Wer hat die globalen Märkte in der Hand? Wer bestimmt über die Aktienmärkte? Mancher wähnt hier verschwörerische Banden am Werk. Auch wenn es nicht so simpel ist, es gibt Personen in der Finanzwelt, die enormen Einfluss haben und viel Geld bewegen – weil sie es verwalten oder allein ihrer Worte und Taten wegen. Der Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg hat seine Mitarbeiter befragt, wer ihrer Meinung nach die Herrscher der Märkte sind. Daraus wurde eine Liste der 50 wichtigsten Akteure.
Diese Liste besteht aus fünf Gruppen. Auf der ersten stehen Manager aus der Wirtschaft, etwa die Chefs von Apple oder Facebook, Unternehmen, die aufgrund ihrer Kreativität die Wirtschaft entscheidend geprägt haben. Warren Buffett, der legendäre Investment-Titan, oder Carlos Slim, der reichste Mann der Welt, sind dabei, sie brauchen nur ihr Vermögen einzusetzen, um die Finanzmärkte zu prägen. Es gesellen sich auch unbekanntere Namen dazu, wie die Gebrüder Koch, die einen der größten Mischkonzerne besitzen.
Die zweite Ebene widmet sich den Vermögensverwaltern, also jener Spezies von Finanzprofis, die oft viele Milliarden an Anlegergeldern verwalten und durch eine einzige Entscheidung einzelne Aktien abstürzen oder haussieren lassen. Hier finden sich jede Menge Hedgefonds-Manager und Chefanleger großer Fondsgesellschaften, deren Namen nicht allzu geläufig sind, die man sich aber merken sollte. Auch der Chef der Abu Dhabi Investment Authority wird aufgeführt – immerhin gehört dieser Staatsfonds zu den größten der Welt und verwaltet allein 700 bis 800 Milliarden Dollar (bis zu 636 Milliarden Euro) Vermögen.
Einziger Deutscher Hans-Werner Sinn
Bei der Liste der wichtigsten politischen Entscheidungsträger ist zunächst auffällig, dass weder US-Präsident Obama noch Bundeskanzlerin Angela Merkel oder andere Staatsoberhäupter darauf erscheinen. Dies hat einen systematischen Grund: Es sollen bewusst jene im Mittelpunkt stehen, die nicht nur Grundsatzentscheidungen treffen, sondern durch konkrete politische Handlungen Pflöcke einschlagen. Daher sind die Notenbankpräsidenten dabei, aber beispielsweise auch die Ministerpräsidentin des indischen Bundesstaates Westbengalen.
Sie war wesentlich daran beteiligt, ein Reformvorhaben der Regierung zu Fall zu bringen, durch das der indische Einzelhandelsmarkt liberalisiert werden sollte. Dies markierte eine dramatische Wende. Seither ist der Reformprozess im Land zum Erliegen gekommen. Eine Frau hat ein Milliardenvolk in neue Bahnen gelenkt.
Durch Gedanken und Worte wirken jene im vierten Teil der Liste: meist Professoren und Ökonomen. Einige wie Paul Krugman sind seit Jahren dauerpräsent in der Öffentlichkeit, andere haben durch ihre Forschung wichtige Beiträge geleistet, so beispielsweise Nicolas Veron, der an dem Brüsseler Think Tank Bruegel wirkt. Unter ihnen ist auch der einzige Deutsche in der Liste: Hans-Werner Sinn, der Präsident des Münchner Ifo-Instituts. Ihm wird die wenig schmeichelhaft gemeinte Fähigkeit zugeschrieben, dass er „die Macht habe, Angela Merkel von Maßnahmen abzuhalten, die die Euro-Krise lindern könnten“. Schließlich dürfen auch die Banker nicht fehlen. Dieser Teil ist wenig überraschend – hier stehen die Chefs der größten Banken. Einfluss wird denen vor allem aufgrund zweier Fähigkeiten zugesprochen: den einen, weil sie Mitarbeiter entlassen haben; den anderen, weil sie Rekordgewinne eingefahren haben. Fragt sich, ob dies wirklich die Qualitäten sind, die charakteristisch für die einflussreichsten Finanzmarktakteure sein sollten.
BMO


