Wenige Tage vor Beginn der Grünen Woche haben die Nahrungsmittelhersteller die Verbraucher auf höhere Preise eingestimmt. "Zwischen drei und vier Prozent" müssten die Preise in diesem Jahr steigen, sagte Jürgen Abraham, Vorsitzender der Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie (BVE) , dem in Berlin erscheinenden "Tagesspiegel".
Damit reagiere die Branche auf die anhaltend hohen Rohstoffpreise und steigende Personal- und Energiekosten . "Das Ende der Fahnenstange ist erreicht", sagte Abraham.
Verhindere der Handel mit seiner starken Marktmacht Preiserhöhungen, gerieten die Unternehmen mit ihrer Leistungs- und Innovationsfähigkeit ans Ende. Die Grüne Woche, die weltgrößte Ernährungsmesse, beginnt am Freitag in Berlin.
Im Vorfeld der Messe forderte die Verbraucherorganisation Foodwatch stärkere Konsequenzen aus den jüngsten Lebensmittelskandalen . Die Verbraucherpolitik sei nicht initiativ und schlagkräftig genug. "Sie handelt in den meisten Fällen nur reaktiv, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist", sagte Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode.
Foodwatch kritisiert Tierhalter
In der Agrarwirtschaft seien vor allem bei Futtermittelherstellern Verbesserungen nötig, auf die viele Krisen zurückzuführen seien. Um den Antibiotika-Einsatz in der Tiermast zu senken, brauche es grundlegende Änderungen der Haltungsbedingungen.
Es sei eine Legende, dass Supermarktkunden nur an billigen Preisen interessiert seien, sagte Bode. "Sie sind auch bereit für Qualität zu zahlen. Allerdings müssen sie dann auch erkennen, ob ein Lebensmittel besser ist als das andere." Informationen etwa zur Tierhaltung seien völlig unzureichend. Die Produktion werde teurer, wenn zum Beispiel bessere Rohstoffe fürs Futter verwendet würden. Angesichts vieler anderer Faktoren bedeute dies aber noch lange nicht, dass auch Produkte im Regal dadurch erheblich teurer werden müssten.
Um das Wegwerfen von Lebensmitteln zu bekämpfen, reiche es nicht, die Bedeutung des Mindesthaltbarkeitsdatums besser zu erklären. "Man wirft nur etwas weg, was nicht kostbar ist." Tatsächliche Kosten der Landwirtschaft wie etwa Belastungen von Klima oder Grundwasser durch Düngemittel seien in den Preisen der Lebensmittel bisher aber nicht enthalten.
Ehrlichkeit bei diesen Kosten würde Lebensmittel kostbarer machen und zu weniger Verschwendung führen. Der Foodwatch-Chef kritisierte, dass dasselbe Bundesministerium für Verbraucherschutz wie Landwirtschaft zuständig ist. "Wir brauchen ein Verbraucherministerium, das nur für die Verbraucher da ist und nicht gleichzeitig für die Futtermittelindustrie."
dapd/cat




