Kommentar

UVB-Chef Amsinck will Flughafen Tegel offen halten

Der Chef der Vereinigung der Unternehmensverbände mahnt, dass sich Berlin seine Wachstumschancen nicht verbauen soll. Dem geplanten Nachtflugverbot am BER steht er kritisch gegenüber.

Foto: M. Lengemann

Der neue Flughafenchef Hartmut Mehdorn hat mit seinem Vorstoß bezüglich einer längeren Öffnung von Tegel eine hitzige Debatte angeregt. Seit Tagen diskutieren die Berliner, ob das eine sinnvolle Idee ist oder nicht. Während Mehdorn anfangs fast nur kritisiert wurde, bekommt er nun immer mehr Unterstützung. So fand unter anderen Berlins ehemaliger Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU), dass man den Vorschlag einmal sorgfältig prüfen müsse. Ähnlich argumentiert Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg (UVB). Laut Amsinck müsse sich die Region ihre Wachstumschancen offenhalten und daher auch über eine längere Öffnung von Tegel nachdenken.

„Die Zahl der Passagiere an den Berliner Flughäfen ist im vergangenen Jahr trotz der erneuten Verschiebung der Eröffnung des Flughafens BER auf eine neue Rekordmarke von mehr als 25 Millionen gestiegen. Mit einem Zuwachs von 5,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr ist der Flugverkehr in der Region damit zum zehnten Mal in Folge stärker gewachsen als jeweils an den anderen Flughäfen in Deutschland.

Vor dem Hintergrund dieser sehr erfreulichen Passagierentwicklung und den Engpässen im bestehenden Berliner Flughafensystem ist für ein weiteres Wachstum und Beschäftigung in der Region ein leistungsfähiger Flughafen BER dringender denn je erforderlich. Zur Leistungsfähigkeit gehört auch die Nutzung der Tagesrandzeiten, die aus Sicht der Wirtschaft entscheidend und unabdingbar sind für den wirtschaftlichen Erfolg des Flughafens BER.

Eine Einschränkung ginge unmittelbar zulasten des potenziellen Umsteigeverkehrs etwa aus den asiatischen Wachstumsregionen und einer angestrebten Funktion des Flughafens BER als Heimatflughafen und Wartungsschwerpunkt. Bisher hat Berlin zum Beispiel im Gegensatz zu München in kaum nennenswertem Umfang Umsteigeverkehre und braucht gerade deshalb die Tagesrandzeiten.

Wirtschaftlicher Erfolg ist in Gefahr

Die geplante Regelung zur Nutzung der Tagesrandzeiten zwischen 22 Uhr und 24Uhr und 5 Uhr und 6 Uhr ist bereits ein durch das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig höchstrichterlich bestätigter Kompromiss zwischen den Anwohnerinteressen auf der einen Seite und den Fluggesellschaften und Gesamtinteressen der Länder Berlin und Brandenburg auf der anderen Seite.

Mit der Annahme des Volksbegehrens zum Nachtflugverbot am künftigen Flughafen BER durch den Landtag in Brandenburg besteht nun die Gefahr, dass die dringend benötigten Tagesrandzeiten eingeschränkt werden und damit der wirtschaftliche Erfolg des Flughafens und der Flughafengesellschaft selbst beeinträchtigt wird.

Als neuer Vorsitzender der Geschäftsführung des Flughafens ist Hartmut Mehdorn nicht nur damit beauftragt, den Flughafen BER doch noch erfolgreich fertigzubauen, sondern auch damit, dass das Flughafenprojekt den größtmöglichen Erfolg für die Region entfaltet. Zu Recht hat er deshalb darauf hingewiesen, dass eine künstliche Einschränkung der Wachstumsmöglichkeiten des Flughafens BER durch ein längeres Nachtflugverbot diesem Ziel entgegensteht. Auch die Hinweise auf das längere Offenhalten des Flughafens Tegel beispielsweise für Geschäftsflieger entspringen genau dieser Sorge, dass Berlin unwiderruflich einen Standortvorteil aufgibt und seine Wachstumsmöglichkeiten einschränkt.

Wichtigstes Infrastrukturprojekt der neuen Bundesländer

Es geht nicht darum, dass man leichtfertig einen Planfeststellungsbeschluss infrage stellt, dessen gerichtliche Bestätigung gerade in der Wirtschaft im Hinblick auf Planungssicherheit begrüßt worden ist. Es geht darum, dass alle begreifen, dass Berlin und die Hauptstadtregion größer werden, und dementsprechend ihre Wachstumschancen nur nutzen können, wenn die Infrastruktur entsprechend ausgebaut beziehungsweise ertüchtigt wird.

Der Konsensbeschluss aus dem Jahr 1996 zu Schönefeld hat weder die rasante Passagierzunahme beim Flugverkehr noch den Anstieg der Bevölkerung in Berlin um 250.000 Einwohner in den nächsten 15 Jahren vorhergesehen. Der Flughafen BER ist nicht nur das wichtigste Infrastrukturprojekt in den neuen Bundesländern, sondern auch das größte gemeinsame Projekt der Länder Berlin und Brandenburg. Alleingänge zulasten des jeweils anderen schaden dem Projekt sowie dem Image der Region als Wirtschaftsstandort und gefährden die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaftsregion Berlin-Brandenburg. Das kann niemand ernsthaft wollen.“