Teurer Sprit

Ölkonzerne sind nicht die Freunde der Autofahrer

Rekordpreise an den Tankstellen verärgern die Autofahrer. Umso entscheidender wird es in Zukunft sein, unabhängige Benzinverkäufer zu stützen, um den großen Ölkonzernen nicht den Markt zu überlassen.

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Tanken wird immer komplizierter. Die Preise schwanken viel öfter, und die Preisausschläge sind viel größer als noch vor wenigen Jahren. Statt um zwei oder drei Cent unterscheiden sich die Angebote heute um acht oder neun Cent, selbst während der Nacht und an Feiertagen drehen die Ölkonzerne an ihren Preistafeln. Dahinter steckt die Absicht, möglichst viel Geld je Liter Benzin zu verdienen. Das alles ist sehr ärgerlich für den Autofahrer: Er muss ständig aufpassen, nicht zur falschen Zeit und am falschen Ort zu tanken. Der Frust an der Tankstelle ist bei den aktuellen Rekordpreisen nur allzu verständlich.

Aber was erwarten wir von den Ölkonzernen? Dass sie die Freunde der Autofahrer sind? Ob es nun die Exxon-Tochter Esso, die BP-Gesellschaft Aral, der Staatskonzern Total aus Frankreich oder eine freie Tankstellenkette ist – sie alle wollen ihren Eigentümern möglichst viel einbringen. Damit sie dabei nicht über das Ziel hinausschießen, gibt es den Staat, der ihre Preise kontrolliert. Doch bis zum heutigen Tag ist es den Behörden nicht gelungen, den Ölkonzernen unlauteren Wettbewerb nachzuweisen.

Höchste Steuern in Europa

Unsere hohen Tankstellenpreise haben vor allem einen Grund: Kein anderes großes Land in Europa nimmt beim Benzinverkauf so viel Steuern ein, wie es hierzulande der Fall ist. Oder umgekehrt ausgedrückt: Außer in Großbritannien und in Finnland ist Tanken in allen großen europäischen Ländern teurer als an deutschen Tankstellen – wenn staatliche Abgaben herausgerechnet werden.

Dieser Unterschied hat einen Grund: In keinem anderen Land tanken Autofahrer jeden vierten Liter Benzin bei einer freien Station, so wie es deutsche Kunden machen. Die Politik muss daher alles unternehmen, dass diese Benzinverkäufer überleben und nicht von Ölkonzernen an die Wand gedrückt werden. Denn sie sind die einzigen, die den Kunden zumindest etwas Wettbewerb garantieren.