemacht und in seinem Roman ein Szenario aufgebaut, das deutlich zeigt, wie fragil unsere Infrastruktur und letztendlich unser Lebenswandel werden können. Laut Elsberg setzt mit einem Blackout eine Kettenreaktion ein. „Wenn der Strom großflächig ausfällt, fallen zum Beispiel Kommunikation und Tankstellen aus, wodurch die Koordination beim Wiederaufbau der Stromversorgung ebenso erschwert wird wie die Versorgung von Notstromsystemen“, sagt Elsberg im Gespräch mit unserer Redaktion.

Elsberg nutzt mit gehackten Stromzählern einen Kunstgriff, der in seinem Roman den Blackout auslöst. Doch was er als Folgen beschreibt, nennen selbst Experten der Bundesnetzagentur eine fundierte Recherche. Die Bundesbehörde überprüft, ob die Stromversorger für ausreichende Sicherheit sorgen. Neben der Bundesnetzagentur befasst sich auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BKK) mit Notfallszenarien. Ein flächendeckender Stromausfall ist für das BBK die Basis für eine Liste mit Gegenständen, die Bürger für solch einen Fall zuhause haben sollten.

Für einige Menschen sind solche Ereignisse der Auslöser, sich nicht mit den Empfehlungen des Bundesamtes für Katastrophenhilfe zu begnügen – auch wenn das Amt über 20 Kilogramm an Lebensmitteln oder 28 Liter an Getränken als Vorrat empfiehlt.

Notfallvorbereitung als Hobby und Lebensaufgabe

Sogenannte Prepper (von engl. „preperation“ – Vorbereitung) sehen sich in der Tradition der Pfadfinder. In Foren tauschen sie sich über die eigenen Schutzbunker und Werkzeuge aus. Die „Prepper Gemeinschaft Deutschland“ ist der wohl größte Zusammenschluss von Preppern in Deutschland. Zu erfahren, wie und wo sich diese Menschen auf einen „Blackout“ beziehungsweise den drohenden Weltuntergang vorbereiten, ist kaum möglich. Aus dem Büro der Preppergemeinschaft ist zu hören, dass die Mitglieder nur ungern über ihr Hobby sprechen – sie befürchten in der Öffentlichkeit als sonderbare Eigenbrötler dargestellt zu werden und vor allem eine Anlaufstelle für diejenigen zu werden, die sich gar nicht vorbereiten.

Marc Elsberg sieht die Verantwortung aber nicht bei den Bürgern. „Es ist auch in erster Linie Aufgabe der Politik, für die Sicherheit des Individuums zu sorgen,“, sagt er. „Und sie hat das lange Jahre sträflich vernachlässigt hat.“