Versuchter Anschlag

Anarchisten bekennen sich zu Ackermann-Bombe

Deutsche-Bank-Chef Ackermann ist einem Attentat entkommen: Ein abgefangener Brief enthielt eine funktionstüchtige Bombe. Italienische Anarchisten bekannten sich dazu. Finanzmarktkritiker der Occupy-Bewegung und Attac veruteilten den Anschlag aufs Schärfste.

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Das hessische Landeskriminalamt hat den Brief analysiert.

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Nach außen hin demonstriert man Normalität. Die üblichen zwei Sicherheitsmänner stehen mit der üblichen versteinerten Miene an den Türen. Polizisten sieht man nur ein paar Hundert Meter weiter – sie regeln den Verkehr an einer Baustelle. Es müsse ja alles seinen normalen Gang gehen, sagt ein Mitarbeiter im „BrandSpace“ im Erdgeschoss der Frankfurter Zwillingstürme, wo sich die Deutsche Bank in schillernden Farben selbst feiert.

Tatsächlich aber ist seit Mittwochvormittag nicht mehr viel normal in der Zentrale des größten deutschen Kreditinstituts. Da ging ein brauner Umschlag im C5-Format in der Poststelle ein, adressiert an Vorstandschef Josef Ackermann persönlich. Den Mitarbeitern kam er eigenartig vor, eine Röntgenuntersuchung brachte einen Inhalt mit Drähten und Metallteilen ans Licht. Gegen Mittag schaltete die Bank die Polizei ein. Die Mitarbeiter hätten sehr gut reagiert, lobte das hessische Landeskriminalamt. Denn im Umschlag befand sich eine „sehr brisante, gefährliche Bombe“, wie es die Ermittler ausdrückten.

Warnung vor weiteren Briefbomben

Der Schweizer gilt hierzulande für viele als das Gesicht des Kapitalismus schlechthin und damit auch als Feindbild – und dies offensichtlich selbst über die Grenzen Deutschlands hinaus. Zu dem Anschlag bekannte sich eine linksautonome Organisation namens Federazione Anarchica Informale, kurz FAI. Das hessische Landeskriminalamt konnte ein entsprechendes Bekennerschreiben in italienischer Sprache sicherstellen. Der Verfasser spricht von „drei Explosionen gegen Banken, Bankiers, Zecken und Blutsauger“. Das LKA geht daher davon aus, dass noch zwei weitere Briefbomben verschickt worden sein könnten. Bei der FAI handelt es sich nach Angaben der Polizei um eine terroristische, linksanarchistische Organisation. Die Gruppe habe in der Vergangenheit mehrfach die Verantwortung für Anschläge gegen staatliche Organisationen übernommen – so auch für eine Briefbombe, die 2003 an die Europäische Zentralbank geschickt wurde.

Schon einmal war ein Vorstandssprecher der Deutschen Bank das Ziel eines Attentats: 1989 tötete die RAF den damaligen Bankchef Alfred Herrhausen. Auf den neuerlichen Anschlagsversuch reagierte das Institut schockiert. „Die Deutsche Bank ist sehr betroffen über den gewalttätigen Anschlagsversuch auf ihren Vorstandsvorsitzenden“, hieß es in einem offiziellen Statement.

Ackermann ist der mit Abstand bekannteste Manager Deutschlands. Kein anderer Wirtschaftslenker ist gleichermaßen respektiert und umstritten wie er. Der Schweizer steht für Rekordgewinne und standhaften Widerstand gegen staatliche Hilfe für seine Bank, andererseits aber auch für sein arrogantes Victory-Zeichen zum Auftakt des Mannesmann-Prozesses und für manchen selbstgefälligen Auftritt. Polarisiert hat er seit eh und je, Drohungen sind daher keine Seltenheit. Aber einen Anschlag gegen ihn gab es noch nie.

Bombe ohne Profi-Sprengstoff

Nach Informationen von Morgenpost Online wurde der Brief an die Deutsche Bank in Mailand aufgegeben. Es sei kein Profi-Sprengstoff verwendet worden, sagte die Frankfurter Oberstaatsanwältin Doris Möller-Scheu. Es sehe eher nach dem Eigenbau eines Amateurs aus. Das brennbare Pulver hätte beim Öffnen des Umschlags aber Ermittlern zufolge Verbrennungen an Hand, Gesicht und Oberkörper verursachen können.

Die genaue Zusammensetzung des Sprengstoffs ist für die Ermittler von großer Bedeutung. Denn davon erhoffen sie sich weitere Hinweise auf den Täter. Ermittler wunderten sich über die Vorgehensweise des Täters. Schließlich müsse jedem, der über die Abläufe in einem Konzern wie der Deutschen Bank nachdenke, schnell klar werden, dass ein solcher Brief kaum unbehelligt das Büro des Vorstandschefs erreichen würde. „Und selbst wenn, dann würde nicht Ackermann selbst den Brief öffnen, sondern eine Sekretärin.“

Occupy und Attac distanzieren sich

Sollte es dem Täter nicht auf eine Ermordung Ackermanns angekommen sein, sondern um ein antikapitalistisches Zeichen, so könnte er sein Ziel bereits mit dem Versuch erreicht haben. Sympathie von deutschen Bankenskeptikern erntete er aber nicht. Die Finanzmarktkritiker der Occupy-Bewegung, die wenige Meter von der Deutschen Bank ihr Protest-Camp aufgeschlagen haben, verurteilten den Anschlag „aufs Schärfste“. Ebenso die globalisierungskritische Organisation Attac: „Es gibt bei uns einen ganz klaren Konsens: Von uns geht keine Gewalt aus.“

Nach dem Anschlagsversuch informierte die Bank die Mitarbeiter an all ihren Standorten und erhöhte die Sicherheitsvorkehrungen. Ackermann selbst ist in eine hohe Sicherheitsstufe eingeordnet. So bewegt sich Ackermann grundsätzlich nicht ohne Leibwächter in der Öffentlichkeit. Der Schweizer werde sich auch nach dem versuchten Anschlag nicht aus der Öffentlichkeit zurückziehen.