Elegante Verfahren, die wenig Energie verbrauchen, Vorhandenes auf neue Weise nutzen und vernetzen, und das Leben für viele Menschen angenehmer machen – das in etwa bedeutet „smart“.
So etwas gibt es schon. Schwimmbecken, die mit der Wärme von Abwasser geheizt werden. Eine Fahrzeug-Hardware, die dem Besitzer erlaubt, sein Auto spontan und ohne Schlüsselübergabe zu vermieten. Ein „intelligentes Haus“, dessen Haushaltsgeräte über eine Fernbedienung gesteuert werden können. Ein „intelligenter Fußboden“, der meldet, wenn der Bewohner gestürzt ist.
EU-Mittel für Leuchtturm-Projekte
Die Technologiestiftung Berlin (TSB) hat sich auf die Suche nach solchen smarten Lösungen in der Stadt begeben. Sie hat mehr als 300 Berliner Unternehmen ausgemacht, die sich derzeit damit beschäftigen. Rund 40 Projekte, die diese Firmen entwickelt haben und die erfolgreich im Einsatz sind, hat die Stiftung erfasst und beschrieben. Der Stiftungsvorsitzende Nicolas Zimmer präsentierte diesen Report „Smart City Berlin“ am Donnerstag gemeinsam mit Berlins Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) und Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD). Denn Berlin soll zur führenden Smart City in Europa werden – bei industriellen Technologien, bei Verkehrsprojekten, in Wohngebäuden und bei Arbeitsabläufen.
Das ist erklärtes politisches Ziel. Zum einen deshalb, weil es Geld bringt. Die Europäische Union stellt in den kommenden Jahren rund 200 Millionen Euro für Smart City Lösungen zur Verfügung. „Davon so viel wie möglich nach Berlin zu lenken, ist ein wichtiges Anliegen“, sagte Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer bei der Präsentation des Reports. Unternehmen sollten mit Forschungseinrichtungen flankiert werden, forderte die Senatorin, um solche smarten Lösungen zu entwickeln und zu erproben. Netzwerke sollten sich bilden.
Berlin eignet sich ganz besonders als Experimentierfeld für smarte Lösungen. „Wir haben sieben Universitäten, 40 private und staatliche Hochschulen und mehr als 70 außeruniversitäre Forschungseinrichtungen“, so die Senatorin. „Außerdem eine starke Gründerszene und eine technologieorientierte Industrie.“ Ein weiterer Heimvorteil: Berlin hat große Flächen zur Verfügung. Was in Labors und an Computern erdacht und entwickelt wird, kann in den Technologiegebieten auch getestet werden: etwa auf dem Euref-Campus in Schöneberg, im Technologiepark Adlershof, im Cleantech Business Park in Marzahn, auf dem Gesundheitscampus in Buch und in der geplanten Urban Tech Republic auf dem Flughafen-Areal Tegel.
Smartes Projekt: Abfallentsorgung am Potsdamer Platz
Smart City zu sein, sei nicht nur moderner Trend, sondern auch notwendig, sagte Stadtentwicklungssenator Michael Müller. „Berlin muss sich ausrichten, um die Grundlagen für ein gutes Zusammenleben seiner Bewohner zu organisieren.“ Der Energieverbrauch in der Großstadt sei hoch, die Zahl der Bewohner werde steigen. „Auf diese Entwicklung muss man sich frühzeitig einstellen.“ Deshalb müsse man sich intelligent vernetzen, vorhandene Kompetenzen besser nutzen und schonend mit Ressourcen umgehen, sagte Müller. „Um ein bezahlbares, gutes und solidarisches Miteinander in einer wachsenden Stadt zu organisieren. Und da muss Berlin als deutsche Hauptstadt eine führende Rolle einnehmen.“ Auch im internationalen Wettbewerb soll sich die Stadt behaupten. „Bei den Konferenzen der Weltstädte wird immer geguckt – was machen London, Paris und Berlin an zukunftsweisenden Projekten? Wie stellen sie sich auf?“, sagte er weiter.
Senator Müller kündigte die nächsten politischen Schritte an. „Anfang März werden wir eine Senatsvorlage einbringen, in der die Smart City Strategie formuliert ist.“ Dann werde ein Masterplan aufgestellt, aus dem sogenannte Leuchtturm-Projekte abgeleitet werden. Für diese Leuchttürme können Fördermittel der EU beantragt werden: zwischen 18 und 25 Millionen Euro je Projekt.
Berlin, meinte Senatorin Yzer, sei jetzt schon „Vorreiter und Testlabor für smarte Lösungen, die man anfassen kann". Unter den 40 Projekten im Report „Smart City Berlin“ ist auch die Abfallentsorgung am Potsdamer Platz genannt. In einem Logistikzentrum 15 Meter unter dem Quartier werden die Speisereste aus allen Restaurants und Cafés am Platz gesammelt. Das Unternehmen Alba hat eine besondere Anlage entwickelt, die den organischen Abfällen Wasser entzieht und dadurch ihr Volumen um zwei Drittel reduziert. Diese komprimierten Reste werden dann zu einer Biogasanlage transportiert. Ein weiteres Beispiel im Report ist der Euref-Campus in Schöneberg mit seinem Energiemanagement. Solarenergie, Windkraft und ein Blockheizkraftwerk decken den Bedarf. Carsharing-Anbieter auf dem Areal vermieten Elektroautos.
Lebensqualität für Senioren
SmartSenior heißt ein Projekt der Telekom Innovation Laboratories Berlin. Eine intelligente Technik soll alten und pflegebedürftigen Menschen erlauben, möglichst lange eigenständig zu Hause zu leben. Über den Fernseher wird ein Serviceportal integriert. Über dieses Portal kann der Bewohner mit Freunden und Bekannten kommunizieren, sich an Dienstleister wie zum Beispiel den Einkaufsservice oder den Reinigungsdienst wenden, und eigene medizinische Daten abrufen.
Ein Beispiel für smarte Technologie ist auch Lisa, das Leit- und Informationssystem Abwasser der Berliner Wasserbetriebe, im alten Pumpwerk an der Holzmarktstraße in Friedrichshain. „Lisa steuert und überwacht 300 Abwasserpumpwerke, Regenspeicher und weitere Anlagen in Berlin“, sagte Jörg Simon, Vorstandschef der Wasserbetriebe. Bei starken Regenfällen könnten sofort Speicher in den verschiedenen Stadtgebieten geöffnet und gefüllt werden, sodass immer weniger Schmutzwasser in Spree und Havel geleitet werden muss.
Smart, sagte TSB-Vorstandschef Nicolas Zimmer, das seien gar nicht so die revolutionären technischen Fragestellungen, „sondern das ist die intelligente Nutzung von vorhandenen Technologien. Das Erkennen, wie Dinge sich ergänzen und in neue Prozesse integriert werden können.“ Ein aktuelles Manko: Bürger nehmen zu wenig am Entwicklungsprozess teil.




