Strommarkt

Flexstrom-Pleite trifft 40.000 Berliner Kunden

Der Stromanbieter Flexstrom ist pleite. Mehr als 500.000 Kunden sind betroffen, rund 40.000 in der Hauptstadt. Das Berliner Unternehmen gibt seinen Kunden eine Mitschuld.

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Der Stromanbieter Flexstrom ist insolvent. Das Berliner Unternehmen mit mehr als 500.000 Kunden – rund 40.000 davon in Berlin – meldete am Freitag Insolvenz an, wie Flexstrom mitteilte.

Auch die Tochtergesellschaften OptimalGrün und Löwenzahn Energie sind zahlungsunfähig. Das Geschäft von FlexGas wird hingegen durch einen Investor weitergeführt, teilte das Unternehmen mit, für deren Kunden werde sich nichts ändern.

Der Stromnetzbetreiber, die Vattenfall-Tochter Stromnetz Berlin, hat nach eigenen Angaben der Flexstrom AG bereits gekündigt. 30.000 Berliner Flexstrom-Kunden werden in den nächsten Tagen per Brief darüber informiert. Sie werden jetzt automatisch vom Grundversorger Vattenfall mit Strom versorgt und zwar im Tarif „Berlin Basis“. Sie können sich in den nächsten Wochen einen neuen Versorger suchen.

Unternehmen gibt seinen Kunden eine Mitschuld

Das gilt jedoch noch nicht für die rund 10.000 Kunden der Flexstrom-Ökomarken OptimalGrün und Löwenzahn Energie. Den beiden Tochterunternehmen von Flexstrom hat der Netzbetreiber bislang nicht gekündigt.

Ein Sprecher von Stromnetz Berlin sagte, dass Flexstrom Netzgebühren im niedrigen sechstelligen Bereich schuldig geblieben sei. Das Unternehmen selbst gibt seinen Kunden eine Mitschuld an der Insolvenz. Schuld seien die „schlechte Zahlungsmoral zahlreicher Stromkunden“ und „weiterhin bestehende Oligopolstrukturen im deutschen Versorgungsmarkt“. Außerdem sehe sich das Unternehmen mit juristischen Forderungen von Zulieferern konfrontiert, die es selbst für rechtswidrig hält. Man sei „profitabel, aber nicht mehr liquide“, heißt es von FlexStrom.

Ursache wiederum für alle diese Probleme ist nach Ansicht des Unternehmens die „schädigendn Berichterstattung vereinzelter Medien“, die bei Kunden, Lieferanten und Kreditgebern zu Verunsicherung geführt habe. Gemeint sein dürfte vor allem ein Bericht des „Handelsblatt“ über mögliche Finanzprobleme bei Flexstrom.

Mit rund 100 Millionen Euro seien Kunden bei FlexStrom oder den Tochtergesellschaften OptimalGrün und Löwenzahn Energie im Rückstand, hieß es in der Mitteilung.

FlexStrom war seit 2003 am Markt. Seit 2009 arbeitet der Anbieter nach eigenen Angaben profitabel, für 2012 wurde sogar eine Gewinnsteigerung auf mehr als 20 Millionen Euro gemeldet.