Warenhauskonzern

Karstadt-Chef Andrew Jennings wirft das Handtuch

Der Vorstandsvorsitzende des Karstadt-Konzerns, zu dem auch das Flagschiff KaDeWe gehört, wird seinen Ende des Jahres auslaufenden Vertrag nicht verlängern. Er bleibe aber „involviert“, heißt es.

Foto: Andreas Laible / HA

Die kriselnde Warenhauskette Karstadt muss sich einen neuen Chef suchen. Karstadt-Chef Andrew Jennings wird seinen Ende des Jahres auslaufenden Vertrag nicht verlängern. Das Unternehmen bestätigte am Sonntag einen entsprechenden Bericht der „Bild am Sonntag“.

„Wir wollen die langfristige Beziehung mit Andrew Jennings über 2013 hinweg fortsetzen, wenn sein Vertrag offiziell endet“, sagte Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen laut einer Mitteilung des Warenhauskonzerns. Jennings werde daran mitwirken, seinen Nachfolger zu finden. Er werde bei Karstadt involviert bleiben.

Zum Warenhauskonzern gehört auch das Berliner KaDeWe am Tauentzien.

Jennings ist seit 1. Januar 2011 Vorstandsvorsitzender von Karstadt. Berggruen hatte den internationalen Handelsexperten und Sanierer nach Essen geholt.

Nachfolgeplanung sei der normale Geschäftsverlauf

Die „Bild am Sonntag“ hatte berichtet, dass der Grund für die Trennung Differenzen über die Strategie zur Rettung der angeschlagenen Warenhauskette seien. Daraufhin hatte ein Sprecher erklärt, die Geschichte stimme nicht und eine Mitteilung angekündigt.

In der Mitteilung vom Sonntag heißt es, es gebe keinen Konflikt zwischen Jennings und Berggruen. Berggruen und Jennings stünden zur Strategie „Karstadt 2015“. „Berggruen und das Management befinden sich über die Fortsetzung der Karstadt-Strategie in Harmonie miteinander und stimmen bei der langfristigen Nachfolgeplanung für den CEO überein.“ Diese Nachfolgeplanung sei der normale Geschäftsverlauf.

Zuletzt war der Streit zwischen dem Karstadt-Management und den rund 20.000 Arbeitnehmern eskaliert. Mitte Mai erklärte der Warenhauskonzern seinen Ausstieg aus der Tarifbindung, um sich künftige Lohnerhöhungen zu sparen. Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen, der die Warenhauskette 2010 aus der Insolvenz übernommen hatte, hatte sich am Dienstag in der Konzernzentrale persönlich vom Management über die Lage bei Karstadt informieren lassen.

Zuvor hatte Berggruen in Interviews die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di angegriffen. Ver.di hat Karstadt-Mitarbeiter zu Protesten aufgerufen, auch in Berlin gab es schon Aktionen. Wäre er nicht eingestiegen, gebe es Karstadt nicht mehr, sagte Berggruen unlängst. Das würden viele vergessen.

Berggruen hatte Karstadt 2010 für den symbolischen Betrag von einem Euro gekauft. Karstadt gehörte seinerzeit zur Insolvenzmasse von Arcandor, vormals Karstadt-Quelle.

In Berlin arbeiten rund 3000 Menschen für Karstadt

Allein in Berlin arbeiten aktuell rund 3000 Menschen für Karstadt. Neben der Perle des Kaufhaus-Konzerns, dem KaDeWe, gibt es sieben klassischen Warenhäuser in der Stadt. Dazu kommen zwei Sporthäuser und ein „Karstadt Schnäppchenmarkt“ in Neukölln. Angesichts der anhaltenden Krise bei Karstadt gibt es immer wieder Gerüchte um ein Zusammengehen mit dem Konkurrenten Kaufhof, der dem Handelskonzern Metro gehört. Auch Berggruen wurde ein entsprechendes Interesse nachgesagt.

Einem Vorabbericht des Magazins „Focus“ zufolge sank der Umsatz von Karstadt im Mai um fünf Prozent. In den Vormonaten habe das Minus mit im Schnitt zehn Prozent sogar doppelt so hoch gelegen, berichtete das Magazin unter Berufung auf Unternehmenskreise. i