Tarifverträge

Karstadt-Mitarbeiter müssen auf Gehaltserhöhung verzichten

Die Beschäftigten von Karstadt müssen sich auf neue Kürzungen einstellen. Der Konzern steigt aus der Tarifbindung aus. Bei höheren Tarifabschlüssen wird es nicht mehr Geld geben.

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Auf die Beschäftigten der kriselnden Warenhauskette Karstadt kommen neue Einschnitte zu. Ab sofort und für die kommenden beiden Jahre steige das Unternehmen aus der Tarifbindung für den Einzelhandel aus, teilte Karstadt am Montag in Essen mit. Damit entfallen für die Mitarbeiter bis 2015 Gehaltserhöhungen, die durch Tarifverträge vereinbart werden.

Das Unternehmen mache „von der Möglichkeit einer Mitgliedschaft in den Arbeitgeberverbänden ohne Tarifbindung Gebrauch“, teilte Karstadt mit. Die Entscheidung bedeute, dass für die Karstadt-Mitarbeiter „künftige Entwicklungen der Tarifverträge des Einzelhandels keinen Einfluss haben“. Die Entscheidung gelte für die Karstadt-Warenhäuser und für Karstadt Sport.

„Für die Karstadt-Mitarbeiter verschlechtert sich durch diese Tarifpause nichts“, erklärte Arbeitsdirektor Kai-Uwe Weitz. Die bisherigen Vereinbarungen aus Tarifverträgen blieben bestehen, für bestehende Arbeitsverträge „ergeben sich keine Kürzungen“. Karstadt stehe „ausdrücklich“ zum bisherigen Manteltarifvertrag.

Ver.di spricht von der „nächsten Fehlentscheidung“ des Managements

Die Gewerkschaft Ver.di kritisierte, mit dem Ausstieg treffe das Karstadt-Management „seine nächste Fehlentscheidung“. Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen würde gut daran tun, „nicht an den Grundfesten der berechtigten Arbeitnehmeransprüche zu rütteln“, erklärte Ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Auch für den Milliardär gelte der Grundsatz, „Eigentum verpflichtet“.

Karstadt hatte seine Betriebsräte aus den Filialen in ganz Deutschland für Montag zu Gesprächen einbestellt. Die Kaufhauskette steckt seit Jahren in der Krise. 2010 war Karstadt nach der Pleite des Touristik- und Handelskonzerns Arcandor vom US-deutschen Investor Berggruen übernommen und damit vor dem Aus bewahrt worden. Er versprach damals, die Arbeitsplätze zu erhalten und die Filialen zu modernisieren.

2012 kündigte Karstadt den Abbau von rund 2000 Stellen an

Im Sommer 2012 kündigte Karstadt dann allerdings den Abbau von rund 2000 Stellen bis 2014 an. Davon wurden schon rund 1850 durch Frühpensionierung, freiwilligen Austritt, natürliche Fluktuation und Nichtverlängerung befristeter Arbeitsverträge eingespart. Insgesamt arbeiten rund 22.000 Menschen bei Karstadt.

Karstadt-Chef Andrew Jennings hatte kürzlich vor einem schwierigen Geschäft für sein Unternehmen in diesem Jahr gewarnt. „Dieses Jahr wird noch hart werden, aber dann werden wir Land sehen“, sagte Jennings in einem Interview mit dem „Tagesspiegel“.

Einen weiteren Stellenabbau wollte Jennings nicht ausschließen. Karstadt habe nach den bisherigen Einschnitten nun zwar „die richtige Größe“, sagte Jennings dem „Tagesspiegel“. „Es ist aber klar, dass am Ende der Kunde entscheidet, ob wir erfolgreich sind oder nicht.“ Im Geschäftsjahr 2010/2011 hatte Karstadt demnach 21 Millionen Euro Verlust gemacht.