Die Deutsche Postbank ist vor ihrem Börsengang noch ein ganzes Stück von ihren Zielen entfernt. Das Institut mit seinen 14 Millionen Kunden habe noch „ein paar Hausaufgaben zu erledigen“, sagte Vorstandschef Frank Strauß am Freitag auf der Hauptversammlung in Bochum. Es gehe darum, „für potenzielle Anleger eine überzeugende und belastbare wirtschaftliche Perspektive“ aufzuzeigen. Zunächst sollen aber die verbliebenen Kleinaktionäre gegen eine Zwangsabfindung hinausgedrängt werden. Sie gelten als Hindernis für die für 2016 geplante Rückkehr an die Börse.

Abfindung ist einziger Weg

Der Beschluss über den Ausschluss der Kleinaktionäre ist nur Formsache, weil die Deutsche Bank 96,8 Prozent der Anteile hält. Auch die Aktionärsschützer der DSW wollten sich dem nicht entgegenstellen. Für das Institut ist die Abfindung der einzige gangbare Weg, um aus dem Beherrschungsvertrag mit der Deutschen Bank herauszukommen, der den Kleinaktionären eine jährliche Garantiedividende gewährt.

Die Deutsche Bank will sich von der Postbank über einen Börsengang wieder trennen, unter anderem weil deren voluminöses Baufinanzierungsgeschäft zu viel Kapital verschlingt. Angepeilt ist er bis Ende 2016, Experten halten ihn aber schon im ersten Halbjahr für möglich. Der neue Deutsche-Bank-Chef John Cryan hatte angekündigt, den Schritt „so schnell wie möglich“ gehen zu wollen.

Bis dahin muss die Integration der Postbank in die Deutsche Bank zumindest zum Teil wieder rückgängig gemacht werden. Strauß will aber nicht alle gemeinsamen Dienstleistungstöchter wieder entflechten. „Gemeinsam mit der Deutschen Bank werden wir auch diskutieren, wie wir Synergien dort erhalten können, wo sie wertvoll sind“, sagte er. In Bereichen wie dem Risikomanagement müssten die Verflechtungen aber gelöst werden. Der Prozess solle im Lauf des nächsten Jahres abgeschlossen werden.

Mit der zurückgewonnenen Eigenständigkeit steht der Postbank ein Kraftakt bevor. Strauß will, dass die Bank mittelfristig für jeden Euro Ertrag nur noch 70 Cent aufwenden muss, zuletzt waren es 83. Die Eigenkapitalrendite liegt mit 7,2 Prozent unter den Kapitalkosten, die die Bank wenigstens verdienen soll. Das Polster an hartem Kernkapital sei mit 10,5 Prozent ebenfalls ausbaufähig. Und bei der Verschuldungsquote verfehlt sie mit 2,8 Prozent sogar die Mindestanforderung von drei Prozent.

Die Planungen für die Jahre bis 2019 waren die Grundlage der Bewertung durch die Wirtschaftsprüfer von De­loitte, die im Zuge des Squeeze-out fällig war. Sie waren auf sechs Milliarden Euro gekommen. Beim Börsengang halten Experten eher eine Bewertung von vier Milliarden Euro für realistisch. Spekulationen auf eine hohe Abfindung hatten den Aktienkurs der Postbank so weit nach oben getrieben, dass sie an der Börse mehr als acht Milliarden Euro wert ist.

Wechselhafte Geschichte

Für die Bonner ist der Umbruch ein weiteres Beispiel für die höchst wechselhafte Unternehmensgeschichte. Alles begann mit der Zerlegung der ehemaligen Bundespost 1990 in die Bereiche Telekom, Post und Postbank. 1995 erfolgte deren Umwandlung in Aktiengesellschaften. Die Postbank blieb zunächst im Besitz des Bundes, bis die Deutsche Post ihre kleine Schwester 1999 übernahm. Die „kleine Wiedervereinigung“ hatte in den Augen ihrer Protagonisten ein klares Ziel: Die gemeinsame Vertriebskraft stärken und Wachstum fördern. Die Post versprach sich auch einen wirtschaftlicheren Betrieb ihrer damals 1200 Filialen.

Doch die Bank geriet in den Strudel der Finanzkrise. Das Institut legte ein rigides Sparprogramm mit Stellenabbau auf und baute den Bestand an verlustreichen Wertpapieren im Volumen von fast 80 Milliarden Euro ab. Die Deutsche Bank stieg mit knapp 30 Prozent ein und übernahm 2010 die Mehrheit.

rtr/dpa