"Angstkasse"

Banken parken 411 Milliarden Euro bei der EZB

Furcht vor neuen Abstürzen: Die Kreditinstitute haben bei der Europäischen Zentralbank eine Rekordsumme gebunkert – für Experten ein klares Zeichen, dass das Bankensystem trotz staatlicher Milliardenhilfen noch immer unter einer schweren Vertrauenskrise leidet.

Foto: dpa / dpa/DPA

Das Misstrauen im Finanzsystem ist so hoch wie nie: Über Weihnachten schwoll die „Angstkasse“ der Banken bei der EZB nach Reuters-Daten auf 411 Milliarden Euro an.

So viel Geld haben die Kreditinstitute noch nie bei der Europäischen Zentralbank (EZB) geparkt – und das, obwohl sich viele Geldhäuser noch kurz vor den Feiertagen bei der EZB mit der gigantischen Summe von fast einer halben Billion Euro eingedeckt hatten und es bei der EZB so gut wie keine Zinsen gibt: Der Zinssatz für die so genannte Einlagefazilität liegt aktuell nämlich bei gerade einmal 0,25 Prozent.

Fachleute sehen in der enormen Summe, die nun bei der EZB eingeliefert wurde, ein Beleg für den hohen Stress des Bankensystems.

Vor den Weihnachtstagen hatte die Notenbank noch mit einem Mega-Refinanzierungsgeschäft mit drei Jahren Laufzeit versucht, die Verspannungen zu mindern. Offenbar mit nur wenig Erfolg. Am Donnerstag vor Weihnachten hatten die Institute auch schon fast 350 Milliarden bei der EZB geparkt – nun sind es noch gut 60 Milliarden Euro mehr.

Zugleich kommen einige Häuser wegen der Vertrauenskrise offenbar weiter nicht an Geld. Sie waren gezwungen, sich frische Liquidität bei der EZB zu besorgen und riefen 6,1 Milliarden Euro bei der Zentralbank ab. Hierfür müssen sie 1,75 Prozent bezahlen – deutlich mehr als der Leitzins von aktuell einem Prozent, aber offenbar immer noch deutlich weniger als auf dem freien Geldmarkt, wo sich Banken sonst frisches Geld leihen.

Dieser Markt ist seit Beginn der ersten Finanzkrise Mitte 2007 gestört. Zuletzt sorgte die ungute Mischung aus Schulden-, Banken- und einer sich in vielen Teilen der Welt abzeichnenden neuen Konjunkturkrise für Verspannungen wie zuletzt nach der Pleite von Lehman Brothers im Herbst 2008. Der vor Weihnachten abgewickelte erste Drei-Jahres-Tender der EZB und ein weiterer Tender Ende Februar sollten die Lage eigentlich beruhigen, da allen Instituten so viel Geld zur Verfügung gestellt wird wie sie wollen – ein in normalen Zeiten undenkbares Verfahren für eine Notenbank.

Die EZB hatte zudem Anfang des Monats erstmals seit der Einführung des Euro 1999 die Mindestreservepflicht auf ein Prozent halbiert und dem Bankensystem damit zusätzliche rund 100 Milliarden Euro zufließen lassen. Die Mindestreserve ist der Teil der Kundeneinlagen, den Banken bei der Notenbank parken müssen.