Social Commerce

Wenn Internet-Nutzer sich gegenseitig Outfits empfehlen

Shoppingberater im virtuellen Klamottenladen: Beim Social Commerce geben sich Menschen gegenseitig Stylingtipps – und das online.

Die Herbst-Ekstase hat einen Namen: „Got to love love“. Jemand mit dem Nutzernamen „queen007“ hat das schwarz-braune Outfit für junge Mädels zusammengemixt und auf Stylefruits.de ins virtuelle Schaufenster gestellt. Eine Jeans von Promod für 39,95 Euro, ein passendes Strick-T-Shirt von Mango für 29,99 Euro, die Lammleder-Jacke von Mandarin ab 169,90 Euro, Stiefeletten von Replay (139,90 Euro). Andere Internet-Nutzerinnen sind begeistert. „Klasse“, „fünf Sternchen“, „voll der Hingucker“, haben sie gemailt oder schlicht „liebe es“.

Wer immer „queen007“ auch sein mag – offenbar liebt sie Mode und stellt gern Kleidung für wildfremde Leute zusammen. Genau das ist das Geschäftsmodell des jungen Unternehmens aus München: Die Userinnen und User präsentieren aus Teilen verschiedener Hersteller kleine Kollektionen, sie unterhalten sich im Netz, auf Facebook oder per Twitter über das Outfit – und bestellen die Sachen im Idealfall sofort per Mausklick. Gelingt es, den Nutzer zur Seite des Herstellers herüberzureichen, bekommt Stylefruits eine Provision. So geht Shopping des 21. Jahrhunderts – jedenfalls für alle, die jung und hip und vor allem dauernd online sind.

Die Unternehmen geben sich selbstbewusst

Social Commerce oder F-Commerce – wobei das F für Facebook steht – nennt sich das, was bisher noch eine Randerscheinung des neuzeitlichen Einkaufs im Netz ist. Die Unternehmen allerdings, die in dieser Disziplin schon ganz weit vorn liegen, sehen für sich eine strahlende Zukunft: „Die Zahl unserer User hat sich im vergangenen Jahr auf zwei Millionen pro Monat verdoppelt, wir produzieren 150 Millionen Euro Umsatz“, sagt Ingo Heinrich, Geschäftsführer und einer der drei Gründer des Unternehmens aus München. Und das ist erst der Anfang: „Unser jährliches Wachstum liegt über 100 Prozent, wir halten 500 Millionen Euro Umsatz für machbar.“ Mit mehr als 40 Online-Shops und 2000 Marken ist die Seite verlinkt, darunter auch große Einkaufsplattformen wie Otto.

Die Konkurrenz von Stylight.de, die sich gar die „Demokratisierung der Mode“ auf die Fahnen geschrieben hat, ist nicht weniger selbstbewusst: „Wir wollen unseren Umsatz auf 300 Millionen Euro verdreifachen“, so Chef Benjamin Günther. Ganze Kollektionen kann man bei Stylight.de zwar nicht zusammenstellen, aber Outfits mit einem Herzen versehen, um anderen zu zeigen, dass man das mag. Die User erhalten zudem Blogs von echten Modeexperten. Aus der ehemaligen Suchmaschine für Mode wird mehr und mehr eine Social Community mit angeschlossenem Klamottenladen.

Die Zukunft bleibt ungewiss

Die Neulinge haben längst das Interesse alteingesessener Händler geweckt: „Wir erwarten, dass die konsequent zu Ende gedachten Social-Commerce-Modelle künftig eine stark wachsende Bedeutung für die Entscheidungsfindung von Konsumenten erhalten werden“, erklärt Handelsriese Tengelmann, der auch am angesagten Online-Versender Zalando beteiligt ist. Bei Stylefruits gehört die Risikokapital-Sparte des Wuppertaler Staubsaugerherstellers Vorwerk zu den Finanzierern. Die großen Modehersteller erhoffen sich vom Social Commerce, mehr über die aktuellen Vorlieben und Abneigungen der potenziellen Kundschaft zu erfahren.

Experten drücken allerdings auf die Euphorie-Bremse: „Die so erzielten Umsätze dürften sich noch im Promille-Bereich befinden“, schätzt Michael Kliger, Handelsexperte beim Beratungsunternehmen Accenture. Ohne Zweifel sei es ein großer Trend im Internet. Doch noch sei es zu früh zu sagen, dass daraus mehrere Unternehmen dauerhaft ein ertragreiches Geschäftsmodell entwickeln könnten.