Urabstimmung

Bei Lufthansas Flugbegleitern stehen die Zeichen auf Streik

Besseres Angebot oder Streik: Die Flugbegleiter der Lufthansa haben die Weichen für einen Arbeitskampf gestellt.

Der Lufthansa droht ein Streik ihrer Stewards und Stewardessen. In einer Urabstimmung hätten sich 97,5 Prozent der Mitglieder für einen Streik ausgesprochen, sagte der Chef der Gewerkschaft Ufo, Nicoley Baublies, am Mittwoch zu Reuters. Die 18.000 Kabinenangestellten werden die Arbeit aber nicht sofort niedergelegen. Zunächst wolle die Gewerkschaft noch ein letztes Tarifangebot der Lufthansa abwarten, das der Konzern am 16. August vorlegen wolle. Falls die Offerte nicht weitreichend genug sei, könnte am 17. August ein Streik beschlossen werden, betonte der Gewerkschaftsführer.

Der Tarifkonflikt zieht sich bereits seit Monaten hin. Dabei geht es den Arbeitnehmervertretern nicht so sehr um höhere Gehälter. Gestritten wird vielmehr um die Sparschritte, die die Lufthansa ihren Mitarbeiter an Bord zumuten will. Sturm laufen die Gewerkschafter vor allem gegen den Einsatz von Leiharbeitern, die auf Flügen von und nach Berlin die Stammbelegschaft ersetzen. Da die Stewardessen – bislang wurden 130 rekrutiert – flexibler und länger eingesetzt werden können, spart die Lufthansa nach eigenen Angaben ein Fünftel der Kosten. Gleichzeitig befürchtet Ufo, dass die Airline noch weitere Einschnitte in der Vergütungsstruktur vornehmen will. Die sind nach Ansicht der Lufthansa-Manager nötig, da die Kranich-Linie in Europa mit Billigfliegern wie Ryanair oder Easyjet konkurriert, die wesentlich niedrigere Kosten haben – auch weil das Personal wesentlich schlechter bezahlt wird. Die Lufthansa hingegen fliegt auf vielen Europarouten Verluste ein.

Europaverkehr unter Druck

Die Gewerkschaft hatte ihre Mitglieder Mitte Juli zur Urabstimmung aufgerufen, nachdem der Konzern nach Gewerkschaftsangaben die jüngsten Ufo-Vorschläge als nicht verhandelbar abgelehnt hatte. Ein Lufthansa-Sprecher betonte, dass die Verhandlungen weder abgebrochen noch gescheitert seien. Die Lufthansa sei nach wie vor daran interessiert, zusammen mit Ufo nach Lösungen in dem Konflikt zu suchen. Die Streikbereitschaft der Stewardessen und Stewards hat die Lufthansa-Aktien bei den Anlegern unpopulär gemacht. Die Titel rutschten um mehr als vier Prozent auf 9,83 Euro ans Dax-Ende.

Die Lufthansa sieht sich nicht nur im Europaverkehr unter Druck. Auf den lukrativen Fernstrecken nach Asien und Australien luchsen der Airline schnell wachsende Rivalen aus dem Nahen Osten wie Emirates oder Air-Berlin -Partner Etihad zunehmend Passagiere ab. Um nicht ins Hintertreffen zu geraten, hat die Lufthansa Anfang des Jahres das größte Sparprogramm ihrer Geschichte gestartet. Zudem versucht die Airline damit, den drückenden Ausgaben für Kerosin gegenzusteuern. Konzernweit soll der operative Gewinn bis 2014 um mindestens 1,5 Milliarden Euro gesteigert werden – allein 900 Millionen Euro soll das Passagiergeschäft beisteuern. Der Kurs zahlt sich bereits aus: Im zweiten Quartal erwirtschaftete die Lufthansa einen operativen Gewinn von 361 Millionen Euro – 28 Prozent mehr als vor Jahresfrist.

Einsatz von Leihstewardessen soll verhindert werden

Aus juristischen Gründen darf Ufo nur Streikziele nennen, die auch tatsächlich mit dem offenen Vergütungstarifvertrag geregelt werden, wie zum Beispiel Gewinnbeteiligungen oder Entgelterhöhungen. Hinter den Kulissen geht es aber um den geplanten Umbau des Luftfahrtkonzerns, der seine Leistung vergleichsweise teuer produziert und daher mit dem Programm „Score“ 1,5 Milliarden Euro im Jahr sparen will.

Ufo will den dauerhaften Einsatz von Leihstewardessen ebenso verhindern wie die Einführung niedriger angesetzter Tarifstrukturen bei der geplanten Gesellschaft für Direktflüge. Die Gewerkschaft fürchtet die Verlagerung von 2000 Arbeitsplätzen in die neue Tochter, in der das Tarifgefüge letztlich rund 40 Prozent unter dem der Lufthansa liegen solle.

Parallel laufen auch Tarifverhandlungen der Lufthansa mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), während Verdi für das übrige Personal eine Einigung erzielt hat. Eine Unternehmenssprecherin verwies in Frankfurt auf die noch laufenden Verhandlungen für die Kabine. „Wir wollen weiterhin mit Ufo gemeinsam eine Lösung erzielen“, erklärte sie. Zu einem möglichen Angebot wollte sie sich nicht äußern.

Die Flugbegleiter der Lufthansa haben noch nie einen Streik durchgezogen. 2009 gab es an zwei Tagen mehrstündige Warnstreiks, die zu Flugausfällen und Verspätungen führten. Diese hätten gezeigt, dass Ufo sehr wohl in der Lage sei, empfindliche Nadelstiche zu setzen, sagte Baublies. Einen Erzwingungsstreik wie etwa in der Metallindustrie halte er aber für unrealistisch