Zypern-Krise

Sparer könnten in Zypern bis zu 60 Prozent verlieren

Bei der Rettungsaktion für Zypern könnten Anleger mit Vermögen über 100.000 Euro viel mehr Geld verlieren als bislang bekannt. Finanzminister Schäuble hält die Spareinlagen in Europa für sicher.

Foto: Iakovos Hatzistavrou / dpa

Für das EU-Rettungspaket sollen große Vermögen auf Zypern wohl weit stärker bluten als zunächst angekündigt: Besitzer von Guthaben über 100.000 Euro bei der Bank of Cyprus könnten bis zu 60 Prozent davon verlieren, wie am Sonnabend in Nikosia aus Kreisen der Zentralbank und des Finanzministeriums bekannt wurde.

Bei der Umwandlung von großen Guthaben in Aktien der Bank – der größten des Landes – werde der Wert der Einlagen bereits um 37,5 Prozent schrumpfen. Doch könnten weitere Verluste von bis zu 22,5 Prozent drohen, hieß es weiter. Dies hänge von der offiziellen Einschätzung ab, welche Summe letztlich für die Sanierung der Bank benötigt werde.

Der Umbau der Bank of Cyprus und die Schließung des zweitgrößten Bankhauses Laiki sind Teil des Rettungspakets, das die Euro-Länder und der Internationale Währungsfonds zu Wochenbeginn mit Zypern ausgehandelt hatten. Mit dem Zugriff auf große Vermögen soll ein Eigenanteil Zyperns von 5,8 Milliarden Euro aufgebracht werden. Im Gegenzug soll der kleine Inselstaat zehn Milliarden Euro Hilfskredite aus dem Euro-Rettungsfonds ESM bekommen.

Bis Donnerstag hatte die Regierung in Nikosia die Banken des Landes geschlossen gehalten, weil sie einen Ansturm der Sparer befürchtete. Bevor die Geldhäuser wieder öffnen durften, ordnete sie strikte Auflagen für den Geldverkehr an: Bürger und Unternehmer dürfen zunächst nur 300 Euro pro Tag abheben, für Kreditkartenzahlungen im Ausland gibt es eine Obergrenze von 5000 Euro und Reisende, die das Land verlassen, dürfen maximal 1000 Euro in bar mitnehmen.

Finanzminister Schäuble hält Spareinlagen für sicher

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sieht in dem Rettungspaket für Zypern kein Vorbild für andere kriselnde Euroländer. „Zypern ist und bleibt ein spezieller Einzelfall“, sagte Schäuble der „Bild“-Zeitung vom Sonnabend. In dem jüngst vor der Staatspleite geretteten Inselstaat seien die beiden großen Banken „faktisch nicht mehr zahlungsfähig gewesen“, sagte Schäuble. Der zyprische Staat habe außerdem schlicht nicht mehr das nötige Geld gehabt, um die Einlagen zu sichern. Daher sei entschieden worden, diejenigen an den Kosten zu beteiligen, „die die Krise mit verursacht haben“.

Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem hatte mit einem Interview die Befürchtung ausgelöst, wie in Zypern könnten die Bankkunden auch in anderen Krisenstaaten wie Italien oder Spanien zur Rettung der Banken herangezogen werden. „Die Spareinlagen in Europa sind sicher“, sagte Schäuble der Zeitung dazu.

Zypern muss im Gegenzug für internationale Finanzhilfen seinen Bankensektor drastisch umstrukturieren und die zweitgrößte Bank des Landes – die Laiki-Bank – abwickeln. Aktionäre, Gläubiger und Inhaber großer Bankguthaben der Laiki-Bank dürften massive Verluste hinnehmen müssen. Auch bei der Bank of Cyprus, bei der besonders viele Ausländer Geld angelegt haben, soll auf Guthaben über 100.000 Euro ein Abschlag fällig werden.

„Schmerzhafter Anpassungsprozess“

Schäuble zeigte sich indes zuversichtlich, dass Zypern die Hilfen komplett zurückzahlen werde. „Zyperns Wirtschaft wird jetzt eine Zeit lang einen schmerzhaften Anpassungsprozess durchlaufen“, sagte er der „Bild“-Zeitung. „Aber dann wird es auf einer gesunden wirtschaftlichen Basis die Kredite zurückzahlen.“