Meisterbetriebe

Berlins Handwerkern geht es bemerkenswert gut

Seit drei Jahren schon laufen in Berlin die Geschäfte der Handwerksbetriebe ausgesprochen gut. Sie profitieren vom Bauboom in der Hauptstadt. Sorgen macht die Suche nach Lehrlingen.

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Bei aller rauschhaften Freude über den Boom junger Internetfirmen in Berlin gerät ein wirtschaftlicher Überflieger mitunter aus dem Blick. Die Meisterbetriebe der Hauptstadt und des Umlandes erfreuen seit gut drei Jahren einer Sonderkonjunktur. Das verführt die Funktionäre des Handwerks zu bemerkenswerten Aussagen. „Im Moment ist die Not nicht so groß, dass wir nach öffentlichen Aufträgen gieren würden“, sagt zum Beispiel Uwe Hoppe, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Frankfurt (Oder). Zwar wurde die übliche Rüge über Zahlungsmoral und Preisvorstellungen öffentlicher Auftraggeber erteilt – versehen mit dem Hinweis, dass man kaum drauf angewiesen sei.

84 Prozent der Unternehmen machen gute Geschäfte

Hoppe tritt am Donnerstag zusammen mit seinen Kammerkollegen aus Berlin und Potsdam auf. Anlass ist die die halbjährliche Befragung der Handwerksbetriebe in Berlin und Brandenburg. Seit gut drei Jahren haben die Handwerker der Region bei solchen Veranstaltungen vor allem eines zu vermelden: Es geht uns verdammt gut. Getrübt wird die gute Lage nur von den Problemen bei der Einwerbung von Nachwuchskräften.

Wortwörtlich sagen sie es so natürlich nicht in den Handwerkskammern der Region. Vielmehr ist die Rede von einem „stabilen Fundament“. Bedeutet: 84 Prozent der befragten Innungsunternehmen machen entweder „gute“ oder „zufriedenstellend“ Geschäfte. Ausnahme sind die Autowerkstätten. Deren Eigner haben seit zwei Jahren zu kämpfen. Das Berliner Handwerk wird jedoch von baunahen Betrieben dominiert, beispielsweise Maler, Tischler oder Installateure. Die profitieren vom Bauboom in der Stadt. Andere vom Aufschwung insgesamt, denn Handwerker sind oft Dienstleister für andere, prosperierende Branchen.

Handwerkern wird ihre Sonderkonjunktur unheimlich

Allerdings wird den den Handwerkern ihre dreijährige Sonderkonjunktur langsam ein wenig unheimlich. 22 Prozent erwarten in den kommenden Monaten schwächere Geschäfte. Auf der anderen Seite stehen 78 Prozent, die „befriedigende“ oder „gute“ Geschäfte in naher Zukunft sehen. Der Geschäftsklimaindex der Kammern, der aus Auskünften zur Geschäftslage, Aufträgen und Erwartungen errechnet wird geht ein wenig zurück auf den Wert von 104. Doch, so formulieren es die Handwerksvertreter selber in ihrem Konjunkturbericht: „Von kommenden schlechten Geschäften kann keine Rede sein.“ Die gut 185.000 Arbeitsplätze in den mehr als 30.700 Berliner Handwerksbetriebe sind der Umfrage zufolge recht sicher. 18 Prozent der Hauptstadtbetriebe wollen die Belegschaft aufstocken. Abbauen wollen 12 Prozent. Bei 70 Prozent soll die Mannschaftsstärke so bleiben, wie sie ist. Für dieses Jahr erwartet die Berliner Handwerkskammer eine positive Beschäftigungsbilanz: Unter dem Strich dürften dann am Jahresende mehr Arbeitsplätze stehen als zu Beginn.

Probleme bei der Suche nach Lehrlingen

Auf mittlere Sicht müssen viele Handwerker um Nachwuchskräfte bangen. Knapp 64 Prozent der befragten Betriebe Schwierigkeiten berichteten von Problemen bei der Suche nach Lehrlingen. Je weiter weg von Berlin ein Handwerksbetrieb liegt, um so größer sind in aller Regel die Probleme. So tun sich beispielsweise 80 Prozent der Betriebe des Kammerbezirks Cottbus bei der Suche schwer. In Berlin sind es 55,3 Prozent.

In der Hauptstadt wollen 12 Prozent der Ausbildungsbetriebe in diesem Lehrjahr mehr Azubis einstellen. 17 Prozent gaben an, ihre Anstrengungen zu verringern. Zum jetzigen Zeitpunkt gebe es ein Plus von 3,1 Prozent bei den abgeschlossenen Lehrverträgen im Vergleich zum Vorjahr, sagte Jürgen Wittke, Hauptgeschäftsführer der Berliner Handwerkskammer. Aktuell sind bei der Kammer mehr als 400 freie Lehrstellen gelistet.