Die Pleitenserie in der deutschen Solarindustrie hat nun auch Conergy erreicht. Der einstige Börsenstar ist zahlungsunfähig und muss nach zahlreichen erfolglosen Sanierungsversuchen Insolvenz anmelden. Am Freitag reichte die Firma einen entsprechenden Antrag beim Amtsgericht Hamburg ein.
Mit der Pleite reiht sich Conergy, das einstige Aushängeschild der deutschen Solarindustrie, ein in eine spektakuläre Welle von Insolvenzen. Fast alle Schwergewichte der Branche in Deutschland sind in Schieflage geraten. Weitere Großkonzerne haben angekündigt, sich aus der Solarenergie zurückzuziehen. Bosch hat seinen Ausstieg erklärt. Auch Siemens verabschiedete sich aus dem Geschäft.
Die Solarunternehmen werden in vielen Fällen zum Opfer eines massiven Preisverfalls bei Solarpanels. Hersteller aus China überschwemmen den Markt mit günstigen Anlagen. Die EU wirft chinesischen Herstellern von Solar-Modulen vor, ihre Produkte unter Marktwert zu verkaufen. Bei den Verhandlungen zwischen der EU und China soll sich eine Lösung abzeichnen. Ziel ist es, einen Mindestpreis für Panels aus China zu vereinbaren. Derzeit erhebt die EU Strafzölle auf die Produkte aus China.
In Deutschland haben aber nicht nur sinkende Preise den Druck auf die Solarfirmen verstärkt. Dass hierzulande das Geschäfte dank hoher staatlicher Subventionen lange Zeit leicht war, hatte zudem den Innovations- und Kostendruck von den Unternehmen genommen.
Schon 2007 vor dem Aus
Conergy kämpft seit Langem ums Überleben. Schon 2007 stand das Unternehmen vor dem Aus. Der Ökostrom-Pionier hatte sich von Wind über Solar bis zu Biomasse auf praktisch alle Formen der erneuerbaren Energien gestürzt und sich damit völlig verhoben. Der letzte Gewinn stand 2005 in den Büchern.
Das Unternehmen mit einst rund 2500 Beschäftigten durchlief ein hartes Umbauprogramm und konzentrierte sich voll auf das Solargeschäft. Als 2011 eine für die Aktionäre schmerzhafte Umschuldung gelang, schien das der Befreiungsschlag zu sein.
Die Strategie des Unternehmens galt als aussichtsreich, sich statt auf eine eigene Produktion im Solar-Bereich stärker auf den Vertrieb und die Planung von Anlagen zu konzentrieren. So reduzierte Conergy im vergangenen Jahr trotz des massiven Preisverfalls in der Branche seine Verluste. Zuletzt wollte das Unternehmen vor allem im Großkraftwerksbereich wachsen.
Doch dafür erhielt es nicht mehr genügend Geld. „Als Vorstand werden wir dem jetzt vom Gericht zu bestellenden vorläufigen Insolvenzverwalter nach allen Kräften zur Seite stehen, um möglichst alle Arbeitsplätze zu sichern und den Geschäftsbetrieb weiterzuführen“, kündigte Conergy-Chef Philip Comberg an.
Rund 520 Mitarbeiter in Brandenburg betroffen
Betroffen von der Insolvenz sind nicht nur die rund 200 Beschäftigten in der Hamburger Zentrale, sondern auch deutsche Tochtergesellschaften. Dazu gehört die Fertigung von Solarmodulen in Frankfurt an der Oder sowie von Unterkonstruktionen und Rahmen in Rangsdorf (Teltow-Fläming). An beiden Standorten sind derzeit insgesamt rund 520 Menschen beschäftigt.
Das Wirtschaftsministerium in Potsdam kündigte an, so schnell wie möglich Kontakt mit der Unternehmensführung aufzunehmen, um bei der Suche nach einem Nachfolge-Investor zu helfen. Insgesamt müssen nun 800 der etwa 1200 Conergy-Mitarbeiter um ihre Jobs bangen.
Grund für den Schritt sei eine unerwartete Zahlungsverzögerung aus einem Großprojekt, teilte das Unternehmen mit. Zudem hätten sich die Geldgeber von Conergy nicht auf ein vom Vorstand vorgelegtes Zukunftskonzept verständigen können, das den Einstieg eines neuen Investors vorsah.
BM


