Angeschlagene Banken

Spanien sucht nun doch Hilfe in Europa

Kleiner Euro-Rettungsschirm: Noch am Sonnabend wird Spanien voraussichtlich doch Hilfe beantragen – für seine kriselnden Banken.

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Die spanische Regierung knickt nach wochenlangem Ringen mit den Finanzmärkten ein und wird voraussichtlich schon am Wochenende beim Euro-Rettungsschirm EFSF um Milliardenhilfen bitten. Das Land werde Unterstützung bei der Stabilisierung seiner Banken beantragen, hieß es am Freitag in EU-Kreisen und in der deutschen Regierungskoalition. Details wollen die Euro-Finanzminister am Samstag in einer Telefonkonferenz besprechen.

Die spanische Regierung hatte zuletzt ihr Zögern damit begründet, dass erst noch Gutachten über den Finanzbedarf der Banken abgewartet werden sollen. Die Zahlen des Internationalen Währungsfonds (IWF) für den Kapitalbedarf der spanischen Institute würden noch am Freitag erwartet, hieß es aus gut informierten Kreisen. Der IWF soll von weniger als 50 Milliarden Euro ausgehen. In anderen Kreisen hieß es, es würden grob 100 Milliarden Euro veranschlagt. Allein die Krisenbank Bankia will vom Staat für ihre Sanierung insgesamt mehr als 23 Milliarden Euro. Sie hat wie andere Großbanken eine Vielzahl „fauler“ Immobilienkredite in ihren Bilanzen.

Der Staat, der selbst unter einer hohen Schuldenlast ächzt, hat das Geld aber nicht in der Kasse. Er kann es sich auch nicht ohne weiteres auf den Kapitalmärkten besorgen, weil Spanien – wie Finanzminister Christóbol Montoro zuletzt selbst einräumte – dort keine Kredite zu erschwinglichen Bedingungen mehr erhält.

Spanien befürchtet, dass bei einem Antrag auf Hilfe aus dem Euro-Rettungsfonds das Land in denselben Topf geworfen würde wie Griechenland, Portugal und Irland und damit das Vertrauen der Anleger für längere Zeit verlöre. Besonders die Sparkommissare der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Weltwährungsfonds (IWF), „Troika“ genannt, gelten als Schrecken.

Kleiner Rettungsschirm

Auf Madrid kämen aber voraussichtlich keine umfassenden Spar- und Reformauflagen zu – wie sie für Griechenland und Portugal gelten. Aber das Euroland müsste harte Auflagen für seinen Bankensektor in Kauf nehmen. Denn der EFSF hat auch die Möglichkeit, der Regierung nur bei der Rekapitalisierung des Finanzsektors unter die Arme zu greifen, der Staat selbst würde dann nicht vom EFSF gestützt. Die dafür im Gegenzug fälligen Reformauflagen würden sich unter diesem kleinen Rettungsschirm auf den Finanzsektor beschränken.

Deutschland will nach den Worten von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) keinen Druck auf Spanien ausüben, einen Antrag auf Hilfen des Euro-Rettungsfonds zu stellen. „Es ist immer klar, dass die Länder, die von der Solidarität partizipieren wollen, selber diesen Antrag stellen“, sagte Merkel am Freitag in Berlin.

„BBB“ macht es Spanien noch schwerer

Spanien steckt in einer tiefen Bankenkrise, weil viele Spanier ihre Immobilienkredite nach dem Bauboom der vergangenen Jahre nicht mehr zurückzahlen können. Ob ein kleiner Rettungsschirm für Spanien auf Dauer ausreichen wird, ist aus Sicht von Experten offen. Ein deutscher Regierungsvertreter schloss nicht aus, dass der Staat selbst irgendwann gestützt werden muss. Am Donnerstag konnte das Land die Banken um 2,1 Milliarden Euro anzapfen, musste für die Papiere aber höhere Zinsen bieten.

In Zukunft könnte die Geldbeschaffung noch teurer werden. Fitch senkte Spaniens Bonitätsnote auf „BBB“ von „A“. Damit gelten spanische Anleihen noch immer als relativ sichere Anlage. Jedoch versah Fitch die neue Note mit einem negativem Ausblick, was auf eine weitere Herabstufung hindeutet.