In dem fast 700-Seiten starken Wälzer des Statistischen Bundesamtes ist diese Nachricht nur eine Randnotiz. Jedes fünfte Paar mit Kindern in Deutschland konnte sich 2013 keinen Urlaub leisten. Und das nicht etwa aus Zeitnot oder wegen einer Urlaubssperre im Betrieb, sondern weil das Geld für eine Woche Auszeit nicht reichte. Auch fast die Hälfte der Alleinerziehenden und ein Drittel der Alleinlebenden konnten aus Geldmangel nicht in die Ferien fahren.
„Mobilität ist abhängig von der jeweiligen sozialen Situation“, sagt der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Dieter Sarreither. Laut aktuellem Jahrbuch des Statistischen Bundesamtes werden rund 14 Prozent der privaten Konsumausgaben für das Auto, für Kraftstoffe, für Reparaturen am Wagen, für Verkehrsdienstleistungen oder Reisen verbucht. Neben den Ausgaben für Wohnen, für Nahrungsmittel oder Bekleidung ist das ein nicht unerheblicher Teil.
Mobilität kostet, und die Ausgaben kann sich nicht jeder leisten. Für Werner Hesse, Geschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, ist das ein Trend, der sich seit Jahren verstetigt. „Die Menschen müssen immer mehr Geld für ihren Lebensunterhalt ausgeben. Für Extras bleibt da kaum etwas übrig.“ Vor allem für einkommensschwache Haushalte, für Hartz-IV-Empfänger, für kinderreiche Familien oder Alleinerziehende zeichnet sich kein Ende des Trends ab. „Obwohl die wirtschaftliche Situation in Deutschland gut ist und sich die Nettoeinkommen leicht erhöht haben“, sagt Hesse.
Nur 140.000 Deutsche wandern ins Ausland aus
Doch nicht nur beim Reisen, auch bei der Bildung zeichnet sich eine soziale Kluft ab. Die Statistiker haben sich für ihre Erhebung die Bildungswege der Deutschen angeschaut. Erneut bestätigt sich: Kinder, die das Gymnasium besuchen, haben meist Eltern mit akademischen Abschluss. Nur etwa sechs Prozent der Eltern ohne Abschluss schicken ihre Kinder auf diese weiterführende Schule.
Bei Kindern an Hauptschulen oder Realschulen dominieren hingegen Eltern, die eine Lehre oder Berufsausbildung im dualen System absolviert hatten. „Die Bildungswege vieler Kinder sind durch den beruflichen Bildungsabschluss ihrer Eltern vorgezeichnet“, sagt Sarreither.
Ist die Schule beendet, entscheiden sich viele junge Leute, ihre Heimat zu verlassen. Weit über 130.000 Studierende haben sich an Hochschulen im Ausland eingeschrieben. In den vergangenen Jahren hat sich ihre Zahl deutlich erhöht. Auch für einen besseren Job oder eine gute Ausbildung wechseln die Deutschen gerne den Ort. Mehr als eine Million Menschen zogen 2013 innerhalb der Bundesländer um. Die Menschen verließen vor allem Nordrhein-Westfalen, Thüringen oder Sachsen-Anhalt. Zu den beliebtesten Regionen zählten Bayern, Berlin oder der Speckgürtel von Hamburg. Die Statistiker vermuten, dass vor allem die guten wirtschaftlichen Bedingungen und berufliche Perspektiven die Deutschen zum Umzug bewegen.
Daran wird sich auch in den kommenden Jahren nur wenig ändern, sagen die Experten. Doch trotz aller Widrigkeiten in den einzelnen Regionen wollen die meisten in Deutschland bleiben. Nur rund 140.000 deutsche Staatsbürger wanderten ins Ausland aus und entschieden sich für ein Leben in der Schweiz, in den USA oder Österreich. Dagegen verließen im selben Jahr mehr als 650.000 Ausländer Deutschland – vor allem Polen, Rumänen oder Bulgaren.

