Berliner Start-ups

Ehemalige Brauerei wird zu Gründerzentrum umgebaut

Schon Ende des Jahres soll ein neues Gründerzentrum in Berlin-Mitte eröffnen und sich zum Mittelpunkt für Start-ups entwickeln.

Foto: julianbreinersdorfer.com"

Die ganze Sache ging, so schildert es Simon Schaefer, recht zügig vonstatten. Kauf des Grundstücks Ende vergangenen Jahres, Beginn der Umbauarbeiten unmittelbar danach, die ersten Mieter werden im Juli einziehen, bis Jahresende. Schaefer spricht für eine Gruppe von Unternehmern, die mit einem Projekt in Mitte an der Rheinsberger Straße international Aufsehen erregen.

Für einen zweistelligen Millionenbetrag wird das Gelände einer ehemaligen Brauerei zum Gründer- und Technologiezentrum umgebaut. Gerüchte um das Projekt gehen schon seit Wochen durch die Gründerszene. „Die Akzeptanz ist riesig. Deswegen machen wir es auch größer als ursprünglich geplant“, sagt Schaefer. Vier Gebäude, insgesamt 10.000 Quadratmeter Fläche. Dazu Platz für den fast unvermeidlichen Coffeeshop und ein kleines Basketballfeld.

Es ist ein weiteres Beispiel für den Wandel in der Berliner Wirtschaft. Großprojekte, wie die Nachnutzung des Flughafenareals in Tegel stocken wegen fehlender Großinvestoren und einem impotenten Land Berlin. Gleichzeitig fließt, fast unberührt von öffentlichen Bemühungen, ein üppiger Geldstrom in junge Firmen der Internetbranche. Die Internetriesen Google und Groupon sicherten sich ihre deutschen Klone DailyDeal beziehungsweise Citydeal. Finanziers aus der ganzen Welt registrieren genau, was sich in der Berliner Gründerszene tut. Prominentestes Beispiel ist der Schauspieler Ashton Kutcher, der Geld für die Berliner Neugründungen Amen und Gisdy gab. Mittlerweile hat eine junge internationale Elite Berlin zur europäischen Start-up-Hauptstadt aufgebaut. Annähernd 2000 neue Unternehmen, die sich mit Software und Internet beschäftigen, werden pro Jahr gegründet. Die Gründerfabrik ist ein weiterer Baustein für die Start-up-Hauptstadt Berlin.

Die ersten beiden Mieter an der Rheinsberger Straße stehen bereits fest. Es sind die Unternehmen SoundCloud und 6Wunderkinder. Soundcloud ist ein Dienst, wo Nutzer Musik aufnehmen, online stellen und vermarkten können. Investoren haben dem Unternehmen angeblich 50 Millionen Euro gegeben. Über Soundcloud können Musikdateien via Internet getauscht oder gemeinsam bearbeitet werden. 6Wunderkinder programmiert Apps, Programme für mobile Geräte wie Handys oder Tablet-Rechner. Geld floss unter anderem vom Schweden Niklas Zennström, der mit dem Netz-Telefondienst Skype zum Milliardär wurde.

„Über Soundcloud als Ankermieter sind wir sehr glücklich“, sagt Schaefer. Wer auf die derzeit noch freien Quadratmeter beziehen soll, wird nach strengen Kriterien entschieden. „Wir wollen keine Firmen, die Geschäftsmodelle nachahmen. Es soll für innovative Gründer interessant sein.“

Schaefer und seine Mitstreiter werden ein entscheidendes Wort mitzureden haben. Sie kennen sich aus. Es seien „Gründer der ersten Internetwelle“, wie er sagt. Sie sind zu Geld gekommen, wie beispielsweise Marc Brucherseifer. Er hat den Mobilfunkdienstleister Drillisch gegründet und ist damit zu Reichtum gekommen. Oder Dario Suter, der das Studentennetzwerk StudiVZ, mit aufbaute und sich verabschiedete, bevor das große Darben dort anfing. Dazu gesellt sich der Immobilienunternehmer Udo Schloemer, dessen Firma S+P bei der Entwicklung des Grundstücks in Mitte mitmacht.

Schaefer ist Teilhaber der Investmentfirma JMES, die ihr Geld wiederum in zirka 20 junge Firmen gesteckt hat. In der jungen Branchen ist Netzwerk das entscheidende Wort, das immer wieder zu hören ist. Man kennt sich untereinander, weil viele, wie Schaefer, schon verschiedene Firmen gegründet haben. Jetzt zimmern sie ein Heim für das Netzwerk.

In Berlin schlägt sich der Aufschwung der Internet- und Computerbranche in Zahlen nieder. Die letzte offizielle Statistik aus 2009 weist 213.000 Mitarbeiter in der Kommunikations-, Medien- und Kulturwirtschaft aus. Es dürften mittlerweile längst mehr sein.

Im Bezirksamt Wedding war man äußerst erstaunt über das Tempo der Investoren. Zunächst, erzählt ein Mitarbeiter, habe man der Verwaltung das Versprechen größter Geheimhaltung abgerungen. Damit ist es nun vorbei, nachdem erste Blogs im Internet berichteten. „Nun dürfte das Interesse noch einmal angefacht werden“, erwartet Schaefer.