Europas größter Onlinemodehändler Zalando spürt die schlechte Zahlungsmoral seiner Kunden beim Gewinn. Im zweiten Quartal werde das bereinigte Betriebsergebnis (Ebit, Gewinn vor Zinsen und Steuern) zwischen 22 und 37 Millionen Euro liegen, kündigte der Berliner Konzern in der Nacht zu Dienstag an. Im Vorjahreszeitraum waren es 35 Millionen Euro gewesen.

Zuletzt kämpfte Zalando damit, dass Kunden ihre Rechnungen erst nach langwierigen Mahnverfahren oder gar nicht beglichen. In Deutschland – dem wichtigsten Markt für Zalando – kann sich der Kunde beim Kauf auf Rechnung 14 Tage Zeit lassen, bis er bezahlt. Im Vergleich zur Vorkasse, wie sie andere Versender verlangen, bedeutet das höhere Zinskosten, Mahnungsaufwendungen und ein beträchtliches Ausfallrisiko. Je lockerer die Zahlungsbedingungen, desto größer ist andererseits auch die Lust der Kunden, im Netz shoppen zu gehen. Der Umsatz von Zalando stieg im zweiten Quartal um 33 bis 35 Prozent auf 727 bis 738 Millionen Euro.

Seit Juni ist die Zalando-Aktie im MDax-Index der 50 mittelgroßen börsennotierten Werte notiert. Die Aktie gab nach Bekanntgabe der vorläufigen Zahlen um bis zu 5,9 Prozent nach, später um dann fünf Prozent auf rund 32 Euro. Zalando war damit der mit Abstand größte MDax-Verlierer. Die Anleger nutzten die Gelegenheit und nähmen Gewinne mit, sagte ein Händler. „Die Erwartungen waren hoch und die Aktien sind überkauft.“

In den vergangenen sechs Monaten haben Zalando-Aktien rund 45 Prozent zugelegt, der MDax kommt im selben Zeitraum nur auf ein Plus von 17,6 Prozent. Zalando war im Herbst mit einem Ausgabepreis von 21,50 Euro an die Börse gegangen.

In der ersten Jahreshälfte steigerte Zalando den Umsatz um gut 30 Prozent auf 1,37 bis 1,38 Milliarden Euro. Beim bereinigten Ebit rechnet Zalando mit 51 bis 66 Millionen Euro, was im Halbjahr einer Marge von rund vier Prozent entspricht. Im zweiten Quartal hatten Ausfälle und Verzögerungen beim Begleichen der Rechnungen die Marge gedrückt, die auf drei bis fünf Prozent nach zuvor 6,4 Prozent sank. Die endgültigen Quartalszahlen will Zalando am 13. August vorlegen und dann auch Aussagen zur Prognose für das Gesamtjahr treffen. Näher wollte sich eine Sprecherin dazu am Dienstag nicht äußern.

Plattform für Drittanbieter

Das 2008 gegründete Unternehmen wurde einer breiten Öffentlichkeit mit seiner „Schrei vor Glück“-Werbekampagne bekannt. Im Gespräch mit Reuters sagte Firmenvorstand Robert Gentz, Zalando wolle sich bei seinen europaweit mehr als 15 Millionen Kunden stärker als Fashion-Anbieter positionieren. Davon zeuge die Zusammenarbeit mit der britischen Firma Topshop und der US-Marke GAP. Derzeit hat Zalando gut 1500 Marken im Angebot.

Darüber hinaus will Zalando-Mitgründer Gentz die Firma als Plattform etablieren, die auch Umsätze über Gebühren, Werbeeinnahmen und Dienstleistungen an Drittanbieter generiert. Ähnlich geht Amazon vor, über deren Plattform Einzelhändler ihre Waren verkaufen können. Zalando war 2008 von David Schneider und Robert Gentz mit Kapital der Berliner Samwer-Brüder gegründet worden. Hauptsitz ist Berlin, daneben gibt es Standorte in Brieselang, Großbeeren und Dortmund. Der Konzern mit gut 3500 Mitarbeitern in Berlin und mehr als 8000 weltweit ist in 15 Ländern aktiv.

rtr/dpa