Euro-Desaster

Deutsche Wirtschaft ist keine Insel der Seligen

Europas Politiker sollten nicht nur ständig sagen, was sie ändern wollen, sie sollten es endlich auch umsetzen. Sonst werden auch wir die Rezession spüren.

Europa rutscht in die Rezession, und Deutschland spürt davon fast nichts. Sicher, das Wachstum war schon mal stärker. Aber der Arbeitsmarkt brummt. Die Steuereinnahmen sprudeln. Selbst die Bürger, die sich früher eher durch Angst als durch Zuversicht auszeichneten, sind guter Laune. Deutschland ist nicht nur in einer wackeligen Euro-Zone, sondern auch im weltweiten Vergleich so etwas wie eine Insel der Seligen.

Diese Seligkeit birgt aber die Gefahr, dass sich Bevölkerung und Politik zu sicher fühlen. Weil niemand hierzulande die schlimmen Folgen der Krise bei unseren Euro-Partnern spürt, haben wir das Gefühl, das Ganze habe mit uns wenig zu tun – oder nur insoweit, als wir einen Teil der Rechnung für andere bezahlen müssen. Dass es uns am Ende selbst treffen dürfte, verdrängen wir. Uns kann nichts passieren, ist der Tenor.

Aber das Euro-Desaster wird auch bei uns seine Spuren hinterlassen – erst recht, wenn die Lage eskalieren sollte, weil die Griechen in die Pleite rutschen. Oder weil Italien kein Geld mehr bekommt. Das ginge an unseren Firmen, Jobs und an unseren Ersparnissen nicht spurlos vorbei.

Deshalb sollten Europas Politiker nicht nur ständig sagen, was sie ändern wollen, sie sollten es endlich auch umsetzen: Die geplante Hebelung des Euro-Rettungsfonds EFSF endet gerade als Flop. Und das zweite Hilfspaket für Athen, bereits mehrfach verhandelt, reicht so nicht aus, weil sich die Wirtschaftslage dort weiter verschlechtert. Selbst der gepriesene Fiskalpakt wird gerade verwässert. Und das sind nur drei traurige Beispiele von vielen.