Bilanzskandal

Olympus vertuscht jahrelang Milliarden-Verlust

Manager des Kameraherstellers haben Verluste von mehr als einer Milliarde Euro verheimlicht. Auch die Deutsche Bank soll in den Skandal verwickelt sein.

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Der Bilanzskandal beim Kameraherstellers Olympus muss nach Meinung einer unabhängigen Untersuchungskommission juristische Konsequenzen nach sich ziehen. Zwei hochrangige ehemalige Manager hätten vorsätzlich Verluste von 1,3 Milliarden Euro verschleiert, heißt es einem Bericht.

Die Experten forderten auch die Auswechslung der Führungskräfte, die von den illegalen Machenschaften wussten und kritisierten die externen Wirtschaftsprüfer. „Hilfe und Unterstützung von Außen war ein wichtiger Faktor für die Langlebigkeit der Vertuschung“, heißt es. Ein Mitglied des Vorstands und ein Buchprüfer hatten seit 1998 Verluste aus Wertpapiergeschäften als Kosten für Beratungen und Firmenzukäufen ausgewiesen.

Japanische Mafia offenbar nicht beteiligt

Das organisierte Verbrechen ist der Kommission zufolge nicht in den Bilanzskandal verwickelt: „Die Kommission konnte keine Beteiligung von asozialen Kräften an der Vertuschung von Verlusten feststellen.“ Der Begriff wird in Japan häufig für die Mafia-ähnlichen Yakuza-Banden verwendet. Die Untersuchung nährt die Hoffnung der Investoren, dass das Traditionsunternehmen an der Börse gelistet bleibt. Allerdings teilte die Börse in Tokio mit, der Hersteller von Kameras und medizintechnischer Ausrüstung bleibe unter Beobachtung.

Der frühere Konzernchef Michael Woodford selbst hatte den Skandal im Oktober ans Licht gebracht. Daraufhin verlor er seinen Posten und musste wegen Sicherheitsbedenken das Land verlassen. Dies hatte die Befürchtung geweckt, dass die Yakuza in den Skandal verwickelt sein könnte. Woodford würde derweil seinen alten Posten gerne wieder einnehmen. „Ich werde nach Japan zurückkehren, um Aktionäre und potenzielle Investoren treffen“, sagte der Brite.

Eine der Schlüsselzahlungen ist nach Informationen von „Spiegel Online“ über die Deutsche Bank abgewickelt worden. Laut einem internen Bericht des Wirtschaftsprüfers PricewaterhouseCoopers (PwC) flossen über die größte deutsche Bank 410 Millionen Dollar an Finanzberater bei der Übernahme des britischen Medizintechnik-Spezialisten Gyrus, wie „Spiegel Online“ berichtete. Der Empfänger, die Beraterfirma Axam Investments, saß im Steuerparadies Cayman Islands.

Deutsche Bank möglicherweise in Skandal verwickelt

Der japanische Kamera-Hersteller hatte vor einigen Wochen eingeräumt, dass die angebliche Berater-Zahlung nur dazu diente, frühere Verluste aus Anlagegeschäften zu verschleiern. Das vollständige Ausmaß des Bilanzbetrug ist noch offen.

An die heute unauffindbaren Finanzberater im Gyrus-Deal war die ungewöhnliche hohe Summe von fast 700 Millionen Dollar geflossen – rund ein Drittel des Kaufpreises. Olympus droht die Verbannung von der Börse in Tokio, falls das Unternehmen bis Mitte Dezember seinen verzögerten Geschäftsbericht für das vergangene Quartal nicht nachreichen kann.