Endlich lange verreisen, an entfernte Orte der Erde, etwas, wozu man während des Arbeitslebens nie richtig Zeit fand – darauf freuen sich heute schon vier von fünf Berlinern. Überhaupt ist Zeit ein ganz wichtiger Faktor für die Rentner von morgen, wie eine repräsentative Umfrage der Berliner Sparkasse ergab, die der Berliner Morgenpost vorliegt: Auf Platz zwei und drei der Wunschliste fürs Alter stehen „Mehr Zeit für die Familie haben“ und „Mehr Zeit für sich selbst haben“.
Doch Reisen oder gar aufs Land ziehen, was auch viele angaben, kostet Geld. Immerhin 68 Prozent der Berliner gaben in der Umfrage an, monatlich fürs Alter vorzusorgen – zusätzlich zum gesetzlichen Rentenbeitrag, der bei Angestellten automatisch vom Gehalt abgebucht wird. 2013 waren es 66 Prozent.
Mehr als 200 Euro reichen nicht
Wie viel legt der einzelne in der Hauptstadt monatlich fürs Alter zurück? 16 Prozent der Berliner sparen zwischen 25 und 50 Euro, 18 Prozent 51 bis 100 Euro, 17 Prozent 101 bis 200 Euro und 17 Prozent sogar mehr als 200 Euro. Die Höhe sagt nur begrenzt etwas darüber aus, ob sich der Aufwand auch auszahlt, schließlich hat das mit den Ansprüchen zu tun, die der einzelne an sein Leben im Alter stellt. Unter denen, die meinen, ausreichend vorzusorgen, sparen 28 Prozent mehr als 200 Euro im Monat. Allerdings sind unter denen, die glauben, nicht ausreichend zu sparen, auch vier Prozent der besonders fleißigen Sparer.
Zudem rechnet mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Befragten damit, sich im Alter einschränken zu müssen, deutlich weniger als vor einem Jahr (60 Prozent). Erwartungsgemäß ist der Anteil bei den Berlinern mit geringeren Einkommen höher. 63 Prozent derjenigen, die heute unter 1000 Euro im Monat verdient, schätzt, dass es im Alter nicht dazu reicht, den bestehenden Lebensstil zu halten. Bei denen, die heute über mehr als 3000 Euro monatlich verfügen, sind es immer noch 44 Prozent.
Fondssparen weniger beliebt
41 Prozent der Berliner, die vorsorgen, zahlen in eine betriebliche Altersvorsorge ein, etwas weniger als noch vor einem Jahr. Vor allem Ältere zwischen 50 und 65 haben eine abgeschlossen: In dieser Altersgruppe hat jeder zweite eine betriebliche Altersvorsorge, bei den 18- bis 29-Jährigen nur jeder dritte. Etwas beliebter als 2013 ist die Riester-Rente: 37(Vorjahr 36) Prozent haben einen Vertrag, bei dem sie monatlich einzahlen und Zuschüsse vom Staat bekommen. Die Riester-Rente ist vor allem bei den 30- bis 49-Jährigen beliebt, 44 Prozent dieser Altersgruppe haben eine abgeschlossen.
Auf eine Lebensversicherung vertrauen 35 (36) Prozent der Befragten, vor allem die 50- bis 65-Jährigen (46Prozent). Die jüngeren vertrauen offenbar wegen der zuletzt gesunkenen Renditen weniger auf solche Versicherungen. Auf Fondssparen setzen zwei von zehn Befragten, über alle Altersgruppen übrigens. Je nachdem, wie viel Geld der einzelne zur Verfügung hat, nutzt er auch mehrere Anlageformen.
Berliner besonders sicherheitsorientiert
Allerdings sind nur 46 Prozent der Berliner überzeugt, ausreichend für die Rente vorgesorgt zu haben. 2013 waren es noch 48 Prozent, 2012 sogar 49 Prozent. Stattdessen hat der Anteil derjenigen zugenommen, die meinen, nicht ausreichend fürs Alter zu sparen.
Das hat offenbar mit einer Charaktereigenschaft der Berliner zu tun: Zumindest bei der Altersvorsorge handeln sie entsprechend ihren finanziellen Möglichkeiten sehr sicherheitsorientiert, wie Bianca Richardt, Direktorin bei der Berliner Sparkasse sagt. Deshalb litten sie besonders unter der anhaltenden Niedrigzinsphase. Zuletzt hatte die Europäische Zentralbank(EZB) den Leitzins für die Euro-Zone von 0,15 auf 0,05 Prozent gesenkt. Zu diesem Satz können sich Geschäftsbanken Geld bei der Zentralbank leihen. Entsprechend niedrig sind auch die Zinsen zum Beispiel für das klassische Sparbuch, Fest- oder Tagesgeld bei den Geschäftsbanken.
Manchem sind Vorsorgeprodukte zu undurchsichtig
„Eigentlich müssten die Berliner daher größere Anstrengungen unternehmen, um ausreichend vorzusorgen“, sagt Richardt. Allerdings schätzten sie ihre finanzielle Lage so ein, dass sie nicht mehr tun könnten. 85 (Vorjahr 83) Prozent der Befragten würden mehr zurücklegen, wenn sie mehr Geld zur Verfügung hätten. Übrigens auch vier von fünf Befragten, die meinen, bereits ausreichend vorzusorgen. Immerhin jeder Dritte (35 Prozent) sparte mehr, wenn der Staat das stärker als bisher förderte. Und 30 Prozent der Berliner sind die Vorsorgeprodukte, die Banken und Versicherungen anbieten, zu undurchsichtig, um mehr zurückzulegen.
Richardt empfiehlt grundsätzlich, dass jeder mindestens alle zwei Jahre seine individuelle Situation in einer Altersvorsorgeberatung überprüfen lassen sollte. Die Sparkasse befragte im August 1017 Berliner im Alter von 18 bis 65 Jahren.

