Konkurrenzdruck

Hamburger Versandhaus Otto will seine Preise senken

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Einkaufen beim größten deutschen Versender soll kostengünstiger werden. Denn bei Preis-Suchmaschinen landet er oft auf den hinteren Plätzen.

Der Otto-Versand reagiert mit Preissenkungen auf die immer aggressiveren Angriffe der neuen Konkurrenz aus dem Internet. „Wir werden Preise gezielt senken“, sagte Otto-Vorstandsvorsitzender Hans-Otto Schrader am Mittwoch in Hamburg.

Der größte deutsche Versender reagiert damit darauf, dass immer mehr Kunden über Preis-Suchmaschinen im Internet nach Produkten suchen und Otto dabei oft hinten liegt. Die Preissenkungen sollen ab Oktober 2012 rechtzeitig für das Weihnachtsgeschäft eingeführt werden. Schrader machte noch keine Angaben dazu, welche Produktgruppen billiger werden sollen.

Otto blickt aber trotz Konjunkturschwäche verhalten optimistisch in die Zukunft. „Die Otto Group ist hoffnungsvoll ins neue Geschäftsjahr gestartet“, sagte Konzernchef Schrader bei der Präsentation der Bilanz 2011/2012. Die Umsätze in Deutschland, Russland und in den Segmenten Service und Finanzdienstleistungen seien in den vergangenen drei Monaten zum Teil zweistellig gestiegen. Angesichts der Unsicherheiten um die Zukunft des Euro und deren Auswirkungen auf die Konsumstimmung blieb das Management allerdings vorsichtig: „Unser Ziel ist weiterhin ein moderates Wachstum bei wieder steigenden Gewinnen.“ Otto setzt künftig verstärkt auf Service und Finanzdienstleistungen. Im laufenden Jahr sollen diese beiden Unternehmensbereiche einen Anteil von bis zu 20 Prozent am Konzernumsatz erreichen, sagte Hans-Otto Schrader

Nach dem Vorbild der Expansion in Russland und dem geglückten Start in Brasilien nimmt Otto nun die Türkei ins Visier, um im boomenden Onlinegeschäft weiter zu wachsen, bei dem die Hamburger mit dem US-Konzern Amazon konkurrieren. Bislang ist der Handelskonzern mit dem Online-Anbieter Limango in dem aufstrebenden Land am Bosporus aktiv.

Quelle.de wird zum Flop

Die Wiederbelebung der traditionsreichen Versandhandelsmarke Quelle wird für den einstigen Konkurrenten Otto zum Flop: „Wir sind nicht zufrieden und erreichen unsere Pläne nicht“, sagte Schrader. Der Otto-Konzern hatte nach der Quelle-Pleite im November 2009 die Markenrechte des Konkurrenten gekauft. Im vergangenen Jahr nahm Otto die Marke als Internetseite www.quelle.de wieder in Betrieb, vor allem für Waren aus den Bereichen Technik und Haushalt. „Wir haben die Strahlkraft der Marke Quelle überschätzt“, sagte Schrader. Außerdem hätten die Preise auf Quelle.de nicht gegen Angebote für identische Produkte bei Amazon bestehen können.

Die neue Quelle GmbH ist für Otto ein Experiment: Quelle ist nicht selbst der Händler, sondern organisiert eine Art Marktplatz im Internet. Andere Händler können ihre Waren dort präsentieren, Quelle übernimmt nur die finanzielle Abwicklung des Geschäfts und gibt dem Kunden so Sicherheit.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr schrumpfte der Betriebsgewinn (Ebit) der Gruppe mit Marken wie Otto, Schwab, Baur und Crate & Barrel mit weltweit mehr als 53.000 Beschäftigten um nahezu ein Drittel auf 259 Millionen Euro ein. Der Reingewinn brach sogar um fast 90 Prozent auf 23 Millionen ein. Als Gründe führte Otto gestiegene Rohstoffkosten, Verluste im Frankreich-Geschäft sowie hohe Investitionen an. Hinzu kommen schärfere Umweltauflagen in China, von wo Otto einen Großteil seiner Textilien bezieht. In der Volksrepublik steigen zudem die Arbeitskosten. Der Konzernumsatz stieg um 1,7 Prozent auf 11,6 Milliarden Euro.

Der Otto-Versand zeigte zuletzt in Deutschland erhebliche Schwächen: Der Universalversender verzeichnete im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatzrückgang von 2,1 Prozent auf rund zwei Milliarden Euro. Der gesamte deutsche Versandhandel legte dagegen um mehr als zwölf Prozent zu. Innerhalb der Otto-Gruppe liefern Spezialfirmen wie Sport-Scheck bessere Zahlen. Der Konzern schob daher ein Sanierungsprogramm an und will die drei Marken Otto-Versand, Schwab und Baur enger zusammenführen und dabei auch Jobs streichen.