Der Ansturm der Aussteller auf die Internationale Funkausstellung (IFA) in Berlin ist so groß wie nie zuvor. Rund viereinhalb Monate vor ihrer Eröffnung am 31. August ist sie bereits überbucht, sagte IFA-Chef Jens Heithecker. Die meisten namhaften Hersteller seien wieder vertreten. Zum ersten Mal dabei sei Intel. Messe-Berlin-Chef Christian Göke erwartet nach eigenen Worten ein neues Rekordjahr bei der vermieteten Fläche, dem „wichtigsten Indikator für das Vertrauen der Branche in die IFA“. Im vergangenen Jahr zeigten 1441 Aussteller auf mehr als 140.000 Quadratmetern in 26 Hallen ihre Produkte. Auch 2011 war die Messe bereits überbucht, der Platz für die Aussteller war so eng, dass sogar Übergänge der Hallen für Stände genutzt werden mussten.

Messe-Chef Göke hat sich nun zum Ziel gesetzt, die Zahl der internationalen Besucher auf der IFA in diesem Jahr weiter zu steigern. Neue Direktverbindungen vom künftigen Hauptstadtflughafen, der am 3. Juni eröffnen soll, böten dafür gute Voraussetzungen, sagte er am Wochenende auf der internationalen IFA-Pressekonferenz vor rund 300 Journalisten im kroatischen Dubrovnik. Zahlen wollen die Verantwortlichen derzeit nicht preisgeben, noch laufe das Anmeldungsverfahren. „Aber wir gehen davon aus, dass die Ausstellerzahl von 2011 übertroffen wird“, sagte ein Sprecher der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (GFU) Morgenpost Online. Es sei eine „echte Herausforderung, alle Aussteller unterzubringen“.

Die IFA ist eine Händler- und Privatkundenmesse. Neben den Endkunden, die sich unter dem Funkturm über die neuesten Trends der Branche informieren, werden auch zahlreiche Geschäftsabschlüsse getätigt. Im vergangenen Jahr hatten die Aussteller am Ende der IFA Aufträge mit einem Volumen von rund 3,7 Milliarden Euro in den Büchern. „Die breite Zielgruppe der IFA ist das Geheimnis für den Erfolg dieser Messe“, heißt es bei der GFU.

Steigende Nachfrage erwartet

Die Hersteller von Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik sowie Hausgeräten erwarten dieses Jahr weltweit eine steigende Nachfrage. „Die Konsumenten leisten sich nach wie vor gern Consumer-Electronics-Produkte. Das hat 2011 zu einem Umsatz von mehr als 27 Milliarden Euro und damit einem Plus von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr geführt. Für 2012 erwarten wir mit einem Plus von rund vier Prozent eine erneute Umsatzsteigerung auf mehr als 28 Milliarden Euro“, sagte Rainer Hecker, Aufsichtsratsvorsitzender der GFU.

Große Potenziale sehe die Branche vor allem in aufstrebenden Märkten in Asien-Pazifik und Lateinamerika sowie in Russland, sagte Jürgen Boyny von der Nürnberger Marktforschungsgesellschaft GfK. Europa sei nach wie vor ein bedeutender Käufermarkt. Darüber hinaus werde Wachstum erzielt durch innovative Produkte, wie sie jährlich auf der IFA zu sehen seien. Wachstumstreiber sind Tablet-PCs, Smartphones und – wenn auch mit geringerer Dynamik als in den Jahren zuvor – Flachbildfernseher mit hochauflösender und dreidimensionaler Technik. Die Internetfähigkeit sowie die steigende Energieeffizienz der Geräte würden das Marktgeschehen in Zukunft weiter prägen, ergänzte Boyny.

Dennoch steht die Branche massiv unter Druck, Hauptproblem ist der Preisverfall für viele Produkte. Mit Blick auf die daraus resultierenden wirtschaftlichen Probleme von Branchengrößen wie Sony, Samsung, Sharp und Panasonic fordert Hecker nun: „Die Wertevernichtung der Industrie muss beendet werden. Unsere Produkte sind so attraktiv, dass ein Verkauf nur über den Preis nicht erforderlich ist.“ Handel und Industrie müssten profitabel wirtschaften, um in Innovationen für neue Produkte und Dienstleistungen investieren zu können.

Produkte immer billiger

Derzeit ist die Branche eher von einem zähen Preiskampf geprägt. Hersteller und Händler stehen weniger bei Hausgeräten, dafür aber bei Consumer-Electronics-Produkten in einem harten Verdrängungswettbewerb, der über den Preis ausgetragen wird. Die GFU liefert dafür ein Beispiel: Seit der Einführung der flachen Bildschirmtechnologien sind die verkauften Stückzahlen von jährlich 5,7 Millionen im Jahr 2005 auf 9,6 Millionen im vergangenen Jahr gestiegen. Der Durchschnittspreis beispielsweise bei den 32-Zoll-Geräten hat sich im gleichen Zeitraum von 1599 Euro auf im Durchschnitt nur noch 491 Euro, also weniger als ein Drittel, reduziert. Gleichzeitig verfügen die TV-Geräte neuester Generation jetzt aber über eine Vielzahl zusätzlicher Funktionen wie beispielsweise HDTV, 3-D und Internetverbindung.

Die IFA 2012 findet vom 31. August bis 5. September auf dem Messegelände unterm Funkturm statt. Im Mittelpunkt der Messe stehen in diesem Jahr Systeme, die Fernseher und das Internet miteinander verbinden. Bei Haushaltsgeräten stehen der Komfort bei der Bedienbarkeit und Themen wie Lifestyle im Vordergrund. Ein weiteres wichtiges Thema bei allen Geräten ist angesichts steigender Strompreise die Energieeffizienz.

Die weltgrößte Elektronikmesse hatte im vergangenen Jahr 238.000 Besucher angezogen, das waren drei Prozent mehr als 2010.

do/dpa