Mehr Jobs

Händler und Handwerker erwarten erfolgreiches 2012

Die Aussichten für Erwerbstätige in Deutschland sind glänzend: Handel, Handwerk und Industrie rechnen 2012 mit sinkender Arbeitslosigkeit.

Foto: dpa

Spitzenverbände der Wirtschaft sehen dem neuen Jahr mit Optimismus entgegen . Sowohl der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) als auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) erwarten einen Rückgang der Arbeitslosigkeit.

DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann sagte: „Die Perspektiven für die deutsche Wirtschaft sind um einiges besser, als es die derzeitige Stimmung vermuten lässt .“ Er erwarte für 2012 „immerhin noch ein Wachstum von einem Prozent“.

Driftmann fügte hinzu: „Auch im neuen Jahr wollen die Unternehmen hierzulande investieren, Kapazitäten aufbauen und neue Stellen schaffen. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte dadurch 2012 noch weiter zurückgehen auf rund 2,8 Millionen.“

Die Kehrseite der erfreulichen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt sei, dass es den Unternehmen immer schwerer falle, ihren Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften zu decken. Mittlerweile sehe jedes dritte Unternehmen im Fachkräftemangel ein großes Risiko für die eigene Geschäftsentwicklung.

ZDH-Präsident Otto Kentzler sagte: „Die Handwerksbetriebe sind aktuell eine Jobmaschine.“ In vielen Branchen seien „längst mehr Jobs offen als Arbeitslose gemeldet“. Kentzler betonte: „Die Handwerkswirtschaft wird weiter wachsen, mindestens um 1,5 Prozent. Der Binnenmarkt ist stabil, die Menschen investieren wieder in Werte statt in faule Papiere.“ Kentzler mahnte zugleich, die Euro-Länder müssten „zurück zu einer soliden Haushaltspolitik“. Wenn das gelinge, steige auch wieder das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung.Driftmann bezeichnete die europäische Schuldenkrise als einen „Unsicherheitsfaktor“.

Hierbei werde „es sehr darauf ankommen, dass den auf dem Euro-Gipfel beschlossenen Maßnahmen jetzt Taten folgen, die auch nachhaltig greifen“. Das wäre „dann auch ein klares Signal an die Finanzmärkte“. Der DIHK-Präsident fügte hinzu: „ Die Konjunktur in Europa dürfte sich allmählich wieder berappeln , wenn die Politik jetzt mutig umdenkt. Wir rechnen für 2012 EU-weit mit 0,5 Prozent Wachstum.“

Driftmann betonte: „Auch wenn unsere Exporte in die EU-Länder vorerst langsamer wachsen, bin ich insgesamt zuversichtlich.“ Denn die ersten angestoßenen Reformen und die eingeleitete Sanierung der Staatsfinanzen seien „gute Investitionen – und werden sich in besseren Exportchancen für die deutsche Wirtschaft niederschlagen“.

Wirtschaftsexperten mahnen Sachlichkeit an

Der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Wolfgang Franz, mahnte zu Sachlichkeit bei der Bewertung der Konjunkturaussichten. Franz sagte, er rechne zwar im neuen Jahr mit einer deutlichen Abschwächung der Konjunktur in Deutschland. Dies gebe jedoch keinen „Anlass zur Panik“.

Der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim fügte hinzu: „Vor allem warne ich davor, eine Rezession herbei zu reden.“ Er rechne derzeit damit, dass sich der Rückgang der Arbeitslosigkeit „abschwächen“ wird. Im Durchschnitt des Jahres 2012 erwartet Franz rund 2,9 Millionen Arbeitslose und rund 41 Millionen Erwerbstätige in Deutschland.

Optimistischer zeigte sich der Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn, Klaus Zimmermann. Er sagte, der Arbeitsmarkt bleibe trotz der Unsicherheiten durch die Euro-Krise „auf Wachstumskurs“. Voraussetzung dafür sei, dass der private Konsum „weiterhin stabil bleibt“. In diesem Fall hält Zimmermann „im Jahresdurchschnitt ein Absinken der offiziell gemeldeten Zahl der Arbeitslosen auf 2,7 Millionen für möglich“. Er sieht Deutschland mittelfristig auf dem Weg zur „Vollbeschäftigung“. Zimmermann sagte, die Zahl der Arbeitslosen könne ab 2015 „angesichts der jetzt massiv einsetzenden demografischen Entlastungen unter die Zwei-Millionen-Grenze rutschen“.

Aufgrund der Altersentwicklung werde zum Beispiel im Jahr 2012 das Arbeitskräfteangebot um rund eine Viertel Million Menschen abnehmen. Zimmermann betonte, dieser Prozess werde „sich in den kommenden Jahren weiter forcieren“. Insofern könne Deutschland „in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts Vollbeschäftigung erreichen, also eine Arbeitslosenquote bei vier Prozent“.

Der IZA-Direktor fügte hinzu: „Ich gebe aber zu, dieses Ziel ist ehrgeizig und setzt voraus, dass Politik und Tarifparteien daran aktiv arbeiten.“ Franz sagte: „Auf jeden Fall steht und fällt die Konjunkturentwicklung im Jahr 2012 mit der Lösung der Schuldenkrise im Euro-Raum. Sollte diese wider Erwarten nicht gelingen und der Welthandel daraufhin stagnieren, müssten wir mit einer Wachstumsrate von minus 0,5 Prozent für 2012 rechnen.“ Gleichwohl gehe er „nach derzeitigem Stand der Dinge nicht davon aus, dass es soweit kommen wird und wir in eine markante Rezession schlittern“.

Der Chef der sogenannten Wirtschaftsweisen betonte ferner: „Die vom Sachverständigenrat Anfang November prognostizierte Wachstumsrate von 0,9 Prozent bewegt sich wohl am oberen Rand einer optimistischen Variante, realistischer sind wohl eher 0,5 Prozent für 2012.“ Beide Werte bewegten sich „allerdings in einem Prognose-Unschärfebereich, der diesmal angesichts einiger beachtlicher Risiken größer ausfällt als sonst“.