Schlechte Nachrichten für Lufthansa-Passagiere: Mit ihrem nunmehr 13. Streik seit Beginn des Arbeitskampfes vor eineinhalb Jahren durchkreuzen die Piloten der Lufthansa erneut die Reisepläne der Fluggäste. Von acht Uhr morgens bis Mitternacht sollen am Dienstag erst die Langstreckenflüge aus Deutschland bestreikt werden - davon betroffen sind rund 20.000 Passagiere.
Am Mittwoch sollen die Kurz- und Mittelstrecken folgen, teilte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit mit. Außerdem gebe es Ausstände bei allen Flügen von Germanwings, „die zum Ziel haben, Lufthansa-Flüge zu ersetzen“, hieß es am späten Montagabend. Der Standort Berlin ist am Dienstag von diesem Streik noch nicht betroffen, da Lufthansa von der Hauptstadt aus grundsätzlich keine Langstreckenflüge anbietet.
Auslöser für den Arbeitskampf ist ein Tarifkonflikt um die geplante Auslagerung von Arbeitsplätzen in die konzerneigene Billigfluglinie Eurowings in Österreich. Wegen des Streiks annulliert die Lufthansa jeden zweiten Langstreckenflug von und nach Frankfurt, München und Düsseldorf. 90 Flüge sollen im Rahmen eines Sonderflugplans dennoch stattfinden. Einige Flüge wurden wiederum schon am Montag gestrichen. Mit dieser Maßnahme will die Lufthansa nach Ende des Streiks wieder möglichst schnell zum Normalbetrieb übergehen. Die sieben Cargoflüge, die ebenfalls bestreikt werden sollten, werden aber laut Lufthansa stattfinden.
Langstreckenflug am lukrativsten
Der Streik der Flugzeugführer seit Beginn des Arbeitskampfs vor eineinhalb Jahren ist schmerzhaft, da die Piloten mit dem Langstreckenverkehr den lukrativsten Teil des Lufthansa-Fluggeschäfts teilweise lahmlegen. Der finanzielle Schaden dürfte im einstelligen Millionen-Euro-Bereich liegen, schätzen Experten. In diesem Jahr ging der Lufthansa wegen der Streiks bereits 100 Millionen Euro Gewinn verloren.
Die Fronten in der Tarifauseinandersetzung haben sich mittlerweile verschoben. Ging es der Gewerkschaft anfangs noch hauptsächlich darum, geplante Einschnitte bei der Frührente für gut 5000 Piloten in Deutschland zu verhindern, kämpft Cockpit nun gegen die Auslagerung von Arbeitsplätzen. Die Gewerkschaft hatte vergangene Woche die Gespräche mit der Lufthansa erneut für gescheitert erklärt. Nach Darstellung von Cockpit hatte die Lufthansa es in einem Spitzengespräch mit Vorstandschef Carsten Spohr abgelehnt, die geplante Verlagerung von Flugzeugen und Arbeitsplätzen ins Ausland für die Zeit der Verhandlungen auszusetzen. Man könne nicht über Arbeitsplatzsicherheit diskutieren, wenn gleichzeitig Jobs ins Ausland verlagert würden.
Vormarsch der Billigrivalen
Aus Sicht der Lufthansa-Spitze ist der rasche Ausbau der konzerneigenen Tochter Eurowings überlebenswichtig, um den Vormarsch der Billigrivalen Ryanair und Easyjet zu stoppen.
rtr/dpa

