Als Disney vergangenes Jahr das Filmstudio des Star-Wars-Machers George Lucas kaufte, gelangte auch der Computerspiel-Ableger LucasArts in den Besitz des US-Entertainment-Konzerns.

Doch Mickey Maus kann mit den Spielemachern von der US-Westküste anscheinend nichts anfangen: Disney verkündete nun, dass die Spieleschmiede geschlossen und die aktuellen Entwicklungen eingestellt werden.

Das wundert aus betriebswirtschaftlicher Sicht nicht: Seit Jahren gelang dem Studio kein Blockbuster mehr, das große Geld verdienen inzwischen andere. Dennoch schreiben Fans rund um den Globus im Netz melancholische Nachrufe und verfluchen in Twitter-Nachrichten und YouTube-Kommentaren Disneys Entscheidung.

Kein Wunder: In den 90er-Jahren prägte LucasArts mit einer Reihe von genialen Titeln die Kindheit und Jugend der ersten echten digitalen Generation, darunter auch die des 32-jährigen Autors.

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Die Bildschirmauflösung lag weit entfernt von Full HD, der Fanfaren-Ton quäkte blechern aus dem PC-Lautsprecher, und dennoch: Immer, wenn das goldene Strichmännchen auf dem Bildschirm seine Arme triumphierend in die Sonne reckte, lief mir ein Schauer der Erwartung den Rücken herunter.

Wer immer als Jugendlicher Anfang der 90er-Jahre Zugriff auf einen PC hatte, kannte das lila L im Logo der kreativsten Spieleschmiede jener Zeit: LucasArts, Ableger des Star-Wars-Filmstudios Lucasfilm des genialen Filmemachers und Special-Effects-Erfinders George Lucas. Meine Einstiegsdroge war das Klick-Abenteuer Indiana Jones und das Schicksal von Atlantis – ich besaß als 12-Jähriger nur eine Raubkopie auf Diskette und musste bei jedem Start mittels eines hastig kopierten Handbuchs den Kopierschutz umgehen.

Wenn das klappte, eröffneten die LucasArts-Designer eine riesige, Spielwelt, durch deren Fallen und Rätsel ich Indiana Jones und seine Freunde lenken musste.

Ein Durchbruch für das Abenteuergenre

Indys Abenteuer im Mittelmeer sowie der Vorgänger waren ein Durchbruch für das Abenteuergenre, LucasArts revolutionierte mit Jones Hilfe im Alleingang die Spielewelt – und meine Sicht auf Computer: Stunden verbrachten meine Freunde aus der Nachbarschaft und ich damit, die Rätsel zu knacken und verschiedene Lösungswege auszuprobieren, und waren fast enttäuscht, als wir endlich Atlantis gefunden hatten.

Danach warteten wir sehnsüchtig auf weitere Spiele-Juwelen aus Lucas Schmiede. Uns vermittelten die Spiele mit dem L viel mehr noch als große Spielfilme einen bestimmten ironischen Humor, aber auch ein Gefühl für große Atmosphäre mit einfachen Mitteln, und eine Faszination für die noch so junge Heimcomputerwelt.

Irgendwann erlahmte die Schaffenskraft der LucasArts-Designer merklich. Sie konzentrierten sich darauf, einen Star-Wars-Titel nach dem anderen heraus zu bringen – und vergaßen dabei scheinbar, eigene Innovationswege zu finden, statt nur Shooter wie Doom oder Half Life zu kopieren. 2005 wurde das Studio umstrukturiert, die Mannschaft stark verkleinert. Danach folgte der Abstieg. Zwar hatten die Spielemacher 2012 ein neues Star Wars-Abenteuer angekündigt – doch Star Wars 1313 sah eher wie ein Abklatsch moderner Ballerspiele aus. Disney stellte konsequenterweise die Entwicklung ein.

Wer heute noch die Faszination der ersten Indiana-Jones-Abenteuer erleben will, dem sei ein Blick in die App-Stores empfohlen: Der Tablet-Boom hat den LucasArts-Abenteuern ein zweites Leben beschert. Es könnte ratsam sein, sich zu beeilen: Wer weiß, wie lange Disney als Rechtenachfolger die Titel noch online lässt.

Die Reaktionen bei Twitter auf das Ende von LucasArts:

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