Winterflaute

Arbeitslosigkeit steigt wieder über drei Millionen

Die Winterpause hat die Arbeitslosenzahl im Januar über die Marke von drei Millionen getrieben. Die Job-Aussichten bleiben aber trotzdem gut.

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist am Jahresanfang wieder über die Marke von drei Millionen gestiegen . Die Zunahme fiel aber geringer aus als für den Januar üblich . Bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) waren 3,082 Millionen Erwerbslose registriert, wie die Behörde mitteilte.

Dies seien 302.000 mehr gewesen als im Dezember, aber 264.000 weniger als vor einem Jahr. Zuletzt hatte die Arbeitslosigkeit im April 2011 über der Marke von drei Millionen gelegen. Die Arbeitslosenquote habe im Monatsvergleich um 0,7 Prozentpunkte auf 7,3 Prozent zugelegt, teilte die BA mit.

„Der aktuelle Anstieg der Arbeitslosigkeit hat rein jahreszeitliche Gründe“, sagte BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise. Die Zunahme sei geringer als in den Vorjahren. Unter Herausrechnung der saisonalen Schwankungen fiel die Erwerbslosenzahl im Monatsvergleich um 34.000. Auch die Erwerbstätigenzahlen für Deutschland sind weiter positiv: Im Dezember waren in Deutschland erneut mehr Menschen in Lohn und Brot als im Vorjahresmonat. Die Zahl stieg um 525.000 oder 1,3 Prozent auf 41,4 Millionen, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Damit waren in der Bundesrepublik den siebten Monat in Folge mehr als 41 Millionen Menschen beschäftigt. Im Vergleich zum November sank die Zahl der Erwerbstätigen saisonal bedingt um 166.000.

Job-Boom soll weitergehen

Und die BA rechnet auch in den kommenden Monaten mit einer Fortsetzung des Job-Booms. Bisher gebe es keine Hinweise, dass deutsche Unternehmen in größerem Umfang Entlassungen planten, sagte BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker. Er berief sich dabei auf eine monatliche Umfrage der Behörde bei den 174 Arbeitsagenturen. Diese meldeten eine ganz normale Entwicklung.

„Lediglich sechs Agenturen berichteten von einer Verschlechterung der Arbeitsmarktlage in ihrer Region.“ Für Februar rechnet die BA erneut mit mehr als drei Millionen Arbeitslosen. Erst danach werde wahrscheinlich die psychologisch wichtige Schwelle unterschritten, sagte BA-Chef Weise. Je nach Wetterlage könnte die Zahl der Arbeitslosen im Februar um bis zu 60.000 steigen.

Auch Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) reagierte gelassen auf den Anstieg der Arbeitslosigkeit. „Der Januar ist und bleibt der klassische Monat, in dem sich die Unternehmen mit Neueinstellungen zurückhalten“, sagte sie. Erfahrungsgemäß wirkten sich zu Jahresanfang das Ende des Weihnachtsgeschäfts und witterungsbedingte Entlassungen negativ aus.

Grundsätzlich halte die positive Entwicklung aber an. So seien zum Ende des letzten Jahres 1,3 Millionen mehr Menschen in Arbeit gewesen als ein Jahr zuvor. Zugleich seien 919 000 ausgeschriebene Stellen noch unbesetzt.

Der Ausblick auf das Gesamtjahr 2012 sei jedoch schwierig. „Vieles steht unter dem Vorbehalt der Schuldenkrise“, meinte die Ministerin. Im Jahresverlauf dürfte die deutsche Wirtschaft die Wachstumsdelle überwinden. „Auf dem Arbeitsmarkt ist von einer Abschwächung nichts zu erkennen.“

Auch Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler bezeichnete den Anstieg im Januar als ausschließlich jahreszeitlich bedingt. „Der Arbeitsmarkt legt keinen Winterschlaf ein. Er zeigt sich weiterhin erfreulich robust“, sagte der FDP-Politiker. Wenn man die saisonalen Einflüsse vernachlässige, so setzten sich der Aufbau von Beschäftigung und der Abbau von Arbeitslosigkeit fort.

Dies trage dazu bei, die Binnenkonjunktur zu stabilisieren. „Damit steigen die Chancen, dass die deutsche Wirtschaft die gegenwärtige Wachstumspause schnell hinter sich lassen und wieder den Wachstumskurs einschlagen kann.“, betonte Rösler.