Die angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin verschärft bei ihrer Sanierung den Schrumpfkurs. Es gehe nicht um Größe, sondern um Gewinn, sagte Air-Berlin-Chef Stefan Pichler beim Luftfahrt-Kongress „Aviation-Event“ am Montag in Frankfurt. Die rund 140 Maschinen starke Flotte werde nach dem Abgang von sieben Jets im Jahr 2014 voraussichtlich weiter verkleinert. Auf der Kippe sieht der im Februar angetretene Pichler zudem die eigene Flugzeugwartung und flugfremde Abteilungen wie die Personalverwaltung.

Air Berlin fliegt seit Jahren Verluste ein. Seit 2011 summierte sich das Minus auf mehr als eine Milliarde Euro. Seit dem Abgang von Air-Berlin-Gründer Joachim Hunold ist Pichler bereits der dritte Chef, der die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft in die Gewinnzone bringen soll. Die Lufthansa-Rivalin hält sich seit Jahren nur noch dank Finanzspritzen ihrer Großaktionärin Etihad Airways in der Luft. Erst für das kommende Jahr rechnet Pichler wieder mit einem operativen Gewinn.

Als Vorbild bezeichnete der Manager den spanischen Billigflieger Vueling. Die Schwestergesellschaft von British Airways und Iberia fliegt mit jeder ihrer Maschinen jährlich im Schnitt rund eine Million Euro Gewinn ein. Im Preiskampf will der Manager nun das billigere Personal der österreichischen Tochter Niki und der Luftfahrtgesellschaft Walter stärker nutzen, um Flüge anzubieten. „Wo können wir wie operieren?“ sei künftig eine wichtige Frage, die mit allen Berufsgruppen diskutiert werden müsse. Es sei aber auch klar: „Jeder wird Opfer bringen müssen.“

Die neue Lufthansa-Billigmarke Eurowings bereitet Pichler keine Sorgen. Eurowings soll zwar zu 40 Prozent geringeren Betriebskosten fliegen als die Jets der LH-Muttergesellschaft. Air Berlin liege bei den Stückkosten aber schon darunter, so Pichler. Unterdessen könnten die Tage von Air Berlins eigener Techniksparte gezählt sein. Das Geschäft sei nicht groß genug und lasse sich zusammen mit Partnern wohl rentabler betreiben, sagte Pichler.

Keine großen Sorgen bereitet der Airline das Griechenlandgeschäft. „Wir sehen derzeit keinen Abriss bei den Flugbuchungen“, sagte Stefan Pichler. Es gebe auch keine operativen Schwierigkeiten an den griechischen Flughäfen. Air Berlin werde auch weiterhin ihr Programm von 74 Griechenland-Flügen aus Deutschland und Österreich pro Woche anbieten.

dpa