Patentkrieg

Apples Sieg ist eine Niederlage für die Verbraucher

Firmen könnten von der Herstellung von Android-Geräten abgeschreckt werden - damit wird die Auswahl an Smartphones und Tablets geringer.

Die Entscheidung eines Geschworenengerichts im Patentstreit zwischen Apple und Samsung zugunsten des US-Konzerns könnte erhebliche Auswirkungen für die Verbraucher haben. Denn es könnte bedeuten, dass die Auswahl an Smartphones geringer wird.

Der Sieg von Apple ist nach Einschätzung von Analysten zudem eine Warnung an alle anderen Firmen, die ähnliche Geräte produzieren: Sie müssen ebenfalls mit Klagen rechnen.

Die Geschworenen kamen zum Ende eines dreimonatigen Prozesses am Freitag zum Ergebnis, dass Samsung einige Techniken von Apple abgekupfert habe, um seine Smartphones, die mit dem Betriebssystem Android von Google laufen, besser verkaufen zu können.

Samsung soll deshalb rund eine Milliarde Dollar Schadenersatz zahlen. Einige Hersteller würden es sich jetzt vielleicht schon überlegen, ob sie Android-Geräte herstellen und den Streit mit Apple riskieren, sagt Christopher Marlett, Chef der Investmentbank MDB Capital Group. „Es könnte darauf hinauslaufen, dass Google ihnen Schadenersatz zahlenmuss, wenn sie weiter Android-Geräte herstellen wollen.“

Das gilt aber nur, wenn das Urteil Bestand hat. Samsung, der weltgrößte Smartphone-Hersteller, wird es wohl kaum hinnehmen. Die Anwälte forderten die Richterin schon auf, sie solle die Entscheidung der Geschworenen zurücknehmen. Wenn das nicht geschehe, werde man in Berufung gehen.

„Diese Entscheidung darf nicht Bestand haben, sie entmutigt Innovationen und schränkt das Recht der Verbraucher ein, selbst eine Entscheidung zu treffen“, sagte Samsung-Anwalt John Quinn. Die Anwälte von Apple wollen hingegen nun ein Verkaufsverbot für etliche Samsung-Geräte in den USA beantragen. Über alle diese Anträge wird Bezirksrichterin Lucy Koh zu entscheiden haben, was noch einige Wochen dauern kann.

Auch eine Niederlage für Google

„Ich weiß nicht, ob eine Milliarde Dollar für Apple oder Samsung von Bedeutung ist“, sagte Analyst Marlett. „Aber da sind auch die sozialen Kosten. Als Firma will man ja nicht als jemand dastehen, der etwas von anderen stiehlt. Ich bin mir sicher, dass Samsung als Innovator angesehen werden will, vor allem, da ja eine Reihe asiatischer Firmen bekannt dafür sind, Designs zu stehlen.“

Die Niederlage für Samsung ist nach Ansicht der Analysten der ISI Group auch eine für Google und sein Betriebssystem Android. Wenn Android Anteile auf dem Markt der Mobilgeräte verliert, dann verliert auch Google. Denn über Android laufen die Anfragen an die Suchmaschine Google, die an der Werbung dazu verdient.

Google trat in den Smartphone-Markt ein, als der damalige Google-Chef Eric Schmidt auch noch im Aufsichtsrat von Apple saß. Das brachte Apple-Mitgründer Steve Jobs auf, der in Android nur eine dreiste Kopie der Innovationen des iPhones sah. Nachdem Schmidt aus dem Apple-Aufsichtsrat gedrängt worden war, drohte Jobs, dass Apple einen „Atomkrieg“ starten werde, um Android und seine Verbündeten zu zerstören.

Heimvorteil vor Gericht

Der Prozess jetzt muss wohl dazugezählt werden. Bei den Rechtsexperten der Wall Street galt Samsung ohnehin von Anfang an als Underdog. Und das nicht nur aus juristischer Sicht. Die Apple-Zentrale liegt gerade einmal 15 Kilometer vom Gerichtsgebäude in San Jose entfernt. Alle Geschworenen kommen aus dem Silicon Valley, wo Jobs als Technikpionier verehrt wird.

Dass es so etwas wie einen Heimvorteil bei Prozessen gibt, zeigte sich zuvor in Südkorea. Dort wurde der Antrag von Apple, dass Samsung das „Look and Feel“ des iPhones kopiert habe, zurückgewiesen.