Konjunktur

Deutsche trotz Euro-Krise im Kaufrausch

Das Weihnachtsgeschäft läuft, die Deutschen sind in Konsumlaune - trotz Euro-Krise. Und auch die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich entgegen der Vorhersagen aufgehellt. Volkswirte hatten mit einem Rückgang gerechnet.

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Trotz der Gefahr einer Rezession im Euro-Raum blicken die deutschen Verbraucher mit Zuversicht aufs neue Jahr. Zum ersten Mal seit fünf Monaten stiegen im Dezember die Erwartungen an die wirtschaftliche Entwicklung, wie aus einer Umfrage der GfK-Marktforscher hervorgeht. "Die Verbraucher nehmen offensichtlich die nach wie vor sehr guten konjunkturellen Rahmenbedingungen stärker wahr als in den vergangenen Monaten“, schreiben die Nürnberger Forscher. Die Kauflust sei trotz eines Dämpfers noch immer stark ausgeprägt. Auch im Januar soll das Konsumklima stabil bleiben.

Das Gesamt-Barometer, das neben der Konjunktur- und Einkommenserwartung auch die Anschaffungsneigung der Bürger misst, zeigt demnach wie im Vormonat 5,6 Punkte an. „Der private Konsum wird damit seiner Rolle als wichtige Stütze der Konjunktur gerecht“, meint GfK-Experte Rolf Bürkl. Angesichts der abkühlenden Weltkonjunktur setzen viele Experten darauf, dass die Verbraucher mit ihren Ausgaben das Wachstum in Deutschland im kommenden Jahr am Leben halten.

Trotz des wachsenden Optimismus sind die Konsumenten weniger geneigt als im November, sich größere Anschaffungen wie Fernseher oder Möbel zu leisten. Der Indikator verzeichnete ein deutliches Minus von 12,9 Punkten, liegt mit 27,4 Zählern jedoch noch immer auf vergleichsweise hohem Niveau.

Schon jetzt verunsichere gerade die Euro-Dauerkrise die Verbraucher sichtlich . So seien die Konjunkturerwartungen der Bürger im Juli und August, als die Diskussion um die Staatsschulden Griechenlands und Italiens einen vorläufigen Höhepunkt erreicht hatte, regelrecht eingebrochen. „Vor dem Hintergrund der verschärften Finanzkrise tendieren die Verbraucher weiterhin dazu, eher werthaltige Anschaffungen zu tätigen als ihre finanziellen Mittel gegen historisch niedrige Zinsen auf die hohe Kante zu legen“, erläutert Bürkl.

Da spielt eine gewisse Angst mit“, erläuterte Bürkl: „Was passiert mit meinem Vermögen, wenn es zum Crash kommt?“ Dies beinhalte zum einen ganz konkret die Furcht vor einem Verlust des eigenen Geldes, zum anderen aber auch mögliche finanzielle Belastungen durch Steuererhöhungen oder Abgaben.

Wirtschaftsexperten freuen sich über die optimistische Einstellung der Verbraucher. „Es ist sehr positiv, dass die Verbraucher eine bessere Konjunkturaussicht haben. Doch ist es noch zu früh, um von einem Wendepunkt zu sprechen", sagte Christian Schulz, Analyst der Berenberg Bank.

"Für die deutsche Binnennachfrage ist das ein weiteres gutes Zeichen, dass positive Impulse von hier kommen werden. Diese können die abzusehenden Rückschläge vom Außenhandel und bei den Firmeninvestitionen abfedern.“

Geschäftsklima überraschend positiv

Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Dezember weiter an, nachdem er sich bereits im Vormonat stabilisiert hatte, wie das Ifo-Wirtschaftsforschungsinstitut am Dienstag mitteilte. Die Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft würden die momentane Situation „als unverändert günstig“ einschätzen, erklärte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn: „Die deutsche Wirtschaft scheint dem Abschwung Westeuropas erfolgreich zu trotzen.“ Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg demnach im Dezember um 0,6 Punkte auf 107,2 Punkte und setzte damit seinen Aufwärtstrend der vergangenen zwei Monate weiter fort. Im November hatte er bei 106,6 Punkten gelegen, im Oktober bei 106,4.

Der Ifo-Erwartungsindex, der die Aussichten der Unternehmen für die kommenden sechs Monate abbildet, stieg im Vergleich zum Vormonat um 1,1 Punkte auf 98,4 Punkte. Auch er setzte damit den positiven Trend der vergangenen zwei Monate fort. Im Oktober hatte er bei 97 Punkten gelegen. Die aktuelle Geschäftslage beurteilten die Firmen weiterhin unverändert positiv. Der entsprechende Ifo-Index verharrte im Dezember wie in den Vormonaten bei 116,7 Punkten, erklärte das Institut.

Das Geschäftsklima im Einzelhandel stieg den Angaben zufolge deutlich und im Großhandel leicht. Auch im Bauhauptgewerbe verbesserte sich die Einschätzung der aktuellen Lage weiter. Im verarbeitenden Gewerbe wurde das Geschäftsklima im Dezember dagegen als unverändert eingeschätzt, teilte das Ifo-Institut mit. Die Industrieunternehmen bewerteten ihre Geschäftslage zwar als etwas weniger gut als im November, von einem „Absturz“ wie im Krisenjahr 2008 könne jedoch keine Rede sein. Es zeigten sich vielmehr „Stabilisierungstendenzen“ bei einem aufgehellten Ausblick auf das kommende halbe Jahr. Für seinen monatlichen Index wertet das Institut nach eigenen Angaben etwa 7000 Meldungen von Firmen aus.

Das Ifo-Institut befragt monatlich etwa 7000 Firmen, wie sie ihre aktuelle Lage und die Erwartungen für die nächsten sechs Monate bewerten.