Biomärkte

Wie die Berliner Bio Company zum Marktführer wurde

Die Biosupermarktkette Bio Company hat demnächst 45 Filialen in Berlin. Sie sind in der Region die Marktführer - und wachsen weiter.

Regionales in den Regalen: Georg Kaiser, Geschäftsführer von Bio Company, vor der Filiale am Hackeschen Markt

Regionales in den Regalen: Georg Kaiser, Geschäftsführer von Bio Company, vor der Filiale am Hackeschen Markt

Foto: Amin Akhtar

Berlin.  Die Biosupermarktkette Bio Company wächst. Im vergangenen Jahr steigerte das Unternehmen seinen Umsatz von 100 auf 114 Millionen Euro und beschäftigt 1307 Menschen – darunter 106 Auszubildende. Damit lagen die Berliner, die sich selbst als regionale Marktführer bezeichnen, deutlich vor dem Plus der Biobranche. In wenigen Tagen wird die 45. Filiale des Unternehmens eröffnet. Die Ladenflächen summieren sich inzwischen auf mehr als 25.000 Quadratmeter. Das Handelsunternehmen Bio Company ist ein Musterbeispiel für den florierenden Berliner Handel, den der am Montag vorgelegte Konjunkturbericht der Industrie- und Handelskammer sowie der Handwerkskammer beschreibt.

Im Berliner Konjunkturbericht werden für den Handel überwiegend positive Indizes genannt. Mehr als 60 Prozent der befragten Unternehmen planen Investitionen – vor allem die größeren. Das sind weit mehr als beim vorigen Bericht vom Frühsommer 2015. Die aktuelle Gewinnlage entwickelt sich bei großen Firmen freundlicher als bei kleinen Unternehmen. Somit steigt der Geschäftslageindex auf einen Wert von 43. Die Pläne, Arbeitsplätze zu schaffen, stagnieren gegenüber dem Vorjahr. Größere Unternehmen gaben häufiger an als kleine, die Zahl ihrer Stellen erhöhen zu wollen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass kleinere Händler auch im boomenden Berlin nur beschränkte Wachstumsmöglichkeiten und Zukunftsperspektiven sehen.

Wachstum durch Konzentration auf Regionalprodukte

Nach dem Erfolgsrezept des im Jahr 1999 gegründeten Unternehmens gefragt, nennt Firmensprecherin Imke Sturm die konsequente Ausrichtung auf die Regionalität ihrer Bioprodukte. Ihre Kunden legen Wert darauf. Milch und Eier stammen bei Bio Company fast zu 100 Prozent aus der Region. Bei Obst und Gemüsewaren sind es in saisonalen Spitzenzeiten bis zu 40 Prozent, bei Brot- und Backwaren sowie beim Fleisch und der Wurst ganzjährig 75 Prozent.

Bei der Auswahl seines Angebots orientiert sich das Unternehmen an den Bedürfnissen des Marktes und seiner Kunden. Und die wollen nichts essen oder trinken, was auch nur im Entferntesten unter dem Verdacht einer industriellen Produktion steht. Deshalb will das Unternehmen vor allem die kleinen, bäuerlichen Strukturen fördern und das Tierwohl berücksichtigen. „Auch im Bereich des EU-Bio gibt es mittlerweile Betriebe, die täglich bis zu 100.000 Eier oder mehr liefern. Eine solche Form der großindustriellen Produktion lehnen wir entschieden ab“, erklärt Geschäftsführer Georg Kaiser.

Das Fleisch in den Kühltheken stammt aus der Biomanufaktur Havelland, einem Tochterunternehmen, das im Jahr 2014 einen Umsatz von 5,5 Millionen Euro erzielte und Produkte wie Havelländer Bio-Apfelschwein, Müritzlamm sowie das Uckermärker Rind anbietet. Der Betrieb wurde 2013 mit 15 Mitarbeitern aus der Insolvenz übernommen und beschäftigt mittlerweile 23 Personen.

Die Märkte tragen eine Zertifizierung des Bundesverbandes für Naturkost, in dessen Vorstand auch Georg Kaiser sitzt. Das bedeutet, dass alle Produkte aus artgerechter Tierhaltung stammen, ohne Gentechnik und ökologisch erzeugt wurden, vorzugsweise regional. Ferner gehört das Unternehmen dem Verein „fair und regional“ an, der zwischen den Interessen von Herstellern und Händlern vermittelt. Bio Company hat den größten Anteil ihrer Filialen in Berlin/Brandenburg, daneben weitere in Dresden und Hamburg.

Im vergangenen Jahr wurden 85 Prozent der Auszubildenden übernommen. Bio Company wurde von der IHK als einer der besten Ausbildungsbetriebe ausgezeichnet. Im Januar 2015 durften sechs Auszubildende an einem EU-Austauschprogramm teilnehmen und in London ein vierwöchiges Praktikum bei dort ansässigen Bioläden absolvieren. „Berlin ist eine internationale Stadt mit entsprechendem Publikum. Da freut es die Kunden, wenn sie in einer Filiale einen englischsprachigen Ansprechpartner finden“, heißt es im Unternehmen.

Bioläden entstanden im Zuge der Umweltbewegung in den 70er-Jahren in Deutschland. Ihr erster wurde 1971 in Berlin eröffnet und nannte sich Wikipedia zufolge „Peace Food“. Die Zahl der Verkaufsstellen wuchs in den 80er-Jahren auf mehr als 1000 an. Es kam zu einer Professionalisierung. Nach 2000 wurden kleine Bioläden zunehmend von Biomarktketten verdrängt. Sie schafften es, das ursprünglich individualistische Geschäftsmodell zu skalieren. Trotz der Konkurrenz durch herkömmliche Supermarktketten, die zunehmend Bioprodukte in ihre Regale nehmen, haben sie sich am Markt behauptet und wachsen stetig. Nach Angaben von Bio Company verzeichnete die Branche 2014 ein Umsatzplus von 9,6 Prozent.