Fluggesellschaft

Air Berlin setzt auf einen verschärften Sparkurs

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Nach dem die Fluggesellschaft Air Berlin im zweiten Quartal erneut in die roten Zahlen geflogen muss gespart werden - mehr als geplant.

Die Fluggesellschaft Air Berlin kommt mit ihrem Sparprogramm schneller voran als erwartet. Statt 200 Millionen Euro sollen die Effekte in diesem Jahr nun 230 Millionen Euro erreichen, wie Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft am Mittwoch in ihrem Halbjahresbericht mitteilte. Die insgesamt angestrebte Summe von 250 Millionen Euro werde sich aber allenfalls leicht erhöhen, sagte Finanzchef Ulf Hüttmeyer am Mittwoch.

Die Airline bekräftigte ihr Ziel, im nächsten Jahr nach mehreren verlustreichen Jahren beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern wieder schwarze Zahlen zu schreiben. „Was wir tun, ist nichts, was über Nacht wirkt, aber es gibt Fortschritte“, sagte Vorstandschef Hartmut Mehdorn.

Sorgen bereitet der Airline, dass sie in Berlin im Winter weiter auf den alten Flughafen Tegel angewiesen ist. Die Hängepartie um die Eröffnung des Hauptstadtflughafens nannte Mehdorn ein Ärgernis. „Hoffentlich kommen die schnell in die Hufe“, sagte er. Air Berlin muss wegen der geplatzten Eröffnung sein Berliner Drehkreuz weiter am Flughafen Tegel aufbauen, der dafür eigentlich nicht geeignet ist. Eine Schadenersatzsumme wurde noch nicht genannt, dafür muss erst klar sein, wie lange die Airlines noch auf den neuen Flughafen warten müssen. Mehdorn sagte, über Schadenersatz sei man in einem guten Dialog mit der Flughafengesellschaft.

Air Berlin rechnet damit, von seinen Fluggästen mehr Geld verlangen zu können. Schon in den ersten sechs Monaten seien die Durchschnittspreise (Yield) um 7,5 Prozent gestiegen – auch weil im Rahmen des Sparprogamms unrentable Strecken mit niedrigen Preisen wegfielen und weil Air Berlin mehr Langstrecken flog.

Im zweiten Quartal war das Unternehmen trotz der überraschend großen Sparerfolge erneut in den roten Zahlen gelandet. Unterm Strich wuchs das Minus um 51 Prozent auf 66 Millionen Euro, wie der Lufthansa-Konkurrent bereits vergangene Woche mitgeteilt hatte. Hüttmeyer führte das auf einen steuerlichen Sondereffekt zurück. Die gestiegenen Kerosinkosten seien jedoch kompensiert worden.

Der Umsatz stieg trotz eines reduzierten Flugangebots um knapp zwei Prozent auf mehr als 1,1 Milliarden Euro. Der operative Verlust vor Zinsen und Steuern (EBIT) verringerte sich um neun Prozent auf 29 Millionen Euro, obwohl die Gesellschaft rund zehn Prozent mehr für Treibstoff ausgeben musste.

Unterdessen will das Unternehmen sein Eigenkapital mit dem Verkauf von acht Flugzeugen aufbessern. Seit dem vergangenen Jahreswechsel war die Eigenkapitalquote bis Ende Juni von 11,2 Prozent auf 4,0 Prozent gesunken. Das entspricht einem Eigenkapitalbestand von 101 Millionen Euro. Bereits im Juli sei das Kapital wieder um 60 Millionen Euro gewachsen.

Airlines fordern von Gewerkschaft Millionen-Betrag

Unterdessen beschäftige der Fluglotsen-Tarifstreit vom vergangenen Sommer ab Donnerstag erneut das Frankfurter Arbeitsgericht. Die Lufthansa, Air Berlin und Ryanair fordern von der Fluglotsengewerkschaft GdF insgesamt rund 3,3 Millionen Euro Schadenersatz. Grund sind zwei Streikaufrufe vom August 2011. Nach monatelangem Tarif-Clinch mit der Deutschen Flugsicherung (DFS) hatte die Gewerkschaft damals die Fluglotsen in ganz Deutschland in den Ausstand gerufen.

Der erste Streik-Anlauf wurde von einem Gericht gestoppt. Beim zweiten Versuch erklärte ein Arbeitsrichter den Streik für legal – lediglich ein Schlichtungsangebot der DFS vereitelte den Ausstand wenige Stunden vor seinem geplanten Beginn. Die Airlines sind der Ansicht, dass beide Streikaufrufe rechtswidrig waren.

Die Gewerkschaft sieht das naturgemäß anders und verweist darauf, dass die Airlines nur mittelbar von einem Ausstand betroffen gewesen wären – einzig Bestreikter wäre der Arbeitgeber – also die Flugsicherung – gewesen. Der Punkt sei wichtig, da anderenfalls jeder Streik unkalkulierbare Haftungsrisiken nachsichziehen würde, argumentiert die GdF. Das Gericht könnte bereits am Donnerstag ein Urteil verkünden.

In einem ähnlichen Fall waren die Lufthansa und andere Fluglinien im März bereits gescheitert. Das Frankfurter Arbeitsgericht hatte ihre Schadenersatzklage über 32.000 Euro gegen die GdF abgewiesen.