Die Gästeliste ist hochkarätig: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Berlins Rathauschef Klaus Wowereit (SPD) sind angekündigt. Empfangen werden sie in Marienfelde vom Konzernchef aus Amerika selbst, Jeff Immelt, Vorstandsvorsitzender des größten US-Industriekonzerns General Electric.
Am kommenden Montag wird es feierlich und für Berlins erfreulich: General Electric, kurz GE, wertet seinen Standort in der Hauptstadt auf. Der Konzern investiert eigenen Angaben zufolge zehn Millionen Euro in ein neues Trainingszentrum. Rund 120 neue Jobs sollen entstehen.
Siemens ist der größte Konkurrent
Damit setzt sich die Expansion von GE in der Hauptstadt fort. Ausgerechnet in Berlin, wo der größte GE-Konkurrent Siemens gegründet wurde und seine umfangreichste Produktion hat. Zwar reicht GE noch längst nicht an Siemens heran – die Amerikaner beschäftigten rund 1000 Menschen hier, Siemens gut 13.000. Doch längst ist Berlin die größte der rund 70 GE-Filialen in Deutschland.
Mit dem Termin und der Politprominenz möchte GE Flagge zeigen im Siemens-Land. Denn in vielen Bereichen sind die beiden Konzerne auf der ganzen Welt harte Konkurrenten. Ob Windräder, Turbinen oder Computertomographen – fast immer ist es ein Ringen der beiden Industriegiganten: hier Siemens mit 78 Milliarden Euro Jahresumsatz und weltweit 370.000 Mitarbeitern, dort GE mit umgerechnet 112 Milliarden Euro Umsatz und gut 300.000 Beschäftigten.
Das Berliner Werk zählt zur Energiesparte der Amerikaner und da wiederum zum Bereich Power Conversion, zu deutsch: Energieumwandlung. Konkret geht es dort vor allem um Steuerungs- und Automatisierungstechnik. Bis vor zwei Jahren hieß das Unternehmen Converteam. Im Jahr 2011 kaufte General Electric den französischen Konzern nebst seinem Berliner Werk.
Investition kommt gelegen
Politik und Verbandsleute kommt die Investition von GE in der Hauptstadt sehr gelegen. Seit Jahren tagt regelmäßig der „Steuerungskreis Industriepolitik“, bestehend aus Politik, Verwaltungs-, Wirtschafts- und Gewerkschaftsmenschen und mit Wowereit an der Spitze – weitgehend ohne Ergebnisse. Immerhin hat man sich nach dem letzten Treffen entschlossen, Industrieförderung sichtbarer zu machen und Berlins Industrie eine Art Schwerpunkt zu verpassen – gewissermaßen eine Geschichte, die man außerhalb der Stadtgrenzen gut erzählen und vermarkten kann. Dieser Schwerpunkt soll Energie sein, genauer gesagt: „Energiewende made in Berlin“, wie ein Arbeitspapier heißt, das der Steuerungskreis produziert hat.
Das könnte durchaus sinnvoll sein. Schließlich gibt es neben GE und Siemens weitere Schwergewichte des globalen Kraftwerksgeschäfts mit Werken in Berlin, beispielsweise Alstom und MAN Turbo. Hinzu kommt auch ein Konzern wie der Energieerzeuger Vattenfall. Geklammert wird es alles durch die steten Bemühungen um die Energiewende in Deutschland.
Auch darum wird es wohl am Montag gehen, wenn Merkel, Wowereit und GE-Chef Immelt den Grundstein für das Trainingszentrum legen werden. Gleichzeitig will GE ein etwas unrundes Jubiläum feiern. Seit 130 Jahren ist man laut Konzernrechnung in Deutschland aktiv.
Am Anfang von General Electric stand Erfinderlegende Thomas Alva Edison, dem unter anderem die Idee zur Glühlampe hatte. Im Jahr 1883 genehmigte Edison die Lizenzproduktion seiner Jahrhundert-Erfindung nach Deutschland – an den Berliner Emil Rathenau. Aus dessen Deutscher Edison Gesellschaft wurde wenige Jahre später Allgemeine-Elektricitäts-Gesellschaft (AEG), ein Gigant der deutschen und Berliner Industriegeschichte.


