Sicher war es nett gemeint, dass die Experten im Finanzministerium an die 620 Bundestagsabgeordneten jenes Papier per E-Mail übersenden ließen, über dessen Inhalt am 19. Juli in einer Sondersitzung abgestimmt werden soll. Immerhin geht es da um Spaniens Antrag auf einen Kredit von bis zu 100 Milliarden Euro aus dem Rettungsschirm EFSF.

Sie erinnern sich? Für diese eine Sitzung müssen die Parlamentarier sogar ihre Sommerfrische unterbrechen und zurück nach Berlin eilen. Da ist es fraglos hilfreich, den Entwurf des „Memorandum of Understandig“ in deutscher Übersetzung auf dem Tisch zu haben, um sich im Vorfeld kundig zu machen, worum es überhaupt geht. Schließlich kann man bei den ganzen Millionen- und Milliardenbeträgen, mit denen in Brüssel zwecks Euro-Rettung jongliert wird, schnell mal den Überblick verlieren.

Peinlicherweise ist genau das nun auch den Kollegen im Finanzministerium passiert, die den als „Verschlusssache (VS) – Nur für den Dienstgebrauch“ gekennzeichneten Entwurf zum Antrag Spaniens auf Finanzhilfe ins Deutsche übertrugen. Und wie es Murphys Gesetze wollen, sogar an einem – vorsichtig formuliert – ziemlich neuralgischen Punkt, nämlich Ziffer 32. Da heißt es in gefetteten Lettern: „Spanien würde ein EFSF-Darlehen über einen Gesamtbetrag von bis zu ca. 100 Mio. EUR benötigen …“

Tja, aus Milliarden werden eben schnell mal Millionen, wenn man nicht aufpasst. Aber sieht ja auch besser aus, vor allem nicht so kostenintensiv. Und nun? Fürs Erste sollten sich die Abgeordneten vielleicht die Mühe machen, zur Originalfassung zu greifen, wenn sie sich denn am Hotelpool noch die Zeit mit Lektüre vertreiben wollen, bevor es wieder nach Berlin geht. Dabei lassen sich auch – schöner Nebeneffekt – die Englischkenntnisse auffrischen. Ganz kostenlos, versteht sich.